Das Museum der Stadt Füssen im Barockkloster St. Mang ist eine der bedeutendsten kulturhistorischen Einrichtungen im bayerischen Allgäu. Das Museum der Stadt Füssen ist im Südteil der ehemaligen Benediktinerabtei St. Mang eingerichtet. Diese beeindruckende Klosteranlage hat die Säkularisation von 1803 und die Krisenzeiten des 19. und 20. Jahrhunderts weitgehend unbeschadet überstanden. Als einzigartiges Zeugnis barocker Klosterarchitektur und zugleich Bewahrer der über tausendjährigen Geschichte der Region, verbindet das Museum auf faszinierende Weise sakrale Kunst, Stadtgeschichte und die bedeutende Tradition des europäischen Musikinstrumentenbaus.
E-Mail: kultur@fuessen.de
Telefon: +49 (0) 8362 903-146 o. 143
Anschrift: Museum der Stadt Füssen
Straße: Lechhalde 3
PLZ / Ort: 87629 Füssen
Anfahrt:
Die nächste Bushaltestelle „Tiroler Straße“ ist ca. 300 m vom Eingang enfernt. Es steht ein allgemeiner Parkplatz in 25 m Entfernung zur Verfügung. Nach vorheriger Rücksprache kann im Klosterhof geparkt werden.
Geschichtlicher Überblick und Gründung
Die Anfänge: Der Heilige Magnus
Das Kloster St. Mang ist ein ehemaliges Kloster der Benediktiner in Füssen in Bayern in der Diözese Augsburg. Das Benediktinerkloster St. Mang wurde in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts als Eigenkloster der Bischöfe von Augsburg errichtet. Der Gründungsvorgang reicht jedoch zurück auf das Wirken des Einsiedlers Magnus, der hier eine Zelle und ein Oratorium erbaut hatte und dort an einem 6. September verstarb. Das Todesjahr selbst ist nicht überliefert.
Der Heilige Magnus, im Allgäu auch liebevoll „Mang“ genannt, gilt als Apostel des Allgäus. Geboren wurde Magnus, der im Allgäu auch Mang genannt wird, um 677 oder um 699, vermutlich bei St. Gallen in der Schweiz. Magnus selber zog nach Epfach weiter und ließ sich von Wikterp mit der Mission leohaufwärts beauftragen. Von Wikterp wurde er auch zum Priester geweiht. Im wilden Lechschlund („Fauces“) fand er einen einsamen Ort zur Gründung einer Zelle. Mit Tozzo zusammen baute er auch hier ein Gotteshaus, eine kleine Salvatorkapelle, die, ebenfalls von Wikterp geweiht, Keimzelle des Klosters Füssen wurde.
Die mittelalterliche Klosteranlage
Die Bedeutung des Klosters St. Mang liegt in seiner Konzeption als barockes Gesamtkunstwerk und zugleich in den erhaltenen Resten der über tausendjährigen mittelalterlichen Anlage. Die Abtei St. Mang reicht zurück auf das Füssener Wirken des hl. Magnus um 750 und zählt damit zu den ältesten Klöstern nördlich der Alpen.
Aufgrund der großen Verehrung dieses Missionars im Allgäu ließ um das Jahr 845 der Augsburger Bischof Lanto mit Zustimmung des Mainzer Erzbischofs den Leib des Magnus, der bis dahin in der Klosterkirche begraben war, erheben und in der Krypta einer neu gebauten Kapelle in Füssen beisetzen. Diese Erhebung der Gebeine bedeutete faktisch die Heiligsprechung des Magnus.
Die barocke Transformation
Die großartige symmetrisch angeordnete Barockanlage plante um 1700 der einheimische Baumeister Johann Jakob Herkomer (1652-1717), der seine Architekturausbildung vor allem in Venedig erfuhr. So erfasst hier ein italienisch anmutender Stil den Betrachter. Der Kaisersaal der Abtei wurde noch von Baumeister Johann Jakob Herkomer (1652–1717) als Mittelpunkt der gesamten Klosteranlage konzipiert. Zugleich liegt der Saal auf der Mittelachse von Klosterkirche und Klostereinfahrt. Architektur und künstlerische Ausstattung als Kolonnadensaal hatten die politische Funktion, herrschaftliche Größe der Abtei vorzuweisen.
Von der Säkularisation zum Museum
1909 erwarb die Stadt Füssen die ponickausche Gutsherrschaft St. Mang und damit auch das ehemalige Klostergebäude. Im Nordflügel richtete sie hier ihr Rathaus ein. 1913 wurde in Füssen ein Museumsverein gegründet und ein Bezirksmuseum für Heimatkunde im Bibliothekssaal des Klostergebäudes eingerichtet. Die Stadt Füssen hatte das Klostergebäude vier Jahre zuvor erworben und stellte den Raum unentgeltlich zur Verfügung.
Auch nach dem Zweiten Weltkrieg blieb das Museum längere Zeit wegen Beschädigungen der Fenster bei der Sprengung der Lechbrücke und Platzbedarf für die Unterbringung von Flüchtlingen geschlossen, bis es Anfang der 1950er Jahre wiedereröffnet wurde. 1989 wurde das Museum völlig neu gestaltet und erhielt den Namen Museum der Stadt Füssen.
Architektur und Räumlichkeiten
Der Kaisersaal – Herzstück barocker Repräsentation
Den Glanzpunkt der Anlage bildet der reich stuckierte und freskierte Festsaal, der als „Kaisersaal“ konzipiert wurde. Seine architektonische Form und Ausstattung diente dem politischen Anliegen der Abtei, die Reichsunmittelbarkeit zu erlangen und Reichsstift zu werden. Der Kaisersaal ist der herausragendste barocke Repräsentationsraum des Klosters. Seine prunkvolle Ausstattung spiegelt das Anliegen des Klosters wider, Reichsstift zu werden.
Der Kaisersaal, der auch Fürstensaal genannt wird, ist heute im Rahmen des Museums der Stadt Füssen zu besichtigen und dient als Kammermusiksaal für die „Fürstensaalkonzerte“, die seit 1951 alljährlich zwischen Juni und September veranstaltet werden. Die Polarität von Kirche und Welt bildet auch das Thema der großartigen Deckenfresken, die vom späteren Kemptener Hofmaler Franz Georg Hermann (1692–1768) geschaffen wurden.
Die Klosterbibliothek
Der außergewöhnliche Ovalbau der Klosterbibliothek bildet das Zentrum der Südfront, der schlossähnlichen Schauseite des Klosters. Im Innern ermöglichte eine Öffnung den Blick hinunter in das Refektorium, den Speisesaal der Mönche. Die Einheit von geistiger und leiblicher Nahrung wird mit diesem architektonischen Kunstgriff symbolisiert.
Ein Zeitgenosse aus dem 18. Jahrhundert schwärmte: „Das ganze Stift ist wegen seiner Bauart merkwürdig. Die Kirche, das Refektorium, die Küche, alles verdient beobachtet zu werden und es hat was Außerordentliches an sich, dass auf so einem kleinen, unebenen Platz so schöne Bauordnung angebracht worden ist“, so der Reisebericht eines Andechser Paters von 1788.
Die Annakapelle mit dem Füssener Totentanz
Heute ist sie ein Teil des Stadtmuseums im Klostergebäude und kann besichtigt werden. 1602 schuf Jakob Hiebeler im Auftrag des Abtes Matthias Schober für die St. Anna-Kapelle den berühmten monumentalen Füssener Totentanz, der zu den wichtigsten Darstellungen dieser Art im deutschen Sprachraum gehört. Unter dem Motto „Sagt Ja, Sagt Nein, Getanzt Muess Sein“ folgen auf zwanzig Einzelbildern (auf zehn Holztafeln) verschiedene gesellschaftliche Rollenmodelle der frühneuzeitlichen Gesellschaft dem Tod, angeführt von Papst und Kaiser. Berühmt ist die Darstellung der Hexe als einer von vier weiblichen Figuren.
Sammlungen und Ausstellungsschwerpunkte
Füssen als Wiege des europäischen Lauten- und Geigenbaus
Die Stadt Füssen gilt als die Wiege des Lauten- und Geigenbaus in Europa. 1562 schlossen sich die Füssener Lautenmacher zur ersten Lautenmacherzunft Europas zusammen. Zeitweise arbeiteten in Füssen, das damals etwa 2000 Einwohner zählte, bis zu 20 Lautenmachermeister.
Die geografischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen für dieses Handwerk waren ideal: Der Hauptgrund liegt sicherlich in der nahen Verfügbarkeit des Rohstoffes. Als Tonhölzer sind nämlich ausschließlich das Holz der Bergwälder nutzbar. Die Fichte, der Ahorn und für den Lautenbau auch besonders die Eibe, deren Bestände in den Wäldern Nordtirols und des Ammergebirges besonders zahlreich waren.
Auch die Verkehrslage Füssens an der noch im Mittelalter wichtigen ehemaligen Römerstraße Via Claudia Augusta, die die Zentren Augsburg und Venedig miteinander verband, wie auch der befloßbare Lech, der die Handelswege nach Wien und Budapest öffnete, trugen wesentlich zur Ausbreitung dieses Berufszweiges bei.
Die europäische Dimension des Füssener Instrumentenbaus
Die Geschichte des Füssener Lauten- und Geigenbaus ist zugleich eine Geschichte der Arbeitsmigration. Hunderte von Füssener Lauten- und Geigenmachern wanderten aus, um in den europäischen Kulturmetropolen, an Fürstenhöfen und in großen Handelsstädten Werkstätten zu gründen und ihr Handwerk erfolgreich auszuüben.
In den heute für den Lauten- und Geigenbau bekannten Städten Venedig oder Padua war noch im 17. Jahrhundert zwei Drittel aller Lautenbauer Füssener Abstammung. Ein Indiz erfolgreicher Integration in der neuen Heimat stellen die Anpassungen der Eigennamen dar: Aus Matthäus und Georg Seelos wurden Matteo und Giorgio Sellas, Magnus Lang nannte sich Magno Longo, Michielle Harton ist unschwer als Michael Hartung zu erkennen und der schwierig auszusprechende Name Tieffenbrucker wurde entsprechend verballhornt: „Duiffoprugcar“, „Dubrocard“, „Dieffobruchar“.
Die Museumssammlung heute
Die Ausstellung zu Füssen als Wiege des Lauten- und Geigenbaus in Europa zeigt in Füssen gefertigte Lauten. Das älteste Instrument ist eine Laute des Füssener Lautenbauers Wolfgang Wolff aus der Mitte des 16. Jahrhunderts. Das älteste Instrument der Sammlung haben das bayerische Heimat- und das Kunstministerium kürzlich unter die „100 Heimatschätze“ gewählt: Die Wolf-Laute aus dem 16. Jahrhundert.
Das Museum verfügt über eine beeindruckende Sammlung, die verschiedene Aspekte der lokalen Geschichte und Kultur abdeckt. Ein Schwerpunkt liegt auf der Geschichte des Geigen- und Lautenbaus in Füssen, einer Tradition, die bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht und die Stadt zu einem wichtigen Zentrum dieses Handwerks machte. Neben Musikinstrumenten beherbergt das Museum auch Kunstwerke, religiöse Artefakte, historische Dokumente und Gegenstände des täglichen Lebens, die die Geschichte und Kultur der Region beleuchten.
Der Füssener Totentanz von Jakob Hiebeler
Das Museum der Stadt Füssen beherbergt in der Annakapelle den Totentanz von Jakob Hiebeler aus dem Jahr 1602. Es ist der älteste erhaltenen Totentanz Bayerns. Über den Maler Jakob Hiebeler, der den Füssener Totentanz schuf, ist kaum etwas bekannt. Er stammte aus Obergünzburg und wird von 1596 bis 1618 in den Klosterarchiven geführt und als Urheber mehrerer Werke genannt. Den Füssener Totentanz vollendete er 1602.
Ins Bild gesetzt wird er als Reigen oder Tanz, bei dem Repräsentanten der spätmittelalterlichen Ständegesellschaft dem Tod begegnen, vom Papst bis zum einfachen Bauern. Das Motto des Füssener Totentanzes, „Sagt Ja Sagt Nein Getanzt Muess sein“, das in einem Medaillon über dem Tafelwerk zu lesen ist, unterstreicht den Tod als für alle Menschen gleichermaßen gültig, ungeachtet ihres Standes, ihres Berufs, ihres Geschlechts und ihres Alters.
Der Text im letzten Bild des Totentanzes lässt darauf schließen, dass er sich in dem Bild selbst darstellte. Dort fordert der Tod den Maler auf: „Jacob Hiebeler laß daß mahlen stohn, Wirff bensel hin du muest darvon.“ Der Maler antwortet: „Ich hab gemaltt den todtten tantz, Mueß auch in spil, sonst werß nit gantz.“
Die Weihnachtskrippen-Sammlung
Die Tradition der Weihnachtskrippen reicht auch in Füssen Jahrhunderte weit zurück. Vor allem aus dem 19. und Anfang 20. Jahrhundert haben sich wertvolle Krippen erhalten. Vier Füssener Krippen sind im Museum der Stadt Füssen ausgestellt.
Im Zentrum steht eine große Krippe des Füssener Holzbildhauers Edmund Sprenzel (geb. 12. Mai 1884 in Füssen – gest. 13. September 1955 in Füssen), eine Dauerleihgabe der Enkelin Frau Klara Sprenzel. Seit 1921 baute Edmund Sprenzel alljährlich zur Weihnachtszeit in der Magnuskapelle der Stadtpfarrkirche St. Mang seine große Krippe auf. Diese Krippe weist über 60 Einzelfiguren auf, neben 30 Personen etwa so viele Tiere.
Barrierefreiheit und Besucherservice
Das Museum legt großen Wert auf Barrierefreiheit und Zugänglichkeit für alle Besucher. Alle prüfrelevanten Bereiche erfüllen die Qualitätskriterien der Kennzeichnung „Barrierefreiheit geprüft – teilweise barrierefrei für Menschen mit Gehbehinderung“.
Der Kassenschalter ist an der niedrigsten Stelle 99 cm hoch. Die Exponate sind überwiegend im Sitzen sichtbar, wahrnehmbar oder erkennbar. Die Informationen zu den Exponaten sind überwiegend im Sitzen lesbar. Folgende Hilfsmittel werden angeboten: Rollstuhl, Rollator
Die sanitären Anlagen sind ebenfalls barrierefrei gestaltet: Die Bewegungsflächen betragen: vor dem Waschbecken 136 cm x 200 cm; vor dem WC 160 cm x 155 cm; links neben dem WC 91 cm x 70 cm; rechts neben dem WC 95 cm x 70 cm. Es sind links und rechts vom WC Haltegriffe vorhanden. Beide Haltegriffe sind hochklappbar. Das Waschbecken ist unterfahrbar in einer Höhe von 67 cm und einer Tiefe von weniger als 30 cm. Der Spiegel ist im Sitzen und Stehen einsehbar. Es ist ein Alarmauslöser vorhanden.
Bildungsprogramm und Veranstaltungen
Das Museum der Stadt Füssen bietet ein breites Spektrum an Bildungsprogrammen und Veranstaltungen für Besucher aller Altersgruppen. Diese umfassen Führungen, Workshops, Vorträge und spezielle Ausstellungen, die sich mit verschiedenen Aspekten der lokalen Geschichte und Kultur befassen. Das Museum bemüht sich, das kulturelle Erbe von Füssen lebendig und zugänglich zu machen und fördert das Verständnis und die Wertschätzung der regionalen Geschichte und Traditionen.
Führungsangebote
Nach Vereinbarung (nur zu den regulären Öffnungszeiten) Buchung: Tel. +49 (0)8362 903 143, museum@stadt-fuessen.de Gebühr: 40 € zuzgl. Eintritt 4 € pro Person (max. 20 Personen)
Führung durch Kirche und Kloster St. Mang (durch Kirchenführer) Jeden Samstag 10.30-12.00 Uhr (7. Mai bis 5. November) Führung durch Kirche St. Mang, Krypta, Gruft und Annakapelle mit Totentanz (durch Kirchenführer) Jeden Dienstag 15.30-16.45 Uhr (3. Mai bis 1. November)
Eintrittspreise
Erwachsene 6 €, ermäßigt 5 € Kombikarte Museen 9 € Unter 18 Jahren frei Schulklassen frei
Besucherzahlen
Im Jahr 2018 hatte das Museum der Stadt Füssen rund 17.000 Besucher. Davon kamen 25,7 Prozent aus dem Ausland (ohne Österreich). 8,1 Prozent kamen aus der Region (Altlandkreis Füssen und Außerfern).
Das Museum spielt eine wichtige Rolle in der kulturellen Landschaft von Füssen. Es trägt zur Bewahrung des reichen kulturellen Erbes der Stadt bei und ist ein wichtiger Anziehungspunkt für Touristen sowie ein zentraler Ort für die lokale Gemeinschaft. Das Museum der Stadt Füssen stärkt das historische Bewusstsein und die Identität der Region und bietet Einheimischen und Besuchern gleichermaßen die Möglichkeit, in die faszinierende Geschichte von Füssen einzutauchen.
Fazit
Das Museum der Stadt Füssen im Barockkloster St. Mang ist weit mehr als nur ein regionaler Ausstellungsort – es ist ein lebendiges Zeugnis europäischer Kultur- und Kunstgeschichte. Von den mystischen Anfängen mit dem Heiligen Magnus über die mittelalterliche Klostergründung bis hin zur barocken Pracht und der einzigartigen Tradition des Lauten- und Geigenbaus spannt sich der Bogen der hier präsentierten Geschichte.
Insgesamt ist das Museum der Stadt Füssen ein bedeutendes kulturelles Zentrum, das durch seine vielfältigen Sammlungen und Bildungsangebote die Geschichte und Kultur der Region lebendig hält und sowohl für Einheimische als auch für Besucher von großem Interesse ist.
Die Verbindung von authentischem historischem Ambiente, wertvollen Kunstschätzen und der lebendigen Vermittlung regionaler Traditionen macht das Museum zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Kulturlandschaft Bayerns und zu einem Muss für jeden Besucher der romantischen Stadt Füssen.
Quellen:
Bistum Augsburg – Wallfahrtsort St. Mang






