Die IMAGINATA in Jena ist ein deutsches Science Center und Experimentarium für die Sinne. Seit ihrer Gründung 1995 macht sie die Vorstellungskraft ihrer Besucher anzuregen und durch selbstständiges Experimentieren ein vertiefendes Lernen zu ermöglichen zu ihrer Hauptaufgabe. Im ehemaligen Umspannwerk Jena-Nord verbindet diese einzigartige Einrichtung naturwissenschaftliche Phänomene mit künstlerischen Erfahrungen und schafft so einen Lernort, der weit über traditionelle Wissensvermittlung hinausgeht.
E-Mail: info@imaginata.de
Telefon: 03641 – 8899 20
Straße: Löbstedter Straße 67
PLZ / Ort: 07749 Jena
Öffnungszeiten
Die Imaginata hat unterschiedliche Öffnungszeiten je nach Zeitraum:
- Montag bis Freitag: 10:00 – 15:00 Uhr (außerhalb der Thüringer Schulferien)
- Wochenenden, Feiertage und Thüringer Schulferien: 10:00 – 18:00 Uhr
- Gruppen ab 10 Personen: jederzeit nach Voranmeldung möglich
Eintrittspreise
Die Preisgestaltung ist familienfreundlich:
- Vollzahler: 7,60 €
- Ermäßigt: 6,00 €
- Verschiedene Ermäßigungen für Familien und Senioren verfügbar
- Schulklassen und Kindergartengruppen erhalten Sonderkonditionen
Die Geburt einer Vision – Von der Idee zum festen Haus
Bereits 1991 begann das Projekt „imaginatives Lernen“ zunächst am Institut für Erziehungswissenschaften in der Eberhard Karls Universität Tübingen, wo von Peter Fauser und Otto Seydel ein erstes wissenschaftliches Konzept verfasst wurde. Die beiden Pädagogen entwickelten eine Theorie, die Vorstellungskraft als zentrale Quelle für Innovationen und Erfindergeist betrachtete.
Gegründet wurde die Imaginata 1995 von Gundela Irmert-Müller und Peter Fauser, nachdem im Juni desselben Jahres die erste Sommer-Imaginata stattfand. Diese damals noch einwöchige Veranstaltung füllte das Hauptgebäude der Friedrich-Schiller-Universität Jena und die Straßen und Plätze um das Gebäude herum mit naturwissenschaftlichen Experimentierstationen, aber auch mit Theaterprojekten und Konzerten. Was als temporäres Event begann, entwickelte sich schnell zu einem dauerhaften Projekt.
Im Dezember desselben Jahres wurde dann der als gemeinnützig anerkannte Verein „Imaginata e. V.“ gegründet. Der Verein machte sich auf die Suche nach einem festen Standort. In den Jahren 1997 und 1998 wurde das Umspannwerk Jena-Nord erworben. Der Umzug in das Gebäude konnte nach einigen Instandsetzungs- und Umbaumaßnahmen bereits im Frühjahr 1999 begonnen werden.
Das historische Umspannwerk – Wo Industriekultur auf Bildung trifft
Das Gebäudeensemble des ehemaligen Umspannwerks ist selbst ein technisches Denkmal. Das Gebäude, entworfen von dem Weimarer Architekten Bruno Röhr, wurde 1926 von der Thüringischen Landeselektrizitätsversorgung AG errichtet und vereint spätes Bauhaus und den Stil der neuen Sachlichkeit. Der Entwurf des Gebäudes stammt vom Architekten Bruno Röhr aus Weimar und vereint spätes Bauhaus mit dem Stil der neuen Sachlichkeit. Das Ensemble besticht durch eine klare, übersichtliche Gestaltung.
Nach seiner Stilllegung 1992 stand das technische Denkmal zunächst leer. Mit dem Erwerb durch die Imaginata bekam das Industriegebäude eine völlig neue Bestimmung. Das Gebäudeensemble vereint spätes Bauhaus mit dem Stil der neuen Sachlichkeit und ist geprägt durch eine klare, übersichtliche Gestaltung. Auf dem einstigen Industriegelände befindet sich heute die Imaginata – ein Experimentarium für die Sinne, welches zu einem der ersten derartigen Zentren in Deutschland zählt. Daneben befinden sich hier eine ganze Reihe von Räumlichkeiten in den verschiedensten Größen, die je nach Bedarf für Veranstaltungen, Workshops oder auch Weiterbildungen genutzt werden können.
Die Räumlichkeiten umfassen verschiedene Bereiche. die Spielhalle: ein großer, über zwei hohe Etagen reichender, sehr heller Raum mit einer nach Süden ausgerichteten Fensterseite und einer 3,60 Meter breiten Galerie. Von dieser Galerie aus sind diverse Räumlichkeiten wie die Trafo- und Metaboxen erreichbar. Die ebenfalls nutzbare ehemalige Meßwarte und die Tonhalle, welche eine hervorragende Akustik bietet, haben, durch ihre im Original erhaltenen Industriebestandteile, ein ganz besonderes Flair.
Der Stationenpark – Wissenschaft zum Anfassen
Auf 1700m² Innen- und über 3000m² Außengelände finden sich mehr als 100 interaktive Exponate aus den Themenbereichen der Mathematik, Physik, Technik und Biologie, die unseren Besucher:innen zum freien Experimentieren zur Verfügung stehen. Der Stationenpark ist das Herzstück der Imaginata und macht sie zu einem besonderen Lernort.
Dabei steht bei der Imaginata – im Gegensatz zu anderen Science Centren – jedoch nicht nur das Vermitteln von naturwissenschaftlichem Faktenwissen im Fokus, sondern vor allem die Vorstellungskraft, die beim Betätigen unserer Experimentierstationen in den Besucher:innen angeregt wird. Diese Philosophie unterscheidet die Imaginata grundlegend von klassischen Museen oder Ausstellungen.
Die Vielfalt der Stationen ist beeindruckend. In den Schalthallen und auf dem Freigelände des alten Umspannwerks Jena-Nord entwickelt die Imaginata ein Erfahrungsfeld zum Wahrnehmen und Staunen, Spielen und Grübeln, Entdecken und Erfinden. Die Besucher bleiben nicht Betrachter, sondern sind selbst mittendrin und können vieles ausprobieren.
Zu den beliebten Experimenten gehören verschiedene Stationen, die alle Sinne ansprechen. Während sich die wagemutigen Kinder für einen Balanceakt auf das Hochseilrad wagen oder sich durch das Licht-Labyrinth schlängeln, lädt das Sandfigurenpendel zum Verweilen und Betrachten ein. Tuschel-Kuppel, magnetisch haftende Holzelemente, Wölbspiegel für eine sonderbare Gesichtskosmetik, Leonardos Brücke, das Modell eines sich selbst stabilisierenden Tragwerkes oder die Reuleaux-Räder, die rollen ohne rund zu sein, sind weitere Stationen, die bei den Familien für Erstaunen und Heiterkeit sorgen.
Das pädagogische Konzept – Imaginatives Lernen als Grundlage
Den wissenschaftlichen Hintergrund zur IMAGINATA bildete das Projekt „Imaginatives Lernen“ des Lehrstuhls für Schulpädagogik und Schulentwicklung der Friedrich-Schiller-Universität Jena unter der Leitung von Professor Peter Fauser. Das Konzept basiert auf der Erkenntnis, dass Vorstellungskraft und praktisches Experimentieren wesentliche Faktoren für nachhaltiges Lernen sind.
Die theoretische Basis liegt in dem Konzept des imaginativen beziehungsweise des verständnisintensiven Lernens. Beim imaginativen Lernen handelt es sich um den Ansatz, dass für ein effektives, tiefgreifendes Lernen, bei dem Zusammenhänge verstanden werden, Inhalte anschaulich dargestellt und eigene Vorstellungen gebildet werden müssen (siehe auch Inneres Kind). Die Förderung der Vorstellungskraft, die durch die Anregung und den Freiraum für (Gedanken-)Spiele und Experimente geschaffen wird, spielt daher hierbei eine tragende Rolle.
Das praktische Lernen steht im Mittelpunkt. Die Besucher sollen nicht nur Wissen aufnehmen, sondern durch eigenes Handeln und Ausprobieren Zusammenhänge verstehen. Es wurde stets an der Theorie gearbeitet, dass die Vorstellungskraft zur Bildung beitrage und das praktische und vor allem selbstständige handeln und experimentieren zu einem Lernprozess beitrage, der eine andere Ebene erreicht, als es beispielsweise der Frontalunterricht leisten könnte. So sollen Zusammenhänge entstehen, die das Verständnis stärken. So wird die Vorstellungskraft nicht ausschließlich im Alltag verwendet, sie bedarf auch der Anwendung in schwierigen und komplexen Situationen, die der Lösung bedürfen.
Peter Fauser – Der Visionär hinter dem Konzept
Professor Dr. Peter Fauser (*22. Februar 1948) war bis 2013 Professor für Schulpädagogik und Schulentwicklung an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Nach dem Lehramt für Grund- und Hauptschulen (Musik und Mathematik) sowie einem Diplomstudium der Erziehungswissenschaft folgten Promotion und Habilitation an der Universität Tübingen.
Seine vielseitigen Tätigkeiten prägten die deutsche Bildungslandschaft. Fauser war wissenschaftlicher Leiter des Wettbewerbs Förderprogramm Demokratisch Handeln, des Entwicklungsprogramms für Unterricht und Lernqualität und Initiator der Imaginata in Jena. Sein Hauptinteresse gilt der Demokratieerziehung in der Schule, weniger durch Fachinhalte als durch demokratische Strukturänderungen und Mitbestimmung der Schüler in einer gelebten Demokratie.
Fauser war auch Vorstandsmitglied der Akademie für Bildungsreform und war von 2006 bis 2010 Sprecher der Jury des Deutschen Schulpreises. Seine Arbeit verband stets Theorie und Praxis, wobei die Imaginata als praktisches Beispiel seiner pädagogischen Überzeugungen gilt.
Angebote für verschiedene Zielgruppen
Die Imaginata richtet sich an alle Altersgruppen. Seit ihrem Einzug in das Umspannwerk kann sich die vielseitige Einrichtung über jährlich ca. 20.000 Besucher freuen. Darunter viele Schulklassen, aber auch Familien und Erwachsene ohne Kinder.
Schulklassen und Bildungsgruppen
Für Schulklassen gibt es spezielle Programme. Der Stationenpark bietet ideale Bedingungen für außerschulisches Lernen. Lehrer können mit ihren Klassen naturwissenschaftliche Phänomene praktisch erforschen. Bei unsere Gruppenworkshops stehen soziale Skills, wie Teamfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Vertrauen im Mittelpunkt. Anhand von verschiedenen Aufgaben, die die Teilnehmenden in Klein- oder Zweiergruppen lösen müssen, werden wertvolle Erfahrungen gesammelt. Und daneben kommt natürlich auch der Spaß nicht zu kurz!
Die Workshop-Angebote sind vielfältig. Unsere Workshops können einzeln, oder in Kombination mit einer Stationenparkführung gebucht werden. Die Kombination aus Führung und Workshop kann dabei auch auf 2,5 Stunden verkürzt werden. Nur Workshop (Dauer 1,5-2h): 6,50€ p.P. Workshop UND Stationenparkführung (Dauer 3,5-4h): 12,00€ p.P.
Familien und Einzelbesucher
Familien finden in der Imaginata einen idealen Ausflugsort. Kinder und Erwachsene können gemeinsam experimentieren und staunen. Die Stationen sind so gestaltet, dass sie für verschiedene Altersstufen interessant sind. Besonders beliebt sind die interaktiven Experimente, bei denen die ganze Familie zusammenarbeiten kann.
Nachhaltigkeit und moderne Entwicklungen
Die Imaginata entwickelt sich ständig weiter. In Zukunft soll der Stationenpark außerdem das Thema Nachhaltigkeit verstärkt integrieren. In Kooperation mit Hauseigenen Projekten wie „Lebensraum Imaginata“ und regionalen Verbundsvorhaben wie „H2Well-compact“ entstehen zu diesem Themenbereich neue Stationen und Konzepte für unsere Ausstellung.
Der Imaginata e.V. wurde 2019 für seine Bildungsangebote mit dem Thüringer Qualitätssiegel für BNE (Bildung für nachhaltige Entwicklung) ausgezeichnet. Diese Auszeichnung bestätigt die Qualität der Bildungsarbeit und das Engagement für zukunftsorientierte Themen.
Ein Ort der Verbindungen
Heute haben nicht nur die Imaginata mit ihrem Stationenpark ihren Sitz im Umspannwerk Jena-Nord, sondern auch der Lehrstuhl für Schulpädagogik und Schulentwicklung an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, die Geschäftsstelle des Schülerwettbewerbs Demokratisch Handeln und das Entwicklungsprogramm für Unterricht und Lernqualität (E.U.LE.).
Diese Konstellation verschiedener Bildungseinrichtungen macht das Umspannwerk zu einem einzigartigen Bildungscampus. Die räumliche Nähe ermöglicht Synergien zwischen Forschung, Lehre und praktischer Bildungsarbeit.
Besondere Veranstaltungen und Jahresmottos
Seit 1996 steht jedes Jahr in der Imaginata unter einem besonderen Motto. Diese Jahresthemen geben den Aktivitäten eine besondere Ausrichtung und sorgen für Abwechslung im Programm. Neben dem regulären Stationenparkbetrieb finden Konzerte, Vorträge und Sonderausstellungen statt.
Die Imaginata war auch überregional aktiv. Ebenfalls im Sommer 2000 nahm die Imaginata mit einem kleinen Stationenpark und Theaterauftritten während der Thüringen-Woche im Deutschen Pavillon auf der EXPO 2000 in Hannover teil.
Die Bedeutung für Jena und Thüringen
Die Imaginata hat sich zu einem wichtigen Bildungs- und Kulturort in Thüringen entwickelt. Die Imaginata ist ein deutsches Science Center in Jena. Das Experimentarium für die Sinne gehört mit seinem Stationenpark zu einem der ersten derartigen Zentren in Deutschland.
Mit jährlich etwa 20.000 bis 40.000 Besuchern ist die Imaginata ein bedeutender Anziehungspunkt für Bildungstourismus. Schulklassen aus ganz Thüringen und darüber hinaus besuchen das Experimentarium. Die Einrichtung trägt zur Attraktivität Jenas als Wissenschafts- und Bildungsstandort bei.
Ein Blick in die Gegenwart
Die Imaginata bleibt ihrer Grundidee treu: Wissenschaft und Kunst verbinden, Vorstellungskraft fördern, praktisches Lernen ermöglichen. Gleichzeitig passt sie sich an moderne Anforderungen an. Digitale Medien werden sinnvoll integriert, ohne den haptischen Charakter der Experimente zu verlieren.
Die Corona-Pandemie stellte auch die Imaginata vor besondere Aufgaben. Hygienekonzepte mussten entwickelt, Besucherzahlen begrenzt werden. Doch die Einrichtung bewies Flexibilität und konnte ihren Betrieb aufrechterhalten.
Quellen:
- Offizielle Website der Imaginata Jena – Aktuelle Informationen zu Öffnungszeiten, Veranstaltungen und pädagogischen Angeboten
- Wikipedia-Artikel zur Imaginata – Umfassende Darstellung der Geschichte und des Konzepts
- Thüringen.info – Imaginata – Touristische Informationen und Besuchertipps






