Das Städtische Museum Überlingen zählt zu den ältesten und bedeutendsten kulturhistorischen Museen am Bodensee. Es wurde bereits 1871 gegründet und thront seit 1913 wie ein Märchenschloss über der mittelalterlichen Altstadt. Das Museum hat seit 1913 seinen Sitz im ehemaligen Palast der Patrizierfamilie Reichlin-von Meldegg, einem der ersten Renaissancebauten nördlich der Alpen. Das prachtvolle Gebäude erzählt nicht nur spannende Geschichten aus sechs Jahrtausenden – es ist selbst ein faszinierendes Kunstwerk.
Kontakt:
Städtisches Museum der Stadt Überlingen
E-Mail: museum@ueberlingen.de
Telefon: 07551 99-1079
Adresse:
Krummebergstrasse 30
88662 Überlingen
Die Öffnungszeiten sind dienstags bis samstags von 09.00 – 12.30 Uhr und 14.00 – 17.00 Uhr. Zusätzlich von April bis Oktober an Sonn- und Feiertagen 10.00 – 15.00 Uhr. Montags bleibt das Museum geschlossen.
Wichtig zu wissen: Das Museum macht Winterpause. Von Mitte Dezember bis Mitte April ist es geschlossen. Die genauen Daten variieren jedes Jahr ein wenig.
Der Aufstieg zum Museum lohnt sich. Man geht durch verwinkelte Gassen der Altstadt bergauf – aber oben angekommen wird man mit einem tollen Ausblick belohnt. Für Menschen mit Gehbehinderung ist der Zugang allerdings schwierig.
Was macht das Gebäude so besonders?
Das Reichlin-von-Meldegg-Haus in Überlingen ist ein mit Elementen der Spätgotik und florentinischer Frührenaissance ausgestattetes ehemaliges Patrizierhaus oberhalb der Überlinger Altstadt. Es gilt als eines der ältesten Renaissancegebäude Deutschlands und zählt zu den wichtigsten Kulturdenkmalen und Sehenswürdigkeiten der Stadt.
Der Arzt und Apotheker Andreas Reichlin von Meldegg ließ das imposante Gebäude zwischen 1459 und 1462 errichten. Er erwarb im Dezember 1459 drei „hofstatt“ (etwa 1100 m²) auf dem „Lütschenberg“ (Luzienberg), dort ließ er sich unter der wahrscheinlichen Einbeziehung eines älteren Gebäudes, in direkter Nachbarschaft zum Pfleghof des Klosters Wald und der Johanniterkommende, einen repräsentativen, dreiteiligen Herrschaftssitz mit hängendem Garten errichten.
Was den Bau so einzigartig macht? Die Rustikafassade. Wie neuere Forschungen zeigen, dokumentiert die elegante Renaissancefassade von 1462 mit ihren Rustikaquadern den frühesten Einfluss der italienischen Renaissance nördlich der Alpen. Angeregt durch die italienische Architektur der Renaissance, die er während seiner mehrjährigen Aufenthalte in Ober- und Mittelitalien kennen gelernt hat, ließ der Bauherr die gemeinsame Fassade des Haupthauses und der angrenzenden Luzien-Kapelle mit Plattenrustika verblenden. Gleichzeitig stellte er seinen Palast durch den Verzicht auf die in Italien übliche Gliederung solcher Fassaden mit Säulen oder Pilastern und durch die unregelmäßige Anordnung der verschieden großen Fenster in die Bautradition diesseits der Alpen. Dennoch darf das Reichlin-von Meldegg-Haus als der erste Privatpalast nördlich der Alpen gelten, dessen Fassade mit Plattenrustika geschmückt ist.
Der Bauherr war kein gewöhnlicher Arzt
Andreas Reichlin von Meldegg war eine schillernde Persönlichkeit. Nach seinem Studium 1416 in Heidelberg und 1423 in Padua arbeitete Andreas Reichlin 1433 als physicus juratus (Amtsarzt bzw. Stadtphysicus) in Konstanz, als Konzilsarzt beim Konzil von Basel und als Leibarzt des Kaisers Friedrich III. und des Papstes Pius II.
Er hatte Verbindungen zu den mächtigsten Menschen seiner Zeit. Kaiser Friedrich III. war im Patrizierhaus zu Gast (sein Wahlspruch A.E.I.O.U., F 1485 an einer Säule weist darauf hin, außerdem war Andreas Reichlin von Meldegg sein Leibarzt). Sein Sohn Klemens wurde später Bürgermeister von Überlingen und ließ sogar das Rathaus nach dem Vorbild des väterlichen Palastes mit Rustikafassade gestalten.
Vom Privatpalast zum Museum
Nach dem Tod der Familie Reichlin von Meldegg 1684 wechselte das Gebäude mehrfach den Besitzer. Von 1819 bis 1908 wurde das Gebäude als Brauerei und Gaststätte genutzt und in diesem knappen Jahrhundert ziemlich heruntergewirtschaftet. Die Stadt Überlingen erkannte aber den Wert des historischen Gebäudes. Mit dem Ziel, ein geeignetes Heim für die städtischen Sammlungen zu schaffen, erwarb die Stadt im November 1908 das nun sehr baufällige Reichlin-von-Meldegg-Haus am Krummen Berg für 85.000 Mark.
Nach umfangreichen Renovierungen öffnete das Museum am 3. Mai 1913 seine Türen und ist seitdem ein kultureller Mittelpunkt der Stadt.
Deutschlands größte Puppenstubensammlung
Eine der absoluten Hauptattraktionen ist die Puppenstubensammlung. Das Museum beherbergt die größte Puppenstubensammlung Deutschlands. Die winzigen Miniaturwelten stammen aus verschiedenen Epochen und zeigen detailreich das Leben vergangener Zeiten. Von der Renaissance bis zum Jugendstil – jede Puppenstube ist wie ein Fenster in die Vergangenheit.
Man kann stundenlang vor diesen kleinen Kunstwerken stehen und immer wieder neue Details entdecken. Winzige Möbel, mikroskopisch kleine Geschirr-Sets und sogar funktionierende Türen und Schubladen. Die Sammlung zieht nicht nur Kinder in ihren Bann – auch Erwachsene staunen über die liebevolle Handarbeit.
Kunstschätze vom Mittelalter bis zum Rokoko
Das Museum beherbergt eine beeindruckende Kunstsammlung. Die Kunstsammlung des Städtischen Museums Überlingen umfasst Werke vom Mittelalter bis zur Moderne. Besondere Schwerpunkte bilden Gemälde und Skulpturen der Renaissance und des Barock, darunter Werke von Künstlern wie Lucas Cranach d. Ä. und Hans Multscher.
Der Meister des Rokoko: Joseph Anton Feuchtmayer
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf den Werken von Joseph Anton Feuchtmayer (1696-1770). Joseph Anton Feuchtmayer war ein wichtiger Rokoko-Stuckateur und Bildhauer, aktiv in Süddeutschland und der Schweiz. Er dominierte die künstlerische Produktion in der Region um den Bodensee mit seinen Arbeiten für Kirchen und Klöster.
Höhepunkte sind die expressiven Skulpturen von Joseph Anton Feuchtmayer (1696-1770), der einzigartige Gotische Raum, eine der größten Puppenstubensammlungen Deutschlands sowie der Festsaal, der im Zuge der barocken Umgestaltung des Hauses um 1700 entstand. Seine Werke zeichnen sich durch lebhafte Bewegungen und ausdrucksstarke Gesichter aus. Die Figuren scheinen fast lebendig zu werden.
Der prachtvolle Festsaal
Im Zuge der von 1692 bis 1700 erfolgten Umgestaltung des Inneren entstand ein beeindruckender Festsaal mit umlaufender Galerie und Stuckaturen. Im barocken, üppig stuckierten „Museumssaal“, dem Festsaal des Museums, finden zwischen April und Oktober regelmäßig Konzerte, Lesungen und kulturgeschichtliche Vorträge statt.
Der Saal ist ein echter Hingucker. Die reichen Verzierungen an Decke und Wänden zeigen die ganze Pracht des Barock. Wenn hier Konzerte stattfinden, verbindet sich die Musik mit der historischen Atmosphäre zu einem unvergesslichen Erlebnis.
Die historische Waffenkammer
Lange war sie geschlossen, jetzt ist sie wieder zugänglich: Die historische Waffenkammer mit mehr als 200 Hieb-, Stich- und Schusswaffen ist nun erstmals seit den 1950er Jahren wieder der Öffentlichkeit zugänglich.
Hier kann man Schwerter, Hellebarden, alte Gewehre und Rüstungsteile bestaunen. Die Sammlung zeigt, wie sich Waffentechnik und Kriegsführung über die Jahrhunderte verändert haben. Aber auch kunstvolle Zierstücke sind dabei – manche Waffen waren mehr Statussymbol als Kampfgerät.
Ein Museum mit familiärer Atmosphäre
Was das Museum besonders macht: Das Haus wird von Familie Graubach bewohnt, die nicht nur das Museum leitet, sondern sich auch um die Räumlichkeiten und die Vorbereitung der Sonderausstellungen kümmert. Schon der Vater und Großvater von Peter Graubach sind dem Beruf des Kustos nachgegangen. Familie Graubach ist für das gesamte Haus verantwortlich, das betrifft sowohl Instandsetzungen, Umbauten als auch den geregelten täglichen Ablauf innerhalb des Museums.
Diese persönliche Note spürt man überall. Das Museum wirkt nicht wie eine sterile Institution, sondern wie ein lebendiges Haus mit Geschichte.
Der Museumsgarten – ein verstecktes Paradies
Der imposante Bau bietet seinen Besuchern darüber hinaus einen bezaubernden Panoramagarten mit weitem Blick über den Bodensee und die Dächer der mittelalterlichen Stadt. Der Garten ist ein echter Geheimtipp. Hier oben weht immer ein leichter Wind vom See her. Man blickt über die roten Ziegeldächer der Altstadt bis zum glitzernden Bodensee und bei klarem Wetter sogar bis zu den Alpen.
Alte Kastanienbäume spenden Schatten, historische Skulpturen stehen zwischen den Beeten. Es ist der perfekte Ort für eine Pause während des Museumsbesuchs.
Lebendige Veranstaltungen
In drei Räumen zeigt das Städtische Museum Überlingen regelmäßig Sonderausstellungen zu Kultur und Kunst der Stadt. Darüber hinaus finden zahlreiche Veranstaltungen wie Kammerkonzerte, Theateraufführungen, Lesungen, Vorträge u. a. m. im Haus und im Garten statt.
Das Museum ist kein verstaubter Ort. Hier passiert ständig etwas. Mal gibt es eine neue Sonderausstellung, mal ein Kammerkonzert im Festsaal, mal eine Lesung im Garten. Das Programm wechselt ständig und bietet für jeden Geschmack etwas.
Programme für Familien und Kinder
Das Museum denkt auch an die jüngsten Besucher. Bei der Überlinger Museums-Rallye nimmt der Überlinger Uhu „Übi“ Familien mit Kindern mit auf eine Entdeckungsreise durch das Städtische Museum Überlingen. Damit kann mit der gesamten Familie das Museum spielerisch erkundet werden. Zudem warten spannende Einblicke in das Leben zu früheren Zeiten und am Ende des individuellen Rundgangs eine kleine Überraschung auf die Teilnehmer. Die Museums-Rallye ist im Städtischen Museum Überlingen kostenlos erhältlich.
Außerdem gibt es spezielle Führungen für Schulklassen und Workshops, bei denen Kinder selbst kreativ werden können. Geschichte wird hier lebendig und greifbar gemacht.
Ein Audio-Guide macht die Geschichte lebendig
Zudem gibt es seit einiger Zeit einen Audio-Guide. Dieser ist kostenfrei an der Museumskasse erhältlich. Man kann auch einen QR-Code mit dem Smartphone scannen und den Rundgang aufs Handy laden. So kann man in seinem eigenen Tempo durchs Museum gehen und bekommt zu den wichtigsten Exponaten spannende Hintergrundinfos.
Warum sich ein Besuch lohnt
Das Städtische Museum Überlingen ist mehr als nur eine Sammlung alter Gegenstände. Es ist ein lebendiger Ort, der Geschichte erfahrbar macht. Qualitätsvolle, oft seltene, teilweise auch spektakuläre und einzigartige Exponate von der Jungsteinzeit bis 1900 erzählen vielfältige Geschichten von der früheren Lebenswelt in Überlingen, im Linzgau und am Bodensee.
Das Museum verbindet verschiedene Epochen und Kunstrichtungen. Man wandelt durch prachtvolle Räume, die selbst Kunstwerke sind. Man entdeckt Schätze aus sechs Jahrtausenden. Und man genießt einen der schönsten Ausblicke auf den Bodensee.
Ob man sich für Kunst interessiert, Geschichte liebt oder einfach nur einen schönen Nachmittag verbringen will – das Museum bietet für jeden etwas. Es ist ein Ort, an dem Vergangenheit und Gegenwart sich treffen. Ein Ort, der zeigt, wie reich und vielfältig die Kultur am Bodensee ist.
Quellen:
Museen.de – Städtisches Museum Überlingen
Offizielle Website des Museums Überlingen






