Tau mit Knick – das englische kink bezeichnete ursprünglich eine Verdrehung im Seil
Foto: „Een kink“ von Elgewen, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons (Größe angepasst)

Was bedeutet „kinky“? Bedeutung, Herkunft und Einordnung

„Kinky“ ist ein englisches Adjektiv und bedeutet wörtlich „verdreht, geknickt, kraus“. Umgangssprachlich beschreibt es heute vor allem sexuelle Vorlieben, die vom Üblichen abweichen – daneben aber auch ganz unerotisch „schräg, exzentrisch“ oder eine eng gelockte Haarstruktur.

Das Wort hat also mehrere Bedeutungen, und welche gemeint ist, entscheidet der Zusammenhang.

Drei Bedeutungen im Überblick

BereichBedeutungBeispielBeleg seit (Etymonline)
Material, Haarevoller Knicke, verdreht, kraus„kinky hair“ – eng gelocktes Haar1844
Charakter, Stilsonderbar, exzentrisch, schrullig„a kinky idea“ – eine schräge Idee1859
Sexualitätunkonventionelle Vorlieben„Das ist ziemlich kinky.“1959

Merriam-Webster führt dieselben drei Bedeutungen („eng gedreht oder gelockt“, „sexuell unkonventionell“, „ausgefallen“) und datiert den ersten Beleg für „kinky“ auf 1804 – früher als Etymonline. Solche Abweichungen sind bei Erstbelegen üblich, weil Wörterbücher unterschiedliche Quellen auswerten.

Vom Knick im Tau: die Wortgeschichte

Das Grundwort „kink“ ist seit den 1670er-Jahren im Englischen belegt. Es kommt laut Etymonline aus der Seemannssprache und geht auf niederländisch kink („Verdrehung im Tau“) zurück. Gemeint war ein Knick in einem Seil, Faden oder Haar.

Das Wort gibt es auch im Deutschen: Der Duden verzeichnet „Kink“ als seemannssprachlich und norddeutsch für „Knoten, Fehler im Tau“, abgeleitet aus dem Mittelniederdeutschen kinke. Wer an der Küste von einer „Kink“ in der Leine spricht, benutzt also dasselbe Wort – ohne jeden Hintergedanken.

Den Schritt vom Seil zum Kopf dokumentiert Etymonline für 1803: In Schriften Thomas Jeffersons steht „kink“ für eine fixe Idee, eine Marotte. Die sexuelle Bedeutung von „kink“ als Substantiv ist erst seit den 1960er- und 1970er-Jahren belegt.

Nicht-sexuelle Verwendungen

Haare: „Kinky hair“ bezeichnet im Englischen afrotexturiertes Haar mit sehr engen Windungen. Laut der englischsprachigen Wikipedia wurden Adjektive wie „kinky“ Mitte des 20. Jahrhunderts zur Beschreibung solcher Haare verwendet; daneben sind „afro-textured hair“ oder „natural hair“ gebräuchlich. Im Haartypensystem von Friseur Andre Walker von 1997 entspricht das „Typ 4“.

Musik: Die britische Band The Kinks gab sich ihren Namen um 1963/64. Die Erklärungen widersprechen sich: Manager Robert Wace erzählte, ein Bekannter habe den Namen als Werbegag vorgeschlagen und die Musiker seien entsetzt gewesen („We’re not going to be called kinky!“). Ray Davies erinnerte sich dagegen, Manager Larry Page habe auf ihre „kinky“ Kleidung angespielt. Davies sagte später, er habe den Namen nie wirklich gemocht.

Stil: Merriam-Webster nennt zudem die Bedeutung „ausgefallen, abgedreht“. So verwendet, beschreibt „kinky“ etwa eine gewagte Mode oder eine schräge Idee, ohne jeden sexuellen Bezug.

Grammatik und Beispielsätze

Im Deutschen bleibt „kinky“ meist unflektiert: „Das ist kinky“, „ein kinky Outfit“. Das Substantiv lautet „Kink“ („Jeder hat seinen Kink“).

BeispielBedeutungTon
„Die Leine hat einen Kink.“Das Seil ist verdreht.wörtlich, seemännisch
„Ihr Afro ist von Natur aus kinky.“eng gelockte Haarstrukturbeschreibend (im Englischen üblicher)
„Du trinkst Kaffee mit Salz? Kinky.“Das ist schräg.scherzhaft
„Die Designerin mag es kinky: Lack und Nieten.“gewagter Stilbeschreibend
„In dem Podcast geht es um Kink und Konsens.“unkonventionelle Sexualitätsachlich

Gegenbegriff ist „vanilla“. Merriam-Webster nennt als Bedeutung „ohne Besonderheit: schlicht, gewöhnlich, konventionell“ – übertragen auf Sexualität meint es das Übliche.

Kink und Konsens: SSC und RACK

In der BDSM- und Kink-Szene gilt Einvernehmlichkeit als Grundprinzip. Laut der englischsprachigen Wikipedia ist es gerade die gegenseitige Zustimmung, die solche Praktiken rechtlich und ethisch von Gewalt unterscheidet. Zwei Formeln sind verbreitet:

  • SSC – „safe, sane and consensual“ (sicher, bei klarem Verstand, einvernehmlich): seit den 1980er-Jahren von vielen Gruppen als Leitsatz übernommen.
  • RACK – „risk-aware consensual kink“ (risikobewusster, einvernehmlicher Kink): betont die Eigenverantwortung. Befürworter argumentieren, keine Aktivität sei völlig „sicher“; entscheidend sei, dass alle Beteiligten die Risiken kennen.

Medizinisch hat sich die Einordnung verändert. Die WHO-Arbeitsgruppe „Sexual Disorders and Sexual Health“ empfahl 2016 in der Fachzeitschrift World Psychiatry, die ICD-10-Diagnosen „Fetischismus“, „fetischistischer Transvestitismus“ und „Sadomasochismus“ zu streichen. In der ICD-11, die 2022 in Kraft trat, gilt ein sexuelles Erregungsmuster für sich genommen nicht mehr als Störung. Eine Diagnose setzt etwa starken Leidensdruck, Handlungen gegenüber Nicht-Einwilligenden oder erhebliche Verletzungsgefahr voraus.

Hinweis für Eltern und Lehrkräfte

Fällt „kinky“ unter Jugendlichen, ist es oft als Neckerei gemeint. Eine ruhige Nachfrage („Was meinst du damit?“) bringt meist mehr als Empörung. Wenn das Wort als Anspielung gegen eine Person eingesetzt wird, ist es übergriffig. Wer die Bedeutungsvielfalt zeigen will, kann beim Seemannswort „Kink“ und bei The Kinks ansetzen. Andere Beispiele, wie Jugendsprache Wörter umdeutet, sind „slay“ und „cringe“. Zum Thema Einvernehmlichkeit passt der Beitrag Victim Blaming – selbst schuld?.

FAQ

Was ist der Unterschied zwischen „Kink“ und „Fetisch“?

„Kink“ ist der weitere Begriff für unkonventionelle Vorlieben. Ein Fetisch bezeichnet enger die Fixierung auf ein bestimmtes Objekt oder Material.

Ist „kinky“ ein Schimpfwort?

Nein. Es ist beschreibend und wird in der Szene selbstbewusst benutzt. Gegen eine Person gerichtet kann es aber anzüglich und verletzend wirken.

Woher kommt der Bandname The Kinks?

Die Überlieferungen widersprechen sich. Laut Ray Davies spielte Manager Larry Page auf die auffällige Kleidung der Band an, laut Manager Robert Wace war es ein Werbegag eines Bekannten.

Gibt es „Kink“ auch im Deutschen?

Ja. Der Duden führt „Kink“ als seemännisches und norddeutsches Wort für einen Knoten oder Fehler im Tau.

Quellen