Schloss Clos Lucé in Amboise, Leonardo da Vincis letzter Wohnsitz
Foto: „Amboise – Château du Clos Lucé“ von Thesupermat, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons (Größe angepasst)

Leonardo da Vinci: Zeittafel seines Lebens von 1452 bis 1519

Leonardo da Vinci wurde am 15. April 1452 bei Vinci in der Toskana geboren und starb am 2. Mai 1519 im Schloss Clos Lucé bei Amboise in Frankreich. Dazwischen liegen fünf klar unterscheidbare Lebensphasen: Florenz, Mailand, die Wanderjahre, Rom und Amboise.

Die folgende Zeittafel ordnet die belegten Stationen nach Jahr, Ort, Ereignis und dem Werk, das in dieser Zeit entstand. Viele Gemälde lassen sich nur auf einige Jahre genau datieren; wo die Forschung Spannen angibt, stehen hier Spannen. Ausführliche Beschreibungen der Bilder finden sich in unserer Übersicht Leonardo da Vincis Werke.

Die Zeittafel

JahrOrtEreignisWerk
15.04.1452Vinci bzw. Ortsteil AnchianoGeburt als uneheliches Kind des 25-jährigen Notars Piero da Vinci und der 22-jährigen Caterina; der Großvater Antonio vermerkt die Geburt–
1457VinciLeonardo lebt bei der Familie seines Vaters–
um 1467–1469FlorenzEintritt in die Werkstatt des Bildhauers, Goldschmieds und Malers Andrea del Verrocchio–
1472FlorenzEintrag in die Liste der Malergilde (Compagnia di San Luca)um 1472–1475: Engel in Verrocchios „Taufe Christi“
1473Florenzfrüheste datierte ZeichnungFederzeichnung des Arnotals (Uffizien)
um 1475Florenzeigenständige Aufträge neben der Werkstattarbeit„Verkündigung“, „Madonna mit der Nelke“
09.04.1476FlorenzAnonyme Anzeige gegen Leonardo und drei weitere junge Männer; das Verfahren wird eingestellt–
1475–1480Florenzerste Porträts und Marienbilder„Madonna Benois“ (St. Petersburg), „Ginevra de’ Benci“ (Washington)
März 1481FlorenzAuftrag der Mönche von San Donato a Scopeto für ein Altarbild„Anbetung der Könige“ (unvollendet, Uffizien)
1482MailandWechsel an den Hof von Ludovico Sforza; im Bewerbungsschreiben stellt er seine Fähigkeiten als Militäringenieur voran–
1483–1486MailandAuftrag einer Bruderschaft für die Franziskanerkirche San Francesco„Felsgrottenmadonna“, erste Fassung (Louvre)
1483–1490MailandPorträt von Cecilia Gallerani„Dame mit dem Hermelin“ (Krakau)
1485–1486MailandMitarbeit an Plänen für das Castello Sforzesco und den Mailänder Dom–
1490Mailand, PaviaGian Giacomo Caprotti, genannt Salaì, kommt in den Haushalt; Studienaufenthalt in Paviaum 1490: „Vitruvianischer Mensch“ (Datierung schwankt)
1493MailandDas Tonmodell des Reiterdenkmals für Francesco Sforza wird öffentlich gezeigtModell des „Gran Cavallo“
1494MailandDie für das Denkmal vorgesehene Bronze wird zu Kanonen verarbeitet; der Guss fällt aus–
1495–1498MailandWandbild im Refektorium von Santa Maria delle Grazie, rund 8,8 × 4,6 Meter„Das Abendmahl“
1498MailandLudovico schenkt ihm einen Garten vor der Porta Vercelli; Ausmalung der Sala delle Asse im CastelloDeckendekoration Sala delle Asse
Dez. 1499Mailand → Mantua, VenedigNach dem Einmarsch Ludwigs XII. verlässt er Mailand mit dem Mathematiker Luca Pacioli–
1500FlorenzRückkehr in die Heimatstadt, Unterkunft bei den Serviten der Santissima Annunziata–
1501FlorenzAusstellung eines Kartons zum Altarbild, großer PublikumsandrangKarton zur „Anna selbdritt“, „Madonna mit der Spindel“
1502–1503Romagna, Urbino, ImolaOberster Militäringenieur für Cesare Borgia; Begegnung mit Niccolò Machiavellikartografische Zeichnungen, u. a. in Urbino
1503FlorenzAuftrag für ein Schlachtenbild im Ratssaal des Palazzo Vecchio; Michelangelo malt gegenüber„Schlacht von Anghiari“ (Karton 1504–1505, Wandbild unvollendet)
ab 1503FlorenzBeginn des Porträts der Lisa Gherardini; Leonardo arbeitet bis zu seinem Tod daran„Mona Lisa“ (Louvre)
09.07.1504FlorenzTod des Vaters–
Mai 1506MailandCharles d’Amboise, französischer Statthalter, holt ihn nach Mailand; Francesco Melzi wird sein Schüler–
1506–1513Mailand, FlorenzHofmaler und Ingenieur der Franzosen; Kanal- und Bewässerungsprojekte; anatomische Studienzweite Fassung „Felsgrottenmadonna“ (London), „Anna selbdritt“
1512–1513Vaprio d’AddaNach dem Tod von Charles d’Amboise (1511) und der Rückkehr der Sforza wohnt er bei der Familie Melzi–
09.01.1513Lombardeianatomische Zeichnung, die das Zwerchfell als Trennwand zwischen Brust- und Bauchraum zeigtAnatomische Blätter („Quaderni“)
Herbst 1513RomGiuliano de’ Medici, Bruder von Papst Leo X., holt ihn nach Rom; Wohnung im Belvedere des Vatikans1513–1516: „Johannes der Täufer“ (Louvre)
1514–1515Rom, CivitavecchiaArbeiten am Hafen von Civitavecchia, Pläne zur Trockenlegung der Pontinischen Sümpfe, Hohlspiegel–
17.03.1516FlorenzTod seines Gönners Giuliano de’ Medici–
Ende 1516AmboiseAuf Einladung von Franz I. Umzug nach Frankreich in das Herrenhaus Clos Lucé–
10.10.1517AmboiseBesuch von Kardinal Luigi d’Aragona; Leonardo zeigt drei GemäldeBild einer Florentinerin, „Johannes“, „Anna selbdritt“
1518AmboiseFranz I. kauft über Salaì mehrere Gemälde–
Ostern 1519AmboiseTestament: Francesco Melzi erhält alle Manuskripte und die Werkstattausstattung–
02.05.1519AmboiseTod im Clos Lucé im Alter von 67 Jahren–
12.08.1519AmboiseBeisetzung in der Klosterkirche Saint-Florentin–

Die fünf Lebensphasen im Überblick

Florenz (1452–1482): Ausbildung bei Verrocchio

Leonardo wuchs zunächst in Vinci auf und kam als Jugendlicher nach Florenz. Sein Lehrer Verrocchio arbeitete als Bildhauer, Maler und Goldschmied; entsprechend breit war die Ausbildung. Ab 1472 wurde Leonardo in der Malergilde geführt, blieb aber weiter in der Werkstatt. Laut dem Künstlerbiografen Giorgio Vasari malte er in Verrocchios „Taufe Christi“ den links knienden Engel. Mit der „Anbetung der Könige“ erhielt er 1481 seinen ersten großen Auftrag – und ließ ihn unvollendet, ein Muster, das sich durch sein Leben zieht.

Mailand (1482–1499): Hofkünstler der Sforza

Am Hof von Ludovico Sforza war Leonardo Maler, Ingenieur, Bühnenbildner und Festorganisator zugleich. Er arbeitete mit Unterbrechungen fast zwei Jahrzehnte für die Sforza. In diese Phase fallen die „Felsgrottenmadonna“, die „Dame mit dem Hermelin“ und „Das Abendmahl“. Das Reiterdenkmal für Francesco Sforza, als größte Bronzestatue ihrer Zeit geplant, kam über das Tonmodell nicht hinaus. Mit der Eroberung Mailands durch Frankreich endete diese Phase 1499.

Wanderjahre (1499–1513): Florenz, Borgia, Mailand

Nach Stationen in Mantua und Venedig kehrte Leonardo 1500 nach Florenz zurück. 1502/03 reiste er als Militäringenieur für Cesare Borgia durch Mittelitalien und fertigte Karten an. Zurück in Florenz begann er die „Mona Lisa“ und das Wandbild der „Schlacht von Anghiari“, bei dem eine neue Maltechnik scheiterte. Ab 1506 arbeitete er wieder in Mailand, nun für die französischen Statthalter. Daneben arbeitete er intensiv an Bewässerungs- und Kanalprojekten in der Lombardei und an anatomischen Studien.

Rom (1513–1516): wenig Malerei, viel Technik

In Rom war Leonardo Gast der Medici, stand aber im Schatten von Raffael und Michelangelo, die vom Papst gefördert wurden. Er malte kaum – der „Johannes der Täufer“ ist die Ausnahme – und beschäftigte sich mit Hohlspiegeln, Hafenanlagen und der Trockenlegung von Sümpfen. Mit dem Tod Giuliano de’ Medicis im März 1516 verlor er seinen wichtigsten Förderer in Italien.

Amboise (1516–1519): Gast des französischen Königs

Franz I. stellte ihm das Herrenhaus Clos Lucé in der Nähe seines Schlosses Amboise zur Verfügung und zahlte ihm eine Pension; auch Melzi und Salaì wurden bezahlt. Leonardo brachte mindestens drei Gemälde mit, darunter nach heutigem Verständnis die „Mona Lisa“. Der Sekretär des Kardinals, der ihn im Oktober 1517 besuchte, notierte, Leonardo könne nicht mehr mit der gewohnten Feinheit malen, wohl aber zeichnen und unterrichten. Nach seinem Tod 1519 blieb sein Grab nicht erhalten: Die Klosterkirche Saint-Florentin wurde 1807 abgerissen. Gebeine, die man ab 1863 bei Grabungen fand und für seine hielt, liegen seit 1874 in der Hubertuskapelle des Schlosses Amboise – eine sichere Zuordnung gibt es nicht.

Wo die Werke heute hängen

Wer die Zeittafel mit einem Museumsbesuch verbinden will: Die meisten erhaltenen Gemälde sind auf wenige Orte verteilt. Der Louvre in Paris besitzt die „Mona Lisa“, die erste „Felsgrottenmadonna“, „Anna selbdritt“ und „Johannes der Täufer“. In den Uffizien in Florenz sind die „Taufe Christi“ aus Verrocchios Werkstatt, die unvollendete „Anbetung der Könige“ und die frühe Arno-Zeichnung. „Das Abendmahl“ ist nur vor Ort in Santa Maria delle Grazie in Mailand zu sehen. Wer den Kontrast zur Kunst vor der Renaissance sehen will, findet bei uns einen Überblick über die Gotik.

Häufige Fragen

Wann und wo wurde Leonardo da Vinci geboren?

Am 15. April 1452 bei Vinci in der Toskana; die Encyclopaedia Britannica nennt den Ortsteil Anchiano.

Wann malte Leonardo die Mona Lisa?

Er begann sie um 1503 in Florenz und arbeitete bis zu seinem Tod 1519 immer wieder daran. Das Bild ist auf Pappelholz gemalt und misst etwa 79 × 53 Zentimeter.

Wie lange lebte Leonardo in Mailand?

Zweimal: von 1482 bis 1499 am Hof der Sforza und von 1506 bis 1513, nun im Dienst der Franzosen, mit Unterbrechungen durch Aufenthalte in Florenz.

Warum ging Leonardo nach Frankreich?

Sein römischer Gönner Giuliano de’ Medici starb 1516, und der französische König Franz I. bot ihm Wohnsitz und Pension in Amboise an.

Wo ist Leonardo da Vinci begraben?

Ursprünglich in der Kirche Saint-Florentin in Amboise, die 1807 abgerissen wurde. Die Gebeine, die heute in der Hubertuskapelle des Schlosses Amboise liegen, werden ihm zugeschrieben, sind aber nicht sicher identifiziert.

Quellen