Die Phänomenta ist Deutschlands erstes Science Center, das in den 1980er Jahren an der Pädagogischen Hochschule in Flensburg entstand. Professor Lutz Fiesser war verantwortlich für die Idee dieses ersten Science Centers. Heute gibt es vier feste Ausstellungen in Deutschland: die Phänomenta Bremerhaven, die Phänomenta Flensburg, die Phänomenta Lüdenscheid (gegründet 1996) sowie die Phänomenta in Peenemünde auf der Insel Usedom (eröffnet 2000). Diese interaktiven Wissenschaftsmuseen machen Naturwissenschaften für Menschen jeden Alters erlebbar und begreifbar.
Web: https://www.phaenomenta-flensburg.de/
E-Mail: info@phaenomenta.com
Telefon: 0461 1 44 49 0
Straße: Noderstraße 157
PLZ / Ort : 24939 Flensburg
Das Konzept: Anfassen statt nur Anschauen
Mit Experimenten, die die Besucher der jeweiligen Ausstellung zumeist komplett selbst durchführen können, sollen Naturwissenschaft und Physik für alle Altersklassen interessant und verständlich gemacht werden. Das ist das Herzstück der Phänomenta-Philosophie. Statt langer Texte oder klassischer Museumsführungen steht hier das eigene Experimentieren im Vordergrund.
Der Unterschied zu einem Technikmuseum besteht darin, dass es keine Sammlung zur Besichtigung und keine langen Texte zum Lesen gibt. Naturwissenschaften, mit Schwerpunkt auf Physik und Technik, sollen hier durch Experimentieren und Ausprobieren erlebt und begriffen werden. Daher sind die Exponate interaktiv und so gestaltet, dass sie keine Antwort vorwegnehmen. Begreifen mit allen Sinnen steht im Vordergrund.
Die vier Standorte und ihre Besonderheiten
Phänomenta Flensburg – Wo alles begann
Die Flensburger Phänomenta ist nicht nur die älteste, sondern auch eine der größten. Auf einer 2.000m² großen Ausstellungsfläche, verteilt auf 4 Etagen kommen die Besucher an mehr als 200 spannenden Experimentierstationen den Naturgesetzen auf die Spur. Das Museum gehört als An-Institut zur Europa-Universität Flensburg.
Für Kinder im Kindergarten, die drei bis sechs Jahre alt sind, wurde eine „Zwergenphänomenta“ konzipiert, die aus 20 Experimenten besteht. Das zeigt: Wissenschaft ist hier wirklich für alle da.
Phänomenta Lüdenscheid – Mit dem spektakulären Turm
Lüdenscheid hat seit 2015 ein einzigartiges Wahrzeichen: Der Turm, welcher das Foucaultsche Pendel beherbergt, wurde am 8. Mai 2015 eröffnet und hat sich zu einer Landmarke der Stadt herausgebildet. Mit seinen 75 Metern Höhe ist er schon von weitem sichtbar.
Der Turm beherbergt das größte begehbare Kaleidoskop Europas. Aber das ist noch nicht alles: Nach dem Turm-im-Turm-Prinzip enthält diese Primärkonstruktion eine zusätzliche 30 m hohe Turmkonstruktion, in deren Inneren ein 28 m langes Foucault’sches Pendel schwingt. Dieses Pendel beweist auf faszinierende Weise die Erdrotation.
Das Museum bietet auf 4000 m² großer Ausstellungsfläche rund 200 Exponate. Zehn verschiedene Themenbereiche laden zum Entdecken ein – von Magnetismus über Optik bis hin zur Bewegungslehre.
Phänomenta Bremerhaven – Maritime Wissenschaft
In einer ehemaligen Gewürzlagerhalle im Fischereihafen hat die Phänomenta Bremerhaven seit 2003 ihr Zuhause gefunden. Ein besonderes Highlight ist hier das Kinder-Chemielabor, wo jeden Tag aufregende Mitmach-Aktionen stattfinden. Wie wäre es, ein 5-Cent-Stück zu vergolden oder die eigene Handcreme herzustellen?
Auch der Spezialfahrstuhl ist ein Erlebnis: Er bringt Besucher auf eine imaginäre Reise 5.500 Meter tief unter die Erde in eine Salzhöhle, wo sie die Kraft der Geothermie hautnah erleben können.
Phänomenta Peenemünde – Wissenschaft auf Usedom
Auf der Ostseeinsel Usedom können Besucher seit dem Jahr 2000 physikalische Phänomene hautnah erleben. So ist es in der Phänomenta in Peenemünde zum Beispiel möglich, mit Hilfe der Hebelwirkung einen 700 kg schweren Trabant 601 mit einer Hand anzuheben. Das zeigt eindrucksvoll die Kraft der Physik.
Die Mini-Phänomenta macht Schule
Ein besonders erfolgreiches Projekt ist die Mini-Phänomenta. Die Idee der MINIPHÄNOMENTA geht auf die Arbeiten von Prof. Dr. Lutz Fiesser zurück. Er gilt als Begründer des ersten deutschen Science Centers, der Phänomenta in Flensburg.
Mit der MINIPHÄNOMENTA tauchen Schüler*innen in die Welt des Staunens, Forschens und Begreifens ein. Quer übers Schulgebäude verteilt können die Kinder der Grundschule zwei Wochen lang „MINI-Phänomene“ entdecken und selbstständig erkunden.
Das Besondere: Nach dem Besuch der Wanderausstellung bauen Eltern und Lehrer gemeinsam eigene Experimentierstationen für die Schule nach. Am Projekt Miniphänomenta sollen bisher rund 3000 Schulen teilgenommen haben. So wird aus einem zweiwöchigen Besuch eine dauerhafte Bereicherung für die Schule.
Was macht die Phänomenta so besonders?
Lernen durch eigenes Entdecken
Anders als in klassischen Museen gibt es hier keine vorgegebenen Wege. Es findet in der Phänomenta keine Führung statt, kein Rundgang. Es existieren keine Aufsichten, sondern Betreuer. Die Besucher sollen selbst aktiv werden und ihre eigenen Erfahrungen machen.
Wissenschaft für alle Altersgruppen
Von der Zwergenphänomenta für Dreijährige bis zu komplexen Experimenten für Erwachsene – hier findet jeder etwas Spannendes. Zielgruppe der Phänomenta sind insbesondere Kinder im Schulalter. Die Besucher sollen mit Hilfe von Experimentierstationen Probleme aus Mathematik, Physik und Technik verstehen lernen.
Praktische Experimente statt Theorie
Das Motto der Phänomenta lautet: „Vom Staunen zum Denken“. Der Besucher soll in der Phänomenta ungewöhnliche Erfahrungen durch Experimente machen, diese nicht nur konsumieren, sondern auch das Wahrgenommene hinterfragen und erforschen.
Beispiele faszinierender Experimente
In allen Phänomentas warten spannende Stationen auf die Besucher. Man kann:
- Mit Magnetkräften experimentieren und deren unsichtbare Wirkung spüren
- Optische Täuschungen erleben, die das Gehirn austricksen
- Die Kraft der Hebelwirkung am eigenen Körper erfahren
- Mit Schallwellen spielen und deren Ausbreitung verstehen
- Elektrische Phänomene hautnah erleben
In Lüdenscheid gibt es zum Beispiel die Station Hörrohr. Das blaue Rohr erstreckt sich kreuz und quer unter der Decke des Raums. Laut Beschreibung ist es 38 Meter lang und hat 15 eingebaute Bögen. Die Schallwellen haben es leicht in dem glatten Rohr und nehmen auch jede Kurve mit Leichtigkeit. So lernen Kinder spielerisch, wie Schall sich ausbreitet.
Internationale Verbreitung des Konzepts
Das Erfolgsmodell Phänomenta bleibt nicht auf Deutschland beschränkt. Die Phänomenta Lüdenscheid war aktiv daran beteiligt in Bangkok eine verkleinerte Ausgabe aufzubauen. Die Exponate ermöglichten den Thailändern den Nachbau der Stationen mit Materialien aus dem eigenen Land. Mit 20 ausgesuchten Experimentierstationen wurde dies nach und nach umgesetzt. Die Schwierigkeiten lagen in der Materialbeschaffung, den klimatischen Verhältnissen, aber auch in der Anpassung der Stationen an die Körpergröße und Feingliedrigkeit der Thailänder.
Was kostet der Spaß?
Die Phänomentas finanzieren sich hauptsächlich durch Eintrittsgelder und Mitgliedsbeiträge. Der Verein finanziert sich in erster Linie über die Eintrittspreise, Mitgliedsbeiträge sowie über den Exponateverkauf und -verleih. Die Preise variieren je nach Standort, sind aber familienfreundlich gestaltet. Viele Phänomentas bieten Jahreskarten und spezielle Gruppentarife für Schulklassen an.
Workshops und Sonderveranstaltungen
Die Phänomentas sind mehr als nur Ausstellungen. Sie bieten:
- Kindergeburtstage mit besonderen Programmen
- Workshops zu verschiedenen naturwissenschaftlichen Themen
- Ferienaktionen für Kinder und Jugendliche
- Lehrerfortbildungen zum Thema spielerisches Lernen
Die Phänomenta Lüdenscheid bietet regelmäßig kreative (Robotik-)Workshops sowie familienbezogene und schulische Events an. Zudem können hier phänomen(t)ale Kindergeburtstage gefeiert werden, die mit zahlreichen Programmpunkten rund um Experimente, Roboter und Schatzsuche kleine Entdeckerherzen sichtlich höherschlagen lassen.
Die Bedeutung für die MINT-Bildung
Die Phänomentas spielen eine wichtige Rolle in der naturwissenschaftlichen Bildung in Deutschland. Sie wecken bei Kindern und Jugendlichen Interesse für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – die sogenannten MINT-Fächer.
Professor Lutz Fiesser erhielt 2017 für seine Pionierarbeit in der naturwissenschaftlichen Bildung das Bundesverdienstkreuz am Bande. Diese Auszeichnung zeigt die gesellschaftliche Anerkennung für das innovative Bildungskonzept.
Aktuelle Entwicklungen und Besucher heute
Die Phänomentas entwickeln sich ständig weiter. Die jährlichen Besucher der Flensburger Phänomenta liegen heute offenbar bei fast 70.000 Besuchern im Jahr. Neue Experimente kommen dazu, bestehende werden verbessert.
In Lüdenscheid ist die humanoide Roboterdame Lüdia ein wahrer Besuchermagnet: Stets für ein Pläuschchen bereit lässt sie sich kitzeln, kann Witze erzählen, Macarena tanzen und noch vieles mehr. Solche modernen Attraktionen zeigen, dass die Phänomentas mit der Zeit gehen.
Ein Blick in die Werkstatt der Wissenschaft
Die Phänomentas arbeiten eng mit Universitäten zusammen. Die Phänomenta ist administrativ als An-Institut der Universität eingegliedert, das von den Abteilungen Physik, Didaktik und Geschichte wissenschaftlich begleitet wird. Mit Hilfe der Universität soll die wissenschaftliche Weiterentwicklung der Ausstellung gewahrt bleiben. In diesem Sinne werden am Institut für mathematische, naturwissenschaftliche und technische Bildung neue Stationen entwickelt.
Diese wissenschaftliche Anbindung garantiert, dass die Experimente nicht nur unterhaltsam, sondern auch fachlich korrekt sind.
Warum die Phänomenta besuchen?
Ein Besuch in der Phänomenta ist mehr als nur ein Museumsbesuch. Es ist eine Entdeckungsreise in die Welt der Naturwissenschaften. Hier können Familien gemeinsam staunen, Schulklassen praktisch lernen und Erwachsene ihr inneres Kind wiederfinden.
Die Phänomentas zeigen: Wissenschaft muss nicht trocken und langweilig sein. Sie kann Spaß machen, faszinieren und begeistern. Und das Beste: Man versteht komplexe Zusammenhänge plötzlich ganz einfach – weil man sie selbst ausprobiert hat.
Quellen:
MINIPHÄNOMENTA – Das Schulprojekt für ganz Deutschland
Phänomenta Flensburg – Das Original seit 1985
Phänomenta Lüdenscheid – Mit dem spektakulären Turm
Phänomenta Bremerhaven – Maritime Wissenschaft erleben
Phänomenta Netzwerk – Überblick über alle Standorte






