Leonardo da Vinci wurde am 15. April 1452 bei Vinci in der Toskana geboren und starb am 2. Mai 1519 im Schloss Clos Lucé bei Amboise in Frankreich. Dazwischen liegen fünf klar unterscheidbare Lebensphasen: Florenz, Mailand, die Wanderjahre, Rom und Amboise.
Die folgende Zeittafel ordnet die belegten Stationen nach Jahr, Ort, Ereignis und dem Werk, das in dieser Zeit entstand. Viele Gemälde lassen sich nur auf einige Jahre genau datieren; wo die Forschung Spannen angibt, stehen hier Spannen. Ausführliche Beschreibungen der Bilder finden sich in unserer Übersicht Leonardo da Vincis Werke.
Die Zeittafel
| Jahr | Ort | Ereignis | Werk |
|---|---|---|---|
| 15.04.1452 | Vinci bzw. Ortsteil Anchiano | Geburt als uneheliches Kind des 25-jährigen Notars Piero da Vinci und der 22-jährigen Caterina; der Großvater Antonio vermerkt die Geburt | – |
| 1457 | Vinci | Leonardo lebt bei der Familie seines Vaters | – |
| um 1467–1469 | Florenz | Eintritt in die Werkstatt des Bildhauers, Goldschmieds und Malers Andrea del Verrocchio | – |
| 1472 | Florenz | Eintrag in die Liste der Malergilde (Compagnia di San Luca) | um 1472–1475: Engel in Verrocchios „Taufe Christi“ |
| 1473 | Florenz | früheste datierte Zeichnung | Federzeichnung des Arnotals (Uffizien) |
| um 1475 | Florenz | eigenständige Aufträge neben der Werkstattarbeit | „Verkündigung“, „Madonna mit der Nelke“ |
| 09.04.1476 | Florenz | Anonyme Anzeige gegen Leonardo und drei weitere junge Männer; das Verfahren wird eingestellt | – |
| 1475–1480 | Florenz | erste Porträts und Marienbilder | „Madonna Benois“ (St. Petersburg), „Ginevra de’ Benci“ (Washington) |
| März 1481 | Florenz | Auftrag der Mönche von San Donato a Scopeto für ein Altarbild | „Anbetung der Könige“ (unvollendet, Uffizien) |
| 1482 | Mailand | Wechsel an den Hof von Ludovico Sforza; im Bewerbungsschreiben stellt er seine Fähigkeiten als Militäringenieur voran | – |
| 1483–1486 | Mailand | Auftrag einer Bruderschaft für die Franziskanerkirche San Francesco | „Felsgrottenmadonna“, erste Fassung (Louvre) |
| 1483–1490 | Mailand | Porträt von Cecilia Gallerani | „Dame mit dem Hermelin“ (Krakau) |
| 1485–1486 | Mailand | Mitarbeit an Plänen für das Castello Sforzesco und den Mailänder Dom | – |
| 1490 | Mailand, Pavia | Gian Giacomo Caprotti, genannt Salaì, kommt in den Haushalt; Studienaufenthalt in Pavia | um 1490: „Vitruvianischer Mensch“ (Datierung schwankt) |
| 1493 | Mailand | Das Tonmodell des Reiterdenkmals für Francesco Sforza wird öffentlich gezeigt | Modell des „Gran Cavallo“ |
| 1494 | Mailand | Die für das Denkmal vorgesehene Bronze wird zu Kanonen verarbeitet; der Guss fällt aus | – |
| 1495–1498 | Mailand | Wandbild im Refektorium von Santa Maria delle Grazie, rund 8,8 × 4,6 Meter | „Das Abendmahl“ |
| 1498 | Mailand | Ludovico schenkt ihm einen Garten vor der Porta Vercelli; Ausmalung der Sala delle Asse im Castello | Deckendekoration Sala delle Asse |
| Dez. 1499 | Mailand → Mantua, Venedig | Nach dem Einmarsch Ludwigs XII. verlässt er Mailand mit dem Mathematiker Luca Pacioli | – |
| 1500 | Florenz | Rückkehr in die Heimatstadt, Unterkunft bei den Serviten der Santissima Annunziata | – |
| 1501 | Florenz | Ausstellung eines Kartons zum Altarbild, großer Publikumsandrang | Karton zur „Anna selbdritt“, „Madonna mit der Spindel“ |
| 1502–1503 | Romagna, Urbino, Imola | Oberster Militäringenieur für Cesare Borgia; Begegnung mit Niccolò Machiavelli | kartografische Zeichnungen, u. a. in Urbino |
| 1503 | Florenz | Auftrag für ein Schlachtenbild im Ratssaal des Palazzo Vecchio; Michelangelo malt gegenüber | „Schlacht von Anghiari“ (Karton 1504–1505, Wandbild unvollendet) |
| ab 1503 | Florenz | Beginn des Porträts der Lisa Gherardini; Leonardo arbeitet bis zu seinem Tod daran | „Mona Lisa“ (Louvre) |
| 09.07.1504 | Florenz | Tod des Vaters | – |
| Mai 1506 | Mailand | Charles d’Amboise, französischer Statthalter, holt ihn nach Mailand; Francesco Melzi wird sein Schüler | – |
| 1506–1513 | Mailand, Florenz | Hofmaler und Ingenieur der Franzosen; Kanal- und Bewässerungsprojekte; anatomische Studien | zweite Fassung „Felsgrottenmadonna“ (London), „Anna selbdritt“ |
| 1512–1513 | Vaprio d’Adda | Nach dem Tod von Charles d’Amboise (1511) und der Rückkehr der Sforza wohnt er bei der Familie Melzi | – |
| 09.01.1513 | Lombardei | anatomische Zeichnung, die das Zwerchfell als Trennwand zwischen Brust- und Bauchraum zeigt | Anatomische Blätter („Quaderni“) |
| Herbst 1513 | Rom | Giuliano de’ Medici, Bruder von Papst Leo X., holt ihn nach Rom; Wohnung im Belvedere des Vatikans | 1513–1516: „Johannes der Täufer“ (Louvre) |
| 1514–1515 | Rom, Civitavecchia | Arbeiten am Hafen von Civitavecchia, Pläne zur Trockenlegung der Pontinischen Sümpfe, Hohlspiegel | – |
| 17.03.1516 | Florenz | Tod seines Gönners Giuliano de’ Medici | – |
| Ende 1516 | Amboise | Auf Einladung von Franz I. Umzug nach Frankreich in das Herrenhaus Clos Lucé | – |
| 10.10.1517 | Amboise | Besuch von Kardinal Luigi d’Aragona; Leonardo zeigt drei Gemälde | Bild einer Florentinerin, „Johannes“, „Anna selbdritt“ |
| 1518 | Amboise | Franz I. kauft über Salaì mehrere Gemälde | – |
| Ostern 1519 | Amboise | Testament: Francesco Melzi erhält alle Manuskripte und die Werkstattausstattung | – |
| 02.05.1519 | Amboise | Tod im Clos Lucé im Alter von 67 Jahren | – |
| 12.08.1519 | Amboise | Beisetzung in der Klosterkirche Saint-Florentin | – |
Die fünf Lebensphasen im Überblick
Florenz (1452–1482): Ausbildung bei Verrocchio
Leonardo wuchs zunächst in Vinci auf und kam als Jugendlicher nach Florenz. Sein Lehrer Verrocchio arbeitete als Bildhauer, Maler und Goldschmied; entsprechend breit war die Ausbildung. Ab 1472 wurde Leonardo in der Malergilde geführt, blieb aber weiter in der Werkstatt. Laut dem Künstlerbiografen Giorgio Vasari malte er in Verrocchios „Taufe Christi“ den links knienden Engel. Mit der „Anbetung der Könige“ erhielt er 1481 seinen ersten großen Auftrag – und ließ ihn unvollendet, ein Muster, das sich durch sein Leben zieht.
Mailand (1482–1499): Hofkünstler der Sforza
Am Hof von Ludovico Sforza war Leonardo Maler, Ingenieur, Bühnenbildner und Festorganisator zugleich. Er arbeitete mit Unterbrechungen fast zwei Jahrzehnte für die Sforza. In diese Phase fallen die „Felsgrottenmadonna“, die „Dame mit dem Hermelin“ und „Das Abendmahl“. Das Reiterdenkmal für Francesco Sforza, als größte Bronzestatue ihrer Zeit geplant, kam über das Tonmodell nicht hinaus. Mit der Eroberung Mailands durch Frankreich endete diese Phase 1499.
Wanderjahre (1499–1513): Florenz, Borgia, Mailand
Nach Stationen in Mantua und Venedig kehrte Leonardo 1500 nach Florenz zurück. 1502/03 reiste er als Militäringenieur für Cesare Borgia durch Mittelitalien und fertigte Karten an. Zurück in Florenz begann er die „Mona Lisa“ und das Wandbild der „Schlacht von Anghiari“, bei dem eine neue Maltechnik scheiterte. Ab 1506 arbeitete er wieder in Mailand, nun für die französischen Statthalter. Daneben arbeitete er intensiv an Bewässerungs- und Kanalprojekten in der Lombardei und an anatomischen Studien.
Rom (1513–1516): wenig Malerei, viel Technik
In Rom war Leonardo Gast der Medici, stand aber im Schatten von Raffael und Michelangelo, die vom Papst gefördert wurden. Er malte kaum – der „Johannes der Täufer“ ist die Ausnahme – und beschäftigte sich mit Hohlspiegeln, Hafenanlagen und der Trockenlegung von Sümpfen. Mit dem Tod Giuliano de’ Medicis im März 1516 verlor er seinen wichtigsten Förderer in Italien.
Amboise (1516–1519): Gast des französischen Königs
Franz I. stellte ihm das Herrenhaus Clos Lucé in der Nähe seines Schlosses Amboise zur Verfügung und zahlte ihm eine Pension; auch Melzi und Salaì wurden bezahlt. Leonardo brachte mindestens drei Gemälde mit, darunter nach heutigem Verständnis die „Mona Lisa“. Der Sekretär des Kardinals, der ihn im Oktober 1517 besuchte, notierte, Leonardo könne nicht mehr mit der gewohnten Feinheit malen, wohl aber zeichnen und unterrichten. Nach seinem Tod 1519 blieb sein Grab nicht erhalten: Die Klosterkirche Saint-Florentin wurde 1807 abgerissen. Gebeine, die man ab 1863 bei Grabungen fand und für seine hielt, liegen seit 1874 in der Hubertuskapelle des Schlosses Amboise – eine sichere Zuordnung gibt es nicht.
Wo die Werke heute hängen
Wer die Zeittafel mit einem Museumsbesuch verbinden will: Die meisten erhaltenen Gemälde sind auf wenige Orte verteilt. Der Louvre in Paris besitzt die „Mona Lisa“, die erste „Felsgrottenmadonna“, „Anna selbdritt“ und „Johannes der Täufer“. In den Uffizien in Florenz sind die „Taufe Christi“ aus Verrocchios Werkstatt, die unvollendete „Anbetung der Könige“ und die frühe Arno-Zeichnung. „Das Abendmahl“ ist nur vor Ort in Santa Maria delle Grazie in Mailand zu sehen. Wer den Kontrast zur Kunst vor der Renaissance sehen will, findet bei uns einen Überblick über die Gotik.
Häufige Fragen
Wann und wo wurde Leonardo da Vinci geboren?
Am 15. April 1452 bei Vinci in der Toskana; die Encyclopaedia Britannica nennt den Ortsteil Anchiano.
Wann malte Leonardo die Mona Lisa?
Er begann sie um 1503 in Florenz und arbeitete bis zu seinem Tod 1519 immer wieder daran. Das Bild ist auf Pappelholz gemalt und misst etwa 79 × 53 Zentimeter.
Wie lange lebte Leonardo in Mailand?
Zweimal: von 1482 bis 1499 am Hof der Sforza und von 1506 bis 1513, nun im Dienst der Franzosen, mit Unterbrechungen durch Aufenthalte in Florenz.
Warum ging Leonardo nach Frankreich?
Sein römischer Gönner Giuliano de’ Medici starb 1516, und der französische König Franz I. bot ihm Wohnsitz und Pension in Amboise an.
Wo ist Leonardo da Vinci begraben?
Ursprünglich in der Kirche Saint-Florentin in Amboise, die 1807 abgerissen wurde. Die Gebeine, die heute in der Hubertuskapelle des Schlosses Amboise liegen, werden ihm zugeschrieben, sind aber nicht sicher identifiziert.



