Schwäbisches Bauern- und Technikmuseum – eine Reise in die Vergangenheit

Das Schwäbische Freilichtmuseum Illerbeuren (bis 2023 Schwäbisches Bauernhofmuseum) in Illerbeuren, einem Ortsteil von Kronburg im schwäbischen Landkreis Unterallgäu in Bayern, zählt zu den älteren Freilichtmuseen in Deutschland. 1955 war es das erste dieser Art im Süden der Bundesrepublik. Es liegt rund zwölf Kilometer südlich von Memmingen im Illertal. Das Museum bietet seinen Besuchern eine faszinierende Zeitreise durch die ländliche Kultur Schwabens und des Allgäus, von der frühen Neuzeit bis in die Nachkriegszeit des 20. Jahrhunderts. Auf einem weitläufigen Gelände von über 12 Hektar präsentiert das Museum eine einzigartige Sammlung historischer Gebäude, traditioneller Handwerkstechniken und lebendiger Geschichte, die das bäuerliche Leben vergangener Jahrhunderte authentisch erlebbar macht.

Das Museum liegt in Illerbeuren und ist über die Bundesautobahn 96 (Lindau–München) „Anschlussstelle 11 Aitrach“ und über die Bundesautobahn 7 (Handewitt–Füssen) „Anschlussstellen 129 Memmingen Süd und 130 Woringen“ im Fernverkehr erschlossen.

E-Mail museumseifertshofen@gmail.com

Telefon: +49 (0) – 1522 – 5869659

Anschrift: Schwäbisches Bauern- und Technikmuseum Seifertsthofen

Straße: Marktstraße 5

PLZ / Ort: 73569 Eschach-Seifertshofen

Öffnungszeiten

  1. März bis 10. November 10 – 18 Uhr. Im Sommer freitags und samstags zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet (15. Juni bis 15. September)

Das Museum hat montags geschlossen (außer an Feiertagen) sowie an Karfreitag. In der Wintersaison vom 1. Dezember bis 6. Januar können Sonderausstellungen besichtigt werden.

Eintrittspreise

Die Eintrittspreise sind familienfreundlich gestaltet:

  • Erwachsene: ca. 5,00 €
  • Ermäßigte: ca. 3,50 €
  • Kinder (ab 6 Jahren): ca. 1,00 €
  • Familienkarte: ca. 7,50 €

Geschichte und Entwicklung des Museums

Die Gründung und frühe Jahre

Das Museum wurde 1955 durch Hermann Zeller gegründet, der das Haus bis 1986 leitete. Als erstes Freilichtmuseum im süddeutschen Raum setzte es Maßstäbe für die museale Darstellung ländlicher Kulturgeschichte. Die Vision war es von Anfang an, die vielfältige Kulturlandschaft Bayerisch-Schwabens zu bewahren und für kommende Generationen zugänglich zu machen.

Trägerschaft und Leitung

Träger ist ein kommunaler Zweckverband, dem der Bezirk Schwaben, der Landkreis Unterallgäu, die Gemeinde Kronburg und der Heimatdienst Illertal e. V. angehören. Diese breite institutionelle Verankerung sichert dem Museum eine stabile Grundlage und ermöglicht seine kontinuierliche Weiterentwicklung.

Sein Nachfolger war Otto Kettemann, der diese Aufgabe bis 2014 wahrnahm. Von August 2014 bis Januar 2015 war Ursula Winkler Leiterin des Schwäbischen Bauernhofmuseums. Ab dem 1. August 2015 war Philipp Herzog Museumsleiter. Im August 2017 wurde Wolfgang Ott aus dem Ruhestand reaktiviert und kommissarisch für eineinhalb Jahre mit der Leitung des Museums betraut.

Das Museumsgelände – Ein Dorf im Wandel der Zeit

Architektonische Vielfalt

So zeigt das Museum Häuser und Höfe vom 17. bis in das 20. Jahrhundert, Handwerkstätten und frühe technische Bauten. Die über 30 historischen Gebäude stammen aus verschiedenen Regionen zwischen Iller und Lech, vom Allgäu im Süden bis zum Ries im Norden. Jedes Gebäude wurde an seinem Originalstandort sorgfältig abgetragen und im Museum originalgetreu wieder aufgebaut.

Besondere Gebäude und Einrichtungen

Die St.-Ulrich-Sölde hat eine besondere Bedeutung als erstes Gebäude des Museums und begeistert bis heute Besucher aller Altersgruppen. Im Zehentstadel aus Krugzell ist eine große Sammlung von ländlichen Wagen und Schlitten ausgestellt, und im Neubauerhof wird das Landleben in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts unter dem Einfluss der Zeitgeschichte geschildert.

Ein besonderes Highlight stellt die schiefe Torfwirtschaft „Otto Hamp“ dar. Ein spektakuläres Wirtshauserlebnis erfährt man in der „Torfwirtschaft Otto Hamp“ aus dem Moor bei Jettingen. Arg schief wie einst steht die kleine Wirtschaft da. Mit der Freiluftkegelbahn lädt sie zum Verweilen ein. Das Gebäude vermittelt eindrucksvoll die Herausforderungen des Lebens in den Moorgebieten Schwabens.

Das Schwäbische Schützenmuseum

Hervorzuheben ist das Schwäbische Schützenmuseum, das ebenfalls zum Bauernhofmuseum gehört, und mit Tausenden von Objekten die traditionsreiche Geschichte des Schützenwesens veranschaulicht. Die Sammlung zeigt die Entwicklung der Schützenwaffen von der Armbrust über historische Musketen bis zu modernen Präzisionsgewehren und dokumentiert die kulturelle Bedeutung der Schützenvereine in der schwäbischen Tradition.

Lebendige Kulturlandschaft und traditionelle Landwirtschaft

Historische Kulturpflanzen

Das Bauernhofmuseum präsentiert aber nicht nur Gebäude und Kulturgüter, sondern zeigt auch historische Kulturpflanzen und ihren Anbau. So werden Bauerngärten liebevoll gepflegt, auf den Äckern alte Getreidesorten nach der alten Dreifelderwirtschaft angebaut, und entlang der Wege stehen Obstbäume alter Sorten.

Die Bauerngärten zeigen typische Nutz- und Zierpflanzen vergangener Jahrhunderte. Besucher können hier vergessene Gemüsesorten, Heilkräuter und traditionelle Blumen entdecken, die in modernen Gärten kaum noch zu finden sind. Das Museum bewahrt über 80 alte Apfel- und Birnensorten, die entlang der Wege gepflanzt sind und zur Erhaltung der genetischen Vielfalt beitragen.

Alte Haustierrassen – Lebendiges Kulturerbe

Auch zum Erhalt vom Aussterben bedrohter Haustierrassen leistet das Bauernhofmuseum einen bescheidenen Beitrag. Auf den Wiesen weiden beispielsweise Zaupelschafe, Allgäuer Original-Braunvieh und Schwäbisch-Hällische Schweine. Im Hühnergarten des Natterhofes ist die einzige bayerische Hühnerrasse, das Augsburger Huhn, zu sehen.

Das Zaupelschaf – Eine besondere Rückkehr

Im Herbst 2000 konnte das Schwäbische Bauernhofmuseum ein paar Zaupelschafe, eine in Deutschland ausgestorbene Rasse, aus Ungarn einführen. Im frühen 18. Jahrhundert gelangten Zaupelschafe mit schwäbischen Auswanderern nach Ungarn. Heutzutage gibt es auch dort nur mehr einen einzigen Züchter, von dem das Museum ein paar Exemplare erhalten konnte. Somit sind die Tiere fast 300 Jahre nach ihrer Ausreise in ihre angestammte Heimat zurückgekehrt. Diese bemerkenswerte Geschichte zeigt das Engagement des Museums für den Artenschutz und die Bewahrung des genetischen Erbes der Region.

Weitere seltene Nutztierrassen

Die Pferderasse Oberländer Noriker (Oberländer Kaltblut) verdankt ihren Namen der ehemaligen römischen Provinz Noricum, dem heutigen Kärnten. Die edlen, mittelschweren Kaltblüter wurden erstmals in einem bischöflichen Erlass von 1565 erwähnt. Der geduldige Oberländer Noriker wird in alpinen Regionen zur Bewirtschaftung von Steilflächen, in der Waldnutzung als Rückepferd, außerdem als Gespannpferd eingesetzt.

Vielfältiges Veranstaltungsprogramm

Jahreshöhepunkte und Traditionen

Das Museum bietet ein abwechslungsreiches Jahresprogramm mit zahlreichen Veranstaltungen, die die ländlichen Traditionen Schwabens lebendig halten. Am Palmsonntag, den 24. März, werden traditionell die Palmboschen um 9 Uhr, mitten im Museumsgelände vor der St.-Leonhard-Kapelle gesegnet.

Zu den großen Veranstaltungen gehören:

  • Tag der Volksmusik im Juli – der Tag der Volksmusik am 8. Juli, der inzwischen zu Schwabens größtem Volksmusikfest angewachsen ist
  • Kinderfest im August – ein buntes Programm für die ganze Familie
  • Handwerkertage im September – traditionelle Handwerkskunst zum Anfassen
  • Obsttag im Oktober – Sortenvielfalt und Verarbeitung
  • Leonhardiritt im November – mit prächtigen Gespannen
  • Adventstag zum Saisonende

Museumspädagogische Programme

Für Schulklassen und natürlich auch für interessierte Erwachsenengruppen bietet das Museum eine Vielzahl von museumspädagogischen Programmen an. Während der gesamten Saison können große und kleine Museumsgäste pädagogische Programme („Museumstage“) zu ländlichen und bäuerlichen Themen besuchen. In Programmen wie „Reise in die Vergangenheit“, „All Dag Muas“, „Alles Käse. Milchwirtschaft im Allgäu“, „Brotbacken“, „Wäsche waschen“, „Die zwölf Bauernartikel – Ein Rollenspiel“ u.v.m. können Teilnehmer historische Arbeitstechniken selbst ausprobieren und dabei spielerisch lernen.

Kurse und Workshops

Themenführungen (u.a. Pflanzenführungen und Kräuterküchen), Kurse (u.a. Korbflechten, Sensenmähen, Handarbeitskurse) ermöglichen es Besuchern, traditionelle Fertigkeiten zu erlernen. Diese Angebote reichen vom Obstbaumschnitt über Korbflechten bis hin zu historischen Handarbeitstechniken.

Sonderausstellungen und thematische Schwerpunkte

Das Museum präsentiert regelmäßig Sonderausstellungen zu speziellen Themen der ländlichen Kulturgeschichte. Das Freilichtmuseum zeigt in erster Linie Zeugnisse der ländlichen Baukultur, also eingerichtete Häuser und Höfe, aber auch spezielle Objektsammlungen, thematische Ausstellungen wie Landmaschinen, Handwerksstätten, Wagen und Schlitten (darunter die Kutsche des „Wasserdoktors“ Sebastian Kneipp aus Bad Grönenbach).

Die Ausstellungen behandeln Themen wie:

  • Technisierung der Landwirtschaft
  • Trachten und Alltagskleidung
  • Milchwirtschaft im Allgäu
  • Flachsverarbeitung
  • Vorratshaltung
  • Torfabbau

Gastronomie und Museumsshops

Im Museumsgelände laden zwei Gasthäuser zum Verweilen ein, im Kassenraum gibt es Bücher zu kaufen, und wer will, kann Hafnern bei der Arbeit zuschauen und ihre Produkte gleich erwerben. Einen durchgehenden Wirtshausbetrieb mit Biergarten bietet der Gasthof „Gromerhof“ mit schwäbischen Köstlichkeiten.

Die traditionelle schwäbische Küche wird hier mit regionalen Zutaten zubereitet, und Besucher können typische Gerichte wie Käsespätzle, Maultaschen oder Zwiebelrostbraten genießen. Die Gasthäuser bieten auch vegetarische Optionen und Kindermenüs an.

Aktuelle Entwicklungen

Das Museum befindet sich in kontinuierlicher Entwicklung. Der Ausbau des Museums (über 30 Häuser) ist noch lange nicht abgeschlossen. Vom Allgäuer Bergland bis in die Staudenregion bei Augsburg werden Gebäude von ihren Originalstandorten nach Illerbeuren verlagert.

Aktuelle Projekte umfassen den Aufbau einer historischen Sägemühle, die Neugestaltung von Ausstellungsbereichen und die Integration moderner Vermittlungsmethoden. Das Museum arbeitet kontinuierlich daran, die Balance zwischen Bewahrung der Tradition und zeitgemäßer Präsentation zu halten.

Bedeutung für die Region

Das Schwäbische Freilichtmuseum Illerbeuren ist weit mehr als nur eine touristische Attraktion. Es ist ein lebendiges Kulturzentrum, das die Identität der Region bewahrt und vermittelt. Für Einheimische bietet es einen Ort der Erinnerung und Begegnung, für Besucher aus nah und fern ein authentisches Erlebnis schwäbischer Lebensart.

Die wissenschaftliche Arbeit des Museums trägt zur Erforschung der Regionalgeschichte bei. Durch die Zusammenarbeit mit Universitäten und anderen Forschungseinrichtungen entstehen neue Erkenntnisse über das historische Alltagsleben, Wirtschaftsformen und soziale Strukturen der ländlichen Gesellschaft.

Fazit

Das Schwäbische Freilichtmuseum Illerbeuren bietet seinen Besuchern eine einzigartige Reise in die Vergangenheit. Mit seiner beeindruckenden Sammlung historischer Gebäude, der liebevollen Pflege alter Kulturpflanzen und Haustierrassen sowie einem vielfältigen Veranstaltungsprogramm macht es die ländliche Kulturgeschichte Schwabens lebendig erfahrbar.

Als ältestes Freilichtmuseum Süddeutschlands hat es Maßstäbe gesetzt und zeigt auch nach fast 70 Jahren noch immer neue Facetten der regionalen Geschichte. Es ist ein Ort, an dem Tradition und Moderne sich begegnen, wo Geschichte erlebbar wird und wo die Besucher die Möglichkeit haben, in eine Welt einzutauchen, die zwar vergangen, aber nicht vergessen ist.

Für Familien, Schulklassen, Geschichtsinteressierte und alle, die mehr über die Wurzeln der schwäbischen Kultur erfahren möchten, ist das Museum ein unverzichtbares Ausflugsziel. Es bewahrt nicht nur materielle Kulturgüter, sondern auch immaterielles Kulturerbe wie traditionelle Handwerkstechniken, alte Rezepte und überliefertes Wissen für kommende Generationen.


Quellen:

Offizielle Website des Schwäbischen Freilichtmuseums Illerbeuren

Tourismusinformation Unterallgäu

Gemeinde Kronburg