Medizin-Nobelpreis 2026 für Optogenetik: zwei Deutsche unter den Preisträgern
Der Medizin-Nobelpreis 2026 geht an Peter Hegemann, Georg Nagel und Karl Deisseroth. Sie machten Nervenzellen mit Licht steuerbar. Die Entdeckung im Überblick.

Der Nobelpreis für Physiologie oder Medizin 2026 geht zu zwei Dritteln nach Deutschland: Ausgezeichnet werden der Biophysiker Peter Hegemann von der Humboldt-Universität zu Berlin, der Pflanzenphysiologe Georg Nagel von der Universität Würzburg und der US-Psychiater und Bioingenieur Karl Deisseroth von der Stanford University. Das gab die Nobelversammlung am Karolinska-Institut in Stockholm am 5. Oktober 2026 bekannt. Gewürdigt werden laut Deutschem Ärzteblatt ihre „Entdeckungen im Bereich der lichtgesteuerten Ionenkanäle und der Optogenetik“.

Die Preisträger
- Peter Hegemann (Jahrgang 1954) ist Hertie-Seniorprofessor für Neurowissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seine grundlegenden Arbeiten begannen am Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried.
- Georg Nagel (Jahrgang 1953) ist Professor für Molekulare Pflanzenphysiologie an der Universität Würzburg. Die Entdeckungen gelangen ihm am Max-Planck-Institut für Biophysik in Frankfurt am Main.
- Karl Deisseroth (Jahrgang 1971) forscht an der Stanford University und am Howard Hughes Medical Institute in den USA.
Die drei teilen sich das Preisgeld zu gleichen Teilen. Hegemann und Nagel sind beide Mitglieder der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, deren Präsidentin Bettina Rockenbach die Auszeichnung als Anerkennung bahnbrechender Grundlagenforschung würdigte.
Eine Alge als Lichtschalter-Lieferant
Die Geschichte beginnt bei einem winzigen Einzeller: der Grünalge Chlamydomonas, die mithilfe eines Augenflecks zum Licht schwimmt. Hegemann untersuchte in den 1980er-Jahren, wie sie Licht wahrnimmt. Er maß einen elektrischen Impuls, der schon eine halbe Millisekunde nach dem Lichtreiz auftrat – so schnell, dass er einen lichtgesteuerten Ionenkanal direkt in der Zellmembran vermutete, wie Spektrum der Wissenschaft schreibt.
Nagel, damals Gruppenleiter in Frankfurt, fand zusammen mit Hegemann im inzwischen entzifferten Erbgut der Alge zwei passende Gene. Die Forscher schleusten sie in Froscheier ein: Die Zellen bauten die Proteine in ihre Hülle ein, und Licht erzeugte einen Ionenstrom. 2002 stellten sie Kanalrhodopsin-1 vor, 2003 Kanalrhodopsin-2 – Proteine, die bei Lichteinfall eine Pore öffnen und positiv geladene Teilchen in die Zelle lassen.
Vom Algenprotein zum Werkzeug der Hirnforschung
Karl Deisseroth erkannte, was sich damit anfangen ließ. 2005 brachte sein Team das Gen für Kanalrhodopsin-2 in Nervenzellen von Ratten ein. Blaues Licht löste darin Nervensignale aus. 2006 prägte seine Gruppe den Begriff „Optogenetik“, später gelang es, Nervenzellen in lebenden Mäusen über eine Glasfaser mit Licht zu steuern. Die Idee selbst war älter: Der Nobelpreisträger Francis Crick hatte 1979 über eine Steuerung einzelner Nervenzellen mit Licht nachgedacht, sie aber für ziemlich weit hergeholt gehalten.
Warum das nobelpreiswürdig ist
Mit der Optogenetik lassen sich ausgewählte Nervenzellen in Millisekunden gezielt an- und ausschalten. Forschende konnten so Schaltkreise für Schmerz, Hunger, Durst, Belohnung und Aufmerksamkeit identifizieren. Der Vorsitzende des Nobelkomitees, Per Svenningsson, sagte laut Ärzteblatt, die Methode ermögliche eine Kartierung des Gehirns, von der man früher nur träumen konnte. Medizinisch wird sie unter anderem erprobt, um Blinden wieder zu einem Teil ihres Sehvermögens zu verhelfen und um präzisere Hörimplantate zu entwickeln.
Wie die Methode genau funktioniert, welche Anwendungen es schon gibt und wo ihre Grenzen liegen, erklären wir ausführlich in unserem Beitrag Optogenetik einfach erklärt.
Quellen
- Deutsches Ärzteblatt: Lichtschalter für das Gehirn – Medizin-Nobelpreis an zwei Deutsche und einen US-Forscher
- Spektrum der Wissenschaft: Medizin-Nobelpreis 2026 für Optogenetik
- Scientific American: 2026 Nobel Prize in Physiology or Medicine awarded for work on optogenetics
- ScienceDaily / The Conversation: Scientists win 2026 Nobel Prize for controlling brain cells with light
Recherchiert und geschrieben von der brald-Redaktion, zuletzt aktualisiert am 24. Oktober 2026. Wie wir arbeiten, steht in unseren Redaktionsleitlinien. Fehler gefunden? Schreiben Sie uns – wir korrigieren transparent.


