Honigbienen verdrängen Wildbienen: Was eine neue Studie zeigt

Wo viele Honigbienen fliegen, finden Hummeln und Wildbienen weniger Blüten. Eine britische Studie zeigt, wie Honigbienen andere Bestäuber verdrängen.

Honigbienen an Brombeerblüten
Bild: „20200530 Apis mellifera 01“ von Flocci Nivis, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons (zugeschnitten)

Honigbienen gelten als Sympathieträger des Insektenschutzes. Eine neue Studie aus Großbritannien zeigt jetzt eine weniger freundliche Seite: An Blüten, um die sich mehrere Insekten bemühen, setzen sich Honigbienen häufig durch – und schubsen oder verjagen dabei andere Bestäuber. Wo besonders viele Honigbienen unterwegs waren, fanden die Forschenden weniger Hummeln, Wildbienen und Schwebfliegen. Die Arbeit erschien 2026 im Fachjournal „Ecological Entomology“, ScienceDaily berichtete am 22. Oktober darüber.

So lief die Studie ab

Victoria Buckle, Peter Brown, Toby Carter und Thomas Ings von der Anglia Ruskin University in Cambridge beobachteten zwei Jahre lang Blütenbesucher an fünf Standorten in und um Cambridge. Jeder Standort lag weniger als 300 Meter von einem Honigbienenstand entfernt. Untersucht wurden zwei Pflanzen, die sehr viele Insekten anlocken: Brombeere im Sommer und Efeu im Herbst.

Insgesamt 93 Stunden lang protokollierte das Team jede Begegnung zweier Insekten an einer Blüte. Gewertet wurde, ob eines die Blüte auf Kosten des anderen bekam („Sieg“), ob es sie räumen musste („Niederlage“) oder ob beide sie teilten. Die Besucher wurden in Gruppen eingeteilt: Honigbienen, Hummeln, solitäre Wildbienen, Schwebfliegen und andere Insekten wie Schmetterlinge, Käfer und Wespen.

Infografik: Kennzahlen der britischen Studie zur Konkurrenz zwischen Honigbienen und anderen Bestäubern
Grafik: brald.com
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Die Ergebnisse

  • Standorte mit mehr Honigbienen hatten insgesamt weniger andere Bestäuber und mehr Konkurrenz um die Blüten.
  • An der Brombeere ging eine doppelt so hohe Honigbienendichte mit 14 Prozent weniger Hummeln einher.
  • Am Efeu waren mit mehr Honigbienen weniger solitäre Wildbienen und Schwebfliegen zu sehen.
  • Andere Bestäuber wichen Honigbienen aus: in 28 Prozent der Begegnungen an der Brombeere und in 36 Prozent am Efeu.
  • Honigbienen begannen die meisten aggressiven Begegnungen. In mindestens jedem fünften Fall, den sie „gewannen“, schoben oder jagten sie den Rivalen aktiv weg.

Nur eine Art hielt dagegen: die Efeu-Seidenbiene, eine solitäre Wildbiene, die in Großbritannien erst seit 2001 nachgewiesen ist. Sie forderte Honigbienen regelmäßig heraus und setzte sich manchmal sogar durch.

Männchen der Efeu-Seidenbiene (Colletes hederae) vor einem Nesteingang
Bild: „Ivy bee (Colletes hederae) male“ von Charles J. Sharp, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Wärme verschärft den Wettbewerb

Auffällig war ein Zusammenhang mit dem Wetter: Bei höheren Temperaturen kam es öfter zu Konkurrenzkämpfen. Hummeln und Schwebfliegen vertragen Hitze schlecht, Honigbienen werden dagegen bei Wärme aktiver. Gleichzeitig kann Hitzestress die Nektarproduktion der Pflanzen senken, sodass sich mehr Insekten um weniger Futter streiten. Die Forschenden rechnen deshalb damit, dass die Konkurrenz mit dem Klimawandel zunimmt.

Dazu kommt ein Boom der Hobbyimkerei: Die Zahl der registrierten Imkerinnen und Imker in Großbritannien stieg von rund 19.000 im Jahr 2010 auf zuletzt 47.000.

Und in Deutschland?

In Deutschland leben mehr als 560 Wildbienenarten. Fast die Hälfte gilt nach der Roten Liste als gefährdet oder verschollen, wie das Thünen-Institut laut WEB.DE erläuterte. Dem stehen nach Angaben des Deutschen Imkerbunds rund 160.000 Imker mit etwa 1,1 Millionen Bienenvölkern gegenüber (Stand 2021). Ob Honigbienen Wildbienen hierzulande verdrängen, ist umstritten: Der Imkerbund sieht die Hauptursachen für den Rückgang im Verlust von Nahrungspflanzen und Nistplätzen. Der Ökologe Josef Settele vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung gab dagegen zu bedenken, dass Wildbienen mit kleinem Flugradius verdrängt werden können, wenn in der Nähe nur wenige Blüten wachsen.

Was die Studie bedeutet – und was nicht

Die Autorinnen und Autoren betonen, dass sie Imkern nicht schlechtreden wollen. Ihr Ziel ist der Schutz der wilden Bestäuber. Sie fordern Wege, wie Honigbienen und Wildbienen nebeneinander bestehen können, vor allem dort, wo besonders viele Bienenstöcke stehen, etwa in Städten. Die Studie zeigt Zusammenhänge an fünf Standorten in England; sie beweist nicht, dass Honigbienen überall Wildbienen verdrängen. Sie liefert aber direkte Beobachtungen dafür, wie die Konkurrenz an der Blüte abläuft.

Für Gärten und Balkone gilt deshalb: Wer Bestäubern helfen will, sorgt vor allem für mehr Blüten über das ganze Jahr – und damit für mehr Futter für alle.

Quellen

Über diesen Beitrag
Recherchiert und geschrieben von der brald-Redaktion, zuletzt aktualisiert am 24. Oktober 2026. Wie wir arbeiten, steht in unseren Redaktionsleitlinien. Fehler gefunden? Schreiben Sie uns – wir korrigieren transparent.

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