Elmar Gunsch (* 14. Januar 1931 in Frankfurt am Main; † 3. Januar 2013 ebenda) war ein österreichischer Moderator, Autor und Schauspieler. Wegen seiner markanten, sonoren und weichen Bassstimme erhielt er den Beinamen Die Stimme. Der Mann mit dem warmen Timbre machte sich einen Namen als Fernsehmoderator, Rundfunksprecher und Hörbucherzähler. Er war das Gesicht vieler beliebter TV-Shows der 70er und 80er Jahre und bleibt unvergessen für seine Art, selbst das trübste Wetter freundlich zu präsentieren.
Der Junge aus Südtirol mit dem bewegten Start
Elmar Gunsch wuchs im österreichischen Vorarlberg auf. Seine Eltern stammten aus dem Vinschgau in Südtirol, der Vater war als Vertreter für Miederwaren tätig. Das bedeutete viel Reisen für die Familie. Deshalb lebte Elmar Gunsch einige Zeit bei den Großeltern in Nürnberg und machte dort am Hans-Sachs-Gymnasium Abitur.
Der junge Elmar war ein kreativer Kopf, der sich für Kunst und Kultur interessierte. Er studierte kurz Germanistik und Theaterwissenschaften. Aber das reine Studieren war nichts für ihn. Er wollte auf die Bühne.
Erste Schritte als Schauspieler
Er betätigte sich fünf Jahre als Schauspieler an Bühnen in Wien und Klagenfurt, bevor er 1957 Hörfunkmoderator wurde. Die Zeit am Theater war wichtig für ihn. Hier lernte er, wie man mit der Stimme arbeitet und wie man Menschen erreicht. Versuche als Schauspieler blieben ein Zwischenspiel, ebenso ein Operettensänger-Anlauf.
Aber seine besondere Stimme sollte ihm andere Türen öffnen. Sie war tief, warm und hatte etwas Beruhigendes. Genau das Richtige fürs Radio.
Der Weg zum Radio und Fernsehen
1961 ging er als Rundfunkjournalist zum Hessischen Rundfunk. 1963 berichtete er vom Besuch des US-Präsidenten John F. Kennedy in der Frankfurter Paulskirche. Ferner machte er Reportagen für die Sendungen Zeitfunk und Unterwegs in Hessen.
Das war der Start einer langen Radiokarriere. Mitte der 1970er Jahre ging er zum Bayerischen Rundfunk, für den er bis in die 1990er Jahre arbeitete. Hier moderierte er zunächst die Sendung Funkpost und ab 1983 die Sendung Das geht ins Ohr, in der er Schlager und Evergreens vorstellte.
Um 1981 schrieb der Komponist Dieter Bohlen einige Lieder für ihn. Das zeigt, wie bekannt Gunsch schon damals war. Von 1980 bis 1983 arbeitete er auch für das deutsche Programm von Radio Luxemburg und in den 1990er Jahren für SWF4 Rheinland-Pfalz.
Der beliebte Wetterfrosch beim ZDF
Beim ZDF präsentierte er von 1978 bis 1986 donnerstags das Wochenendwetter nach dem heute-journal – und das war sein großer Durchbruch. Elmar Gunsch wurde zum Erfinder des Freistils für die „Wetterfrösche“. Er las nicht einfach nur die Wettervorhersage vor. Er erzählte das Wetter wie eine Geschichte.
Die Wetteraussichten konnten noch so trüb sein, Elmar Gunsch konnte sie märchenhaft präsentieren. Mit seiner sonoren Stimme wurde er zum Erfinder des Freistils für die „TV-Wetterfrösche“. Die Zuschauer liebten seine Art. Er bekam massenweise Fanpost und Geschenke. Von Regenschirmen bis zu Froschfiguren war alles dabei.
Die großen TV-Shows der 80er Jahre
Aber Gunsch war mehr als nur ein Wettermann. die Sendungen Wiedersehen macht Freude – Elmar Gunsch präsentiert Kabinettstückchen (1978–1984) und Lustige Musikanten (1980–1985, gemeinsam mit Carolin Reiber) sowie diverse Specials und wirkte in Sketchen der Kinderreihe Babbelgamm mit.
Die Show „Lustige Musikanten“ war ein echter Hit. Der gebürtige Österreicher moderierte mit Carolin Reiber 1980 bis 1985 „Lustige Musikanten“ und war zwischen 1978 und 1986 der „Wetterfrosch“ im ZDF. Zusammen mit Carolin Reiber bildete er ein perfektes Moderatorenteam. Sie brachte Schwung mit, er die ruhige Art. Die Show lief zur besten Sendezeit und Millionen schauten zu.
„Wiedersehen macht Freude“ war seine eigene Show. Hier zeigte er alte Filmszenen und hatte prominente Gäste. Die Sendung war ein Nostalgietrip für viele Zuschauer. Sie liebten es, alte Stars wiederzusehen und Gunschs Geschichten dazu zu hören.
Der Wechsel zu Sat.1
Später wechselte Gunsch zu Sat.1 und moderierte dort die Show Nun sagen Sie mal… (1987). Das war die Zeit, als die Privatsender groß wurden. Sat.1 wollte bekannte Gesichter haben. Und wer war bekannter als „Die Stimme“?
Die Show war anders als seine bisherigen Sendungen. Moderner, frecher. Aber es funktionierte nicht so richtig. Doch die Fernsehzeit war für Gunsch seit langer Zeit vorbei: „Die wollen natürlich junge Leute“, sagte er nach seiner TV-Karriere – ohne Bitterkeit.
Kult bei Harald Schmidt
Ende der 90er erlebte Gunsch noch einmal ein Comeback der besonderen Art. In der Harald Schmidt Show trat er ab Januar 1998 mit Rezitationen von deutschen Übersetzungen bekannter Popsongs auf. Das war Comedy vom Feinsten.
Er las populäre Hits vor wie zum Beispiel „Satisfacion“ von den Rolling Stones oder auch Wolfgang Petrys Comeback-Hit „Verlieben, verloren, vergessen, verzeihn“. Mit seiner ernsten, tiefen Stimme las er Texte wie „Born To Be Wild“ vor – und machte sie dadurch unfreiwillig komisch. Die Zuschauer liebten es.
Was sonst noch wichtig war
In den 2000er Jahren war Gunsch mit einer Eigenproduktion, Eine Reise ins Reich der Phantasie, zusammen mit der Gitarristin und Flamencotänzerin Barbara Hennerfeind auf Tournee in Deutschland. Er blieb aktiv, auch wenn das Fernsehen ihn nicht mehr wollte.
Er hatte sich nach dem Abschied von der Kamera ohnehin andere Felder geschaffen, moderierte Gala-Abende, arbeitete als Hörbuchsprecher und präsentierte beim italienischen Radiosender RAI in Bozen die Show „Der Kaffee ist fertig“. Für ihn war das Arbeiten Lebenselixier. „Ich hör‘ auf, wenn’s nicht mehr geht – wenn die Zähne wackeln oder mir vorm Mikrofon das Gebiss rausfällt“, betonte er gern.
Seine Bücher und andere Werke
Gunsch war auch Autor. Er schrieb zwei Bücher:
- „Donnerwetter“ (1984) – ein Buch über seine Zeit als Wettermann
- „Horch was kommt von draußen rein“ (1989) – Geschichten aus dem Studio
Elmar Gunsch veröffentlichte die Bücher „Donnerwetter“ (1984) und „Horch was kommt von draußen rein“ (1989), viele Märchenkassetten und -CD’s, Schallplatten, eigene Bühnenproduktionen „Eine Reise ins Reich der Fantasie“ mit der klassischen Gitarristin Barbara Hennerfeind.
Seine Märchenkassetten waren besonders beliebt. Generationen von Kindern schliefen zu seiner Stimme ein. Er erzählte die Märchen nicht nur, er lebte sie. Man konnte die böse Hexe förmlich sehen, wenn er sprach.
Das Privatleben
Gunsch war viermal verheiratet, in zweiter Ehe mit der Schauspielerin Herta Fauland; aus der dritten Ehe ging eine Tochter hervor (* 1964). Bis zuletzt lebte der begeisterte Koch mit seiner vierten Frau Heide in seinem Häuschen in der Nähe von Frankfurt.
Er war ein geselliger Mensch, der gerne Gäste hatte. „Ich bin eine geborene Plaudertasche“, beschrieb sich der Bart-Träger mit dem besonderen Timbre einmal. Seine Küche war sein Reich. Hier kochte er für Freunde und Familie. Italienische Küche liebte er besonders – kein Wunder bei seinen Südtiroler Wurzeln.
Ab 1999 war er Ehrenmitglied im Verein Deutsche Sprache. Das passte zu ihm. Er liebte die deutsche Sprache und konnte mit ihr umgehen wie kaum ein anderer.
Was bleibt von „Der Stimme“?
Seine tiefe, samtweiche Stimme hat ihn zwar populär gemacht, aber Gunsch wollte mehr zeigen: „Es ärgert mich, wenn nie akzeptiert wird, was man sagt, sondern nur, wie man es sagt“, sagte er. Ihn „Die Stimme“ zu nennen, sagte Gunsch einmal, das sei „eine Reduktion, aber auch mein Markenzeichen“.
Und genau das war sein Dilemma. Er war mehr als nur eine Stimme. Er war ein kluger Kopf, ein guter Journalist, ein unterhaltsamer Moderator. Aber die Menschen liebten vor allem seine Stimme.
Der Abschied
Kurz vor seinem 82. Geburtstag starb Elmar Gunsch an den Folgen eines Treppensturzes. Der TV- und Radiomoderator Elmar Gunsch ist am 3. Januar 2013 im Alter von 81 Jahren an den Folgen eines Sturzes gestorben.
Er wurde anonym in einem Friedwald im Taunus bestattet. Das passte zu ihm. Kein großes Tamtam, keine Inszenierung. Einfach Ruhe.
Was andere über ihn sagten
Viele Kollegen trauerten um ihn. Sie erinnerten sich an einen warmherzigen Menschen, der nie schlecht über andere sprach. Carolin Reiber sagte, er sei ein „Gentleman der alten Schule“ gewesen.
Harald Schmidt würdigte ihn als Kultfigur, die das Fernsehen geprägt hat. Die Auftritte in seiner Show seien unvergessen.
Das ZDF nannte ihn einen der prägenden Moderatoren der 70er und 80er Jahre. Ohne ihn wäre das deutsche Fernsehen ärmer gewesen.
Seine wichtigsten Sendungen im Überblick
Im Radio:
- Funkpost (Bayern 1)
- Das geht ins Ohr (Bayern 1, ab 1983)
- Der Kaffee ist fertig (RAI Bozen)
- Diverse Sendungen beim Hessischen Rundfunk, Radio Luxemburg und SWF4
Im Fernsehen:
- Wochenendwetter (ZDF, 1978-1986)
- Wiedersehen macht Freude (ZDF, 1978-1984)
- Lustige Musikanten (ZDF, 1980-1985)
- Nun sagen Sie mal… (Sat.1, 1987)
- Auftritte in der Harald Schmidt Show (Sat.1, ab 1998)
Gunsch als Schauspieler
Als Schauspieler war er u.a. in den Fernsehfilmen „Familienfest“ (1980), „Mein Bruder und ich“ (1982), „Schloß & Siegel“ (1987), „11 traumhafte Märchen“ (2006) und „Das Musikhotel am Wolfgangsee“ (2008) zu sehen.
Seine schauspielerischen Auftritte waren selten, aber einprägsam. Er spielte meist sich selbst oder ähnliche Typen – den gütigen Onkel, den weisen Erzähler.
Was wir von ihm lernen können
Elmar Gunsch zeigte, dass man mit Freundlichkeit und Wärme weit kommt. Er musste nie laut werden, nie poltern. Seine ruhige Art war seine Stärke.
Er bewies auch, dass man sich neu erfinden kann. Vom Schauspieler zum Radiomoderator, vom Wettermann zum Showmaster, vom TV-Star zum Hörbuchsprecher. Er blieb immer in Bewegung.
Und er zeigte uns: Das Alter ist nur eine Zahl. Mit über 70 noch auf Tour gehen? Kein Problem. Neue Projekte starten? Aber sicher. Er machte weiter, bis es wirklich nicht mehr ging.
Ein Mann seiner Zeit
Gunsch war ein Kind seiner Generation. Geboren 1931, geprägt vom Krieg, aufgewachsen in schweren Zeiten. Diese Generation hatte noch Respekt vor der Sprache, vor der Kultur. Sie wussten Dinge zu schätzen, die heute selbstverständlich sind.
Er verkörperte das alte Fernsehen – als es noch gemütlicher zuging, als man sich Zeit nahm. Heute undenkbar: Ein Wetterbericht, der mehrere Minuten dauert und bei dem der Moderator auch mal abschweift.
Aber genau das vermissen viele Menschen heute. Die Gemütlichkeit, die Wärme, die menschliche Note. Gunsch hatte all das.
Fazit: Ein unvergessener Entertainer
Elmar Gunsch war mehr als nur „Die Stimme“. Er war ein Entertainer im besten Sinne. Einer, der unterhielt ohne zu überfordern. Der warmherzig war ohne kitschig zu werden. Der professionell war ohne distanziert zu sein.
Er gehörte zu den Großen des deutschen Fernsehens. Nicht weil er besonders witzig war oder besonders schön. Sondern weil er authentisch war. Man spürte: Dieser Mann meint es ehrlich. Er verstellt sich nicht.
In einer Zeit, in der alles immer schneller, lauter, bunter wird, erinnert uns Elmar Gunsch daran: Manchmal ist weniger mehr. Eine ruhige Stimme kann mehr bewegen als tausend Schreie. Und echte Wärme lässt sich nicht spielen – die muss von Herzen kommen.
Elmar Gunsch hatte diese Wärme. Und deshalb werden ihn die Menschen nicht vergessen. Die Stimme ist verstummt. Aber die Erinnerung bleibt.
Quellen:






