Francis Morgan Ayodélé Thompson, bekannt als Daley Thompson (geboren am 30. Juli 1958 in Notting Hill, London), ist ein ehemaliger britischer Zehnkämpfer. Er gilt als einer der größten Athleten seiner Disziplin und dominierte den Zehnkampf in den 1980er Jahren wie kaum ein anderer Sportler.
Der Weg zum Champion
Thompson wurde als zweiter Sohn eines nigerianischen Vaters und einer schottischen Mutter geboren. Als Thompson sechs Jahre alt war, verließ sein Vater die Familie. Sein Vater nannte ihn ursprünglich Ayodele, was „Die Freude kommt heim“ bedeutet – daraus entwickelte sich sein Rufname Daley. Als Daley zwölf Jahre alt war, starb sein Vater.
Thompson zeigte schon früh sportliches Talent und begann in den Jugendmannschaften von Chelsea und Fulham mit dem Fußballsport. Der Leichtathletiktrainer Bob Mortimer vom Londoner Verein Haywards Heath Harriers wurde auf den jungen Sprinter aufmerksam. Mortimer zeigte seinen Schützling dem Mehrkampf-Coach Bruce Longden und man überlegte, was Thompson als Zehnkämpfer zeigen könne.
Am 28. und 29. Juni 1975 absolvierte Thompson seinen ersten Zehnkampf bei den Welsh Open und siegte mit 6685 Punkten. Bereits im Jahr 1977 konnte der erst Neunzehnjährige seinen ersten großen internationalen Erfolg verbuchen – er holte sich den Titel bei den Junior-Europameisterschaften.
Die goldenen Jahre der Dominanz
Olympiasieger und Weltrekordhalter
Daley Thompson startete im Jahr 1980 zu den Olympischen Sommerspielen in Moskau. Der Wettkampf verlief für Thompson perfekt. Am 25. Juli ging Thompson in den ersten beiden Disziplinen klar in Führung und hatte nach fünf Disziplinen 4542 Punkte erreicht. Am regnerischen Folgetag konnte er seinen Olympiasieg souverän ins Ziel bringen. Mit 8495 Punkten lag er deutlich vor den beiden Athleten aus der UdSSR, Juri Kuzenko und Sergei Schelanow.
Was Thompson besonders auszeichnete, war seine unglaubliche Konstanz bei großen Wettkämpfen. Er gewann 19 von 37 Zehnkämpfen, bei denen er angetreten war. Von 1980 bis 1986 blieb er im Zehnkampf ungeschlagen.
Im Jahr 1982 setzte sich Daley mit 8.730 Zählern zum zweiten Mal an die Spitze. Im gleichen Jahr erzielte Thompson 8.774 Zähler. 1984 erreichte Daley Thompson mit insgesamt 8.847 das höchste Punkteergebnis seiner Laufbahn. Er verbesserte den Rekord von Jürgen Hingsen um 15 Punkte. Damit führte der Engländer bereits zum vierten Mal die Punkteliste der weltbesten Zehnkämpfer an.
Die Rivalität mit Jürgen Hingsen
Die 1980er Jahre wurden vor allem durch das spektakuläre Duell zwischen Thompson und dem deutschen Zehnkämpfer Jürgen Hingsen geprägt. Das Duell zwischen Thompson und Hingsen fesselte die Leichtathletik-Fans. Das bessere Ende aber hatte immer der Brite für sich.
Hingsen war körperlich imposanter – mit seinen 2,01 Meter Körpergröße überragte er Thompson deutlich. Er war in den 1980er Jahren als Zehnkämpfer Olympiasilbermedaillengewinner und dreimaliger Weltrekordhalter. Aber Thompson hatte die mentale Stärke und gewann, wenn es darauf ankam.
1984 nahm Thompson an den Olympischen Sommerspielen in Los Angeles teil. Er verließ das internationale Turnier als Sieger und verwies dabei erneut Jürgen Hingsen auf den zweiten Platz, Dritter wurde der Deutsche Siegfried Wentz. Bei diesem Wettkampf stellte Thompson seine persönlichen Bestleistungen im 100-Meter-Lauf (10,44 Sekunden) und im Weitsprung (8,01 Meter) auf.
Training wie ein Besessener
Thompson war bekannt für sein extremes Trainingspensum. Er trainierte 7-8 Stunden jeden Tag und zeigte damit ein unvergleichliches Level an Hingabe. Thompson sagte: „Ich trainiere zweimal am Weihnachtstag, weil ich weiß, dass die anderen gar nicht trainieren. Das gibt mir zwei Extra-Tage.“
Thompson trainierte 350 Tage im Jahr, inklusive Weihnachten – er war entschlossen, seinem Rivalen Hingsen immer einen Schritt voraus zu sein. Diese fanatische Hingabe machte ihn zu dem Champion, der er war.
Thompsons Dominanz war nicht nur das Resultat von natürlichem Talent – sie wurde durch ein unglaublich rigoroses und intelligentes Trainingsregime geschmiedet. Sein Ansatz war umfassend und adressierte alle zehn Events des Zehnkampfs.
Seine Trainingsmethoden umfassten:
- Krafttraining für die Wurfdisziplinen
- Sprinttraining für die Laufdisziplinen
- Technische Übungen: Jede der zehn Disziplinen hat spezifische technische Anforderungen. Thompson verbrachte unzählige Stunden damit, seine Technik für jede Disziplin zu verfeinern. Das beinhaltete repetitive Übungen, Videoanalyse und konstantes Feedback.
- Plyometrische Übungen wie Box-Jumps und Bounding wurden integriert, um seine Sprung- und Sprintleistung zu verbessern. Agilitätsübungen verbesserten seine Koordination und Schnelligkeit.
- Ausdauertraining: Obwohl kein reiner Langstreckenläufer, erfordert der 1500-Meter-Lauf am Ende des Zehnkampfs signifikante Ausdauer. Thompson integrierte Mittelstreckenläufe in seinen Trainingsplan.
Weitere Erfolge und Titel
Daley Thompson war der erste Sportler, der den Titel eines Olympiasiegers, Weltmeisters (1983), Europameisters (1982, 1986) und Siegers bei den Commonwealth Games (1978, 1982, 1986) in einer Einzeldisziplin hielt.
Am Ende seiner Teilnahme zu den Europameisterschaften im Jahr 1982 stand der Titelgewinn. Im Jahr darauf startete Thompson zur Zehnkampf-Weltmeisterschaft in Helsinki. Dort setzte er sich die Krone der Zehnkämpfer auf.
Die zehn Disziplinen des Zehnkampfs
Zum Zehnkampf zählen die Einzeldisziplinen 100 Meter Lauf, Weitsprung, Kugelstoßen, Hochsprung, 400 Meter Lauf, 110 m Hürdenlauf, Diskuswurf, Stabhochsprung, Speerwurf und der 1.500 Meter Lauf. Thompson war in fast allen Disziplinen außergewöhnlich stark, besonders aber in den Sprintdisziplinen und im Weitsprung.
Die deutschen Rivalen
Die deutsche Zehnkampf-Schule war in den 1980er Jahren weltführend. In den 1980er Jahren prägten Jürgen Hingsen, Siegfried Wentz und Guido Kratschmer den Zehnkampf. Ihre Erfolge und Rivalitäten machten die Disziplin populär.
Guido Kratschmer
Guido Kratschmer wurde am 10. Januar 1953 in Großheubach geboren. Er gewann bei den Olympischen Spielen 1976 in Montreal die Silbermedaille im Zehnkampf und verbesserte 1980 den Weltrekord. Im Juni 1980 stellte er in Bernhausen mit 8649 Punkten einen neuen Weltrekord auf.
Kratschmer hatte sich ab 1977 ganz gezielt auf die Olympischen Spiele in Moskau vorbereitet, mit dem klaren Ziel Goldmedaille. Es gab damals keinen wirklichen Gegner für ihn, außer Daley Thompson. Aber Thompson war jünger. Zudem war Kratschmer psychisch sehr stark und Thompson diesbezüglich auch überlegen.
Aber das Schicksal hatte andere Pläne. An den Olympischen Spielen 1980 in Moskau konnte er wegen des Boykotts der Bundesrepublik nicht teilnehmen. Die Goldmedaille war sein Lebensziel, sein ganz großer Traum – und die konnte er nur in Moskau gewinnen. 1976 war er noch zu jung dafür, doch in Moskau wäre er auf dem Zenit seines Leistungsvermögens gewesen. 1984 in Los Angeles war er schon wieder zu alt.
Jürgen Hingsen
Jürgen Hingsen wurde am 25. Januar 1958 in Duisburg geboren. Er war hauptsächlich im Zehnkampf aktiv. Hingsen stellte zwischen 1982 und 1984 drei Weltrekorde auf, konnte aber Thompson bei den wichtigen Wettkämpfen nie schlagen.
Hingsen wurde zweimal Vizeeuropameister und einmal Vizeweltmeister sowie einmal Olympiazweiter. Bei den Olympischen Sommerspielen 1988 in Seoul hatte er in der ersten Disziplin, dem 100-Meter-Lauf, drei Fehlstarts und wurde disqualifiziert. Daraufhin schlug ihm in der Öffentlichkeit Spott entgegen.
Persönlichkeit und Kontroversen
Thompson war nicht nur ein außergewöhnlicher Athlet, sondern auch eine schillernde Persönlichkeit. Thompson war ein natürlicher Showman, der sich beim britischen Publikum mit seiner respektlosen Persönlichkeit und Anti-Establishment-Haltung beliebt machte.
Er gewann den BBC Sports Personality of the Year Award 1982, wurde 1983 zum MBE ernannt und im Jahr 2000 zum CBE befördert.
Aber Thompson sorgte auch für Kontroversen. Bei den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles trug Thompson ein T-Shirt mit der Aufschrift „IS THE WORLD’S 2ND GREATEST ATHLETE GAY?“. Das Shirt wurde von manchen als grausam gegen Carl Lewis gerichtet angesehen.
Das Ende einer Ära
Im Jahr 1987 fanden die Weltmeisterschaften in Rom statt. Hierbei musste sich der englische Leichtathlet dem DDR-Sportler Torsten Voss geschlagen geben. Es war Thompsons erste Niederlage seit 1978.
Die Olympischen Sommerspiele im Jahr 1988 in Seoul waren die letzten für Daley Thompson, sie läuteten das Ende seiner aktiven Zehnkampf-Karriere ein. Thompson wurde 1992 durch eine hartnäckige Oberschenkelverletzung zum Rücktritt aus der Leichtathletik gezwungen.
Leben nach der Leichtathletik
Nach seiner aktiven Karriere blieb Thompson dem Sport verbunden. In den 1990er Jahren spielte er kurz Fußball in der Reservemannschaft von Mansfield Town und bei den Amateurvereinen Stevenage Borough und Ilkeston. Er arbeitete auch als Fitnesstrainer für Wimbledon und Luton Town.
Thompson widmete sich 1993 dem Motorsport im National Saloon Car Cup und fuhr einen Peugeot 106. Er trat in der niedrigsten Klasse für Autos bis 1400ccm an und gewann seine Klasse in Thruxton.
2015 eröffnete Thompson sein eigenes Fitnessstudio, Daley Fitness, an der Upper Richmond Road in London. 2018 gründete er zusammen mit dem Koch Gary Barnshaw DT10 Sports und verkauft seitdem zuckerarme Proteinshakes und Sportriegel.
Familie und Privatleben
Thompson hat zwei Kinder mit seiner Freundin Lisa und drei mit seiner Ex-Frau Tish. Thompson hat sportliche Söhne namens Elliot und Alex. Elliot Thompson wurde 2022 britischer Zehnkampfmeister. Der Titel wurde 46 Jahre nachdem Daley seinen ersten nationalen Titel gewann errungen. Alex spielt Rugby für die University of Bath und England Sevens.
Fazit
Thompson wird oft als einer der größten Zehnkämpfer aller Zeiten bezeichnet. Mit vier Weltrekorden, zwei olympischen Goldmedaillen, drei Commonwealth-Titeln und Siegen bei Welt- und Europameisterschaften wird Thompson von vielen als einer der größten Zehnkämpfer aller Zeiten angesehen. Er wurde im Independent als „der größte Allround-Athlet, den dieses Land je hervorgebracht hat“ beschrieben.
2013 wurde Thompson in die IAAF Hall of Fame aufgenommen. Seine Autobiographie „Daley: Olympic Superstar“ wurde 2024 veröffentlicht.
Thompson bewies, dass harte Arbeit, mentale Stärke und absolute Hingabe den Unterschied zwischen gut und großartig ausmachen können. Er trainierte härter als alle anderen, war mental stärker als seine Konkurrenten und gewann, wenn es darauf ankam. Seine Dominanz in den 1980er Jahren und seine charismatische Persönlichkeit machten ihn zu einer Ikone des britischen Sports.






