Josephine Cochrane: Die Erfinderin des Geschirrspülers

Josephine Cochrane erhielt 1886 das US-Patent 355.139 für eine Spülmaschine. Ihr Leben, die Technik, die Weltausstellung 1893 und der Weg zu KitchenAid.

Frau führt 1921 eine frühe Geschirrspülmaschine mit Glaswand an einem Spülbecken vor
Bild: „Vorführung einer frühen Geschirrspülmaschine“ (1921, nicht Josephine Cochrane), Fotograf unbekannt, gemeinfrei, via Wikimedia Commons (Ausschnitt)

Wer heute nach dem Essen die Spülmaschine einräumt, nutzt eine Idee aus dem 19. Jahrhundert. Die Amerikanerin Josephine Cochrane erhielt 1886 ein Patent auf eine Geschirrspülmaschine, die das Geschirr mit Wasserdruck statt mit Bürsten reinigte. Ihre Firma belieferte zunächst vor allem Hotels und Restaurants und ging später in dem Unternehmen auf, das die Marke KitchenAid aufbaute. Dieser Artikel fasst zusammen, was über ihr Leben und ihre Erfindung belegt ist.

Herkunft und Familie

Josephine Garis kam laut US-Patentamt am 8. März 1839 im Ashtabula County in Ohio zur Welt; die National Inventors Hall of Fame gibt abweichend das Jahr 1841 an. Ihr Vater John Garis war Bauingenieur, ihre Mutter hieß Irene Fitch Garis. Als ihr Urgroßvater gilt John Fitch, der als Pionier des Dampfschiffs bekannt wurde. Aufgewachsen ist sie in Valparaiso im Bundesstaat Indiana. Später zog sie zu ihrer Schwester nach Shelbyville in Illinois und heiratete dort am 13. Oktober 1858 William Cochran, der als Kaufmann wohlhabend wurde und in der Demokratischen Partei aktiv war. Eine naturwissenschaftliche oder technische Ausbildung hatte sie nach Angaben des Lemelson-MIT-Programms nicht.

Historisches Porträt von Josephine Cochrane als junge Frau
Bild: „Josephine Garis Cochrane“, Fotograf unbekannt, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Cochrane oder Cochran? Zur Schreibweise

In Büchern und im Netz begegnen Ihnen beide Formen. Der Name stammt von ihrem Ehemann William Cochran. Nach der englischsprachigen Wikipedia übernahm sie den Nachnamen ihres Mannes, ergänzte ihn aber um ein „e“. In amtlichen Dokumenten steht dagegen meist „Cochran“: Die Patentschrift von 1886 nennt „Josephine G. Cochran“, ihr erster Antrag lief unter „J. G. Cochran“, und auch die National Inventors Hall of Fame führt sie als „Josephine Garis Cochran“. Ihre Firmen hießen „Garis-Cochran“ und „Cochran’s Crescent“. Beide Schreibweisen meinen also dieselbe Person. Dieser Artikel verwendet die heute verbreitete Form „Cochrane“.

Warum sie die Maschine baute

Das Ehepaar Cochran gab häufig Abendgesellschaften. Beim Abwasch von Hand – ob durch das Hauspersonal oder durch sie selbst – ging immer wieder wertvolles Porzellan aus Familienbesitz zu Bruch. Nach einem Bericht von IEEE Spectrum soll sie daraufhin gesagt haben: „Wenn niemand sonst eine Geschirrspülmaschine erfinden will, mache ich es selbst.“

Hinzu kam bald ein wirtschaftlicher Grund. Als ihr Mann 1883 starb, hinterließ er ihr nur rund 1.535 US-Dollar und erhebliche Schulden. Die Maschine sollte nun auch ihren Lebensunterhalt sichern. Spülapparate gab es zwar schon vorher, etwa ein handbetriebenes Gerät von Joel Houghton aus dem Jahr 1850, doch sie galten als wenig wirksam.

Patent und Funktionsweise

Das Patent von 1886

Zusammen mit dem Mechaniker George Butters baute Cochrane den ersten Prototyp in einem Schuppen hinter ihrem Haus in Shelbyville. Am 31. Dezember 1885 reichte sie den Antrag ein. Am 28. Dezember 1886 erteilte das US-Patentamt ihr das Patent Nr. 355.139 für eine „Dish-Washing Machine“. Als Wohnort nennt die Schrift Shelbyville im Shelby County, Illinois. Ein weiteres Patent für eine verbesserte Ausführung wurde laut US-Patentamt erst 1917 erteilt, also nach ihrem Tod.

So funktionierte die Maschine

Cochrane vermaß Teller, Tassen und Untertassen und fertigte für jede Form passende Drahtfächer. Diese saßen in einem Rad, das flach in einem Kupferkessel lag. Ein Motor drehte das Rad, während heißes Seifenwasser von unten auf das Geschirr gesprüht wurde – so beschreiben es das Lemelson-MIT-Programm und die National Inventors Hall of Fame. Neu war vor allem, dass Wasserdruck die Reinigung übernahm statt Bürsten oder Schwämme. Später baute ihre Firma sowohl handbetriebene als auch motorgetriebene Modelle. Die Patentschrift von 1886 beschreibt eine Ausführung, deren Pumpen über einen Hebel bedient wurden:

  • zwei getrennte Behälter mit je einer Druckpumpe – einer für Seifenlauge, einer für klares heißes Spülwasser –, sodass beide Flüssigkeiten wiederverwendet werden konnten
  • einen beweglichen Boden, der das Wasser automatisch in den Behälter der gerade arbeitenden Pumpe zurückleitete
  • Strahlrohre, die das Wasser auf einen zylindrischen Drahtkorb mit den Geschirrgestellen richteten; der Korb drehte sich langsam, damit alle Teile erfasst wurden
  • eigene Gestelle für Besteck, für Teller und Untertassen sowie für Gläser

Gewaschen wurde zuerst mit Seifenlauge, danach mit heißem Wasser nachgespült. Anschließend trocknete das Geschirr durch seine eigene Wärme.

Patentzeichnung einer Geschirrspülmaschine von Josephine Garis-Cochrane, US-Patent 1.223.380 von 1917
Bild: „Patentzeichnung zum US-Patent 1.223.380“ (beantragt 1914, erteilt 1917), gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Durchbruch auf der Weltausstellung in Chicago 1893

Den großen Auftritt hatte die Maschine auf der World’s Columbian Exposition, die von Mai bis Oktober 1893 in Chicago stattfand. Cochrane stellte sie in der Machinery Hall aus; mehrere Geräte waren zudem in Restaurants und Pavillons auf dem Gelände im Einsatz. Die Jury zeichnete die Erfindung für ihre mechanische Konstruktion, ihre Haltbarkeit und ihre Eignung für den vorgesehenen Zweck aus. Nach Angaben des US-Patentamts konnte das große Modell 240 Teller in zwei Minuten waschen und trocknen. Die Ausstellung brachte Aufträge, vor allem von Hotels, Restaurants und anderen Großküchen.

Von Garis-Cochran zu Hobart und KitchenAid

Die Firmengeschichte lässt sich anhand der Quellen so nachzeichnen:

JahrEreignis
nach 1886Gründung der Garis-Cochran Company; ihr fehlte zunächst das Kapital, um selbst zu fertigen
1897Umbenennung in Cochran’s Crescent Washing Machine Company
um 1898eigene Fabrik, geleitet von George Butters
1926Übernahme durch die Hobart Manufacturing Company aus Troy, Ohio
1949Hobart bringt unter seiner Marke KitchenAid mit dem Modell KD-10 erstmals einen Geschirrspüler für Privathaushalte heraus
1986Whirlpool übernimmt KitchenAid von Hobart

Den Namen KitchenAid hatte Hobart bereits 1919 für eine elektrische Küchenmaschine eingeführt (Encyclopedia.com). Hobart selbst gehört heute zum Konzern Illinois Tool Works und stellt weiterhin gewerbliche Spültechnik her. Wenn Quellen schreiben, Cochranes Firma sei „in KitchenAid aufgegangen“, ist damit dieser Weg über Hobart gemeint.

Tod, Ehrungen und Bedeutung

Tod und spätere Ehrungen

Josephine Cochrane starb am 3. August 1913 im Alter von 74 Jahren in ihrem Haus in Chicago; als Ursache werden ein Schlaganfall oder Erschöpfung genannt. Beigesetzt wurde sie auf dem Glenwood Cemetery in Shelbyville. Den Siegeszug der Spülmaschine in Privathaushalten erlebte sie nicht mehr. 2006 wurde sie posthum in die National Inventors Hall of Fame aufgenommen, die sie als Erfinderin des ersten praktisch nutzbaren Geschirrspülers würdigt.

Bedeutung für Gastronomie und Haushalt

Zu Lebzeiten verkaufte Cochrane ihre Maschinen vor allem an Hotels, Restaurants und Einrichtungen, die große Mengen Geschirr spülen mussten. In Privathaushalten setzte sich das Gerät nur langsam durch: Laut Lemelson-MIT verlangte es viel heißes Wasser, und Seifenreste waren ein Problem. Größere Verbreitung fanden Haushaltsgeräte erst ab den 1950er-Jahren. Cochranes Grundprinzip – Geschirr in festen Gestellen, gereinigt durch Wasserstrahlen – prägt die Geräte bis heute.

Ihr Patent fällt in eine Zeit, in der Erfindungen wie das Telefon den Alltag veränderten. In der Küche war Cochrane nicht die einzige Erfinderin ihres Jahrhunderts: Auch Nancy Johnson mit ihrer Eiscreme-Maschine gehört dazu.

Der Geschirrspüler in Deutschland

In Europa begann die Geschichte des elektrischen Geschirrspülers in Deutschland. Nach Angaben von Miele stellte das Unternehmen 1929 den ersten elektrischen Geschirrspüler Europas vor; das Wasser verteilte ein rotierender Propeller. 1960 folgte der erste vollautomatische Frontlader mit rotierenden Sprüharmen, und das Werk in Bielefeld stellte damals von Motorrädern auf Geschirrspüler um. 1978 brachte Miele den nach eigenen Angaben weltweit ersten Geschirrspüler mit Mikrocomputer und Sensorelektronik heraus.

Heute gehört das Gerät zur Standardausstattung vieler Wohnungen. Nach den Laufenden Wirtschaftsrechnungen des Statistischen Bundesamts besaßen 2024 rund 77,3 Prozent der privaten Haushalte in Deutschland eine Geschirrspülmaschine, 2017 waren es 71,5 Prozent (Stand der Daten: 2024).

Quellen und weiterführende Informationen

Über diesen Beitrag
Recherchiert und geschrieben von der brald-Redaktion, zuletzt aktualisiert am 23. Oktober 2026. Wie wir arbeiten, steht in unseren Redaktionsleitlinien. Fehler gefunden? Schreiben Sie uns – wir korrigieren transparent.

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