Stasi-Gedenkstätten und -Museen: Orte zur Geschichte der DDR-Staatssicherheit
Von Hohenschönhausen bis zur „Runden Ecke“: Überblick über Stasi-Gedenkstätten und -Museen, Akteneinsicht im Bundesarchiv und Tipps für Schulklassen.

Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) war Geheimpolizei, Nachrichtendienst und Ermittlungsbehörde der SED in einem. Wie die „Stasi“ überwachte, verhörte und einsperrte, lässt sich heute an zahlreichen authentischen Orten nachvollziehen: in früheren Untersuchungsgefängnissen, in Dienstgebäuden und in den Archiven, die Bürgerinnen und Bürger 1989/90 vor der Vernichtung bewahrten. Dieser Überblick stellt die wichtigsten Gedenkstätten und Museen vor und erklärt, wie Sie Einsicht in Stasi-Unterlagen beantragen können. Preise und Öffnungszeiten ändern sich; bitte prüfen Sie diese vor einem Besuch direkt bei den Einrichtungen.
Die wichtigsten Orte im Überblick
Die folgende Tabelle fasst ausgewählte Einrichtungen zusammen (Stand 2026). Ausführlichere Angaben zu Geschichte und Häftlingszahlen finden Sie in den folgenden Abschnitten.
| Ort | Einrichtung | Was zu sehen ist |
|---|---|---|
| Berlin-Lichtenberg | Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen | Zentrale Stasi-Untersuchungshaftanstalt, zuvor sowjetisches Speziallager und Gefängnis; Zellentrakte, „U-Boot“-Keller, Dauerausstellung |
| Berlin-Lichtenberg | Stasimuseum und Stasi-Zentrale. Campus für Demokratie | Haus 1 mit den Diensträumen Erich Mielkes, Archivausstellung „Einblick ins Geheime“ des Bundesarchivs in Haus 7 |
| Leipzig | Museum in der „Runden Ecke“ | Originalräume der früheren Bezirksverwaltung, Ausstellung „Stasi – Macht und Banalität“, dazu ein Stasi-Bunker bei Machern |
| Bautzen | Gedenkstätte Bautzen | Sonderhaftanstalt Bautzen II, die faktisch dem MfS unterstand, Dokumentation zu den Bautzener Gefängnissen |
| Erfurt | Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße | Früheres MfS-Untersuchungsgefängnis, Ausstellung zur SED-Diktatur und zur Friedlichen Revolution |
| Magdeburg | Gedenkstätte Moritzplatz | Weitgehend erhaltener Zellentrakt, Vernehmerzimmer, Freihöfe, Besucherkeller |
| Potsdam | Gedenkstätte Lindenstraße | Haftort von der NS-Zeit über die sowjetische Besatzung bis zur Stasi-Untersuchungshaft, erhaltener Zellentrakt |
| Rostock | Dokumentations- und Gedenkstätte in der ehemaligen U-Haft der Stasi | Zellentrakt der früheren Bezirksverwaltung, nach Sanierung näher am Zustand von 1989 |
| Stollberg (Erzgebirge) | Gedenkstätte Stollberg – Frauenzuchthaus Hoheneck | Ehemaliges zentrales Frauengefängnis der DDR, Ausstellung zu politischer Strafjustiz und Haftarbeit |
Berlin: Hohenschönhausen und die ehemalige Stasi-Zentrale
Die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen ist der bekannteste Erinnerungsort an politische Haft in der DDR. Auf dem Gelände richtete der sowjetische Geheimdienst NKWD im Mai 1945 das Speziallager Nr. 3 ein. Nach dessen Auflösung bauten Häftlinge einen unterirdischen Zellentrakt mit fensterlosen Zellen, den Gefangene „U-Boot“ nannten. 1951 übernahm das MfS das Gefängnis und nutzte es bis 1989 als zentrale Untersuchungshaftanstalt; Schätzungen zufolge waren dort bis 1989 rund 10.000 Menschen inhaftiert. Führungen übernehmen ehemals politisch Inhaftierte sowie Historikerinnen und Historiker.
Nur wenige Kilometer entfernt liegt die frühere Zentrale des MfS an der Normannenstraße. Am 15. Januar 1990 besetzten Bürgerinnen und Bürger das Gelände und verhinderten die weitere Vernichtung von Akten. Heute firmiert der Ort als „Stasi-Zentrale. Campus für Demokratie“. Im Haus 1 zeigt das vom Verein ASTAK getragene Stasimuseum die Ausstellung „Staatssicherheit in der SED-Diktatur“; Kernstück sind die original erhaltenen Diensträume von Minister Erich Mielke. Im Haus 7 informiert das Bundesarchiv in der kostenfreien Ausstellung „Einblick ins Geheime“ über das Archiv der Geheimpolizei und bietet Rundgänge durch die Magazinräume an.
Sachsen und Thüringen: Leipzig, Bautzen, Erfurt und Hoheneck
Das Museum in der „Runden Ecke“ befindet sich in den Originalräumen der früheren Bezirksverwaltung für Staatssicherheit am Leipziger Dittrichring. Die Ausstellung „Stasi – Macht und Banalität“ wurde bereits im August 1990 vom Bürgerkomitee Leipzig eröffnet, das bis heute Träger ist. Zur Gedenkstätte gehört ein Museum im früheren Stasi-Bunker bei Machern. Stand 2026 steht die Einrichtung nach Kritik an der in die Jahre gekommenen Ausstellung und gestrichenen Fördermitteln vor einer Neuaufstellung; der Trägerverein hat einen neuen Vorstand gewählt.
In Bautzen erinnert die Gedenkstätte der Stiftung Sächsische Gedenkstätten an das Gefängnis Bautzen II. Es war ab 1956 faktisch dem MfS unterstellt und diente vor allem zur Haft sogenannter „Staatsverbrecher“ – Regimekritiker, wegen Spionage oder Fluchthilfe verurteilte Ausländer, aber auch in Ungnade gefallene Funktionäre. Rund 2.700 Menschen waren hier zwischen 1956 und 1989 inhaftiert, mehr als 80 Prozent aus politischen Gründen. Das benachbarte Gefängnis Bautzen I, wegen seiner gelben Klinkerfassade „Gelbes Elend“ genannt, ist bis heute eine Justizvollzugsanstalt.
In Erfurt begann am 4. Dezember 1989 die Welle der Stasi-Besetzungen: Bürgerinnen und Bürger drangen in die Bezirksverwaltung und das Untersuchungsgefängnis an der Andreasstraße ein und sicherten die Akten. Die heutige Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße der Stiftung Ettersberg zeigt nach eigenen Angaben die umfassendste Ausstellung Thüringens zur SED-Diktatur; Zeitzeugen kommen dort per Bildschirm, in Comics und persönlich zu Wort.
Ergänzend lohnt der Blick nach Stollberg im Erzgebirge. Das frühere Frauenzuchthaus Hoheneck war kein Stasi-Gefängnis im engeren Sinn, sondern eine Strafvollzugsanstalt. Bis 1989 saßen dort etwa 24.000 Frauen ein, rund 8.000 davon aus politischen Gründen. Die Gedenkstätte wurde im Juli 2024 eröffnet.
Magdeburg, Potsdam und Rostock
Die Gedenkstätte Moritzplatz in Magdeburg gehört zur Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt. Das Gefängnis aus den 1870er-Jahren übernahm das MfS im Januar 1958 und nutzte es bis Dezember 1989 als Untersuchungshaftanstalt des Bezirks; mehr als 4.000 Frauen und Männer waren hier inhaftiert, fast alle aus politischen Gründen. Zu sehen sind der weitgehend originale Zellentrakt, ein Vernehmerzimmer, die Freihöfe und der Besucherkeller.
Die Gedenkstätte Lindenstraße in Potsdam zeigt drei Epochen politischer Verfolgung an einem Ort: Unter den Nationalsozialisten saßen hier politische Gegner und rassisch Verfolgte ein, nach 1945 nutzte der sowjetische Geheimdienst das Gebäude als zentrales Gefängnis für Brandenburg, ab 1952 war es Untersuchungshaftanstalt der Stasi. Seit 1995 ist der Ort Gedenkstätte, seit 2016 wird sie von einer eigenen Stiftung betrieben.
In Rostock ist die Dokumentations- und Gedenkstätte in der ehemaligen Untersuchungshaftanstalt der Stasi zu besichtigen. Von 1960 bis 1989 hielt das MfS hier rund 4.900 Menschen fest, meist aus politischen Gründen und oft monatelang unter Isolation und Verhören. Nach einer Sanierung ist die Einrichtung seit Juli 2021 wieder geöffnet; Träger ist inzwischen die Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern. Wer sich über die Haftorte hinaus für die deutsche Teilung interessiert, findet weitere Ziele unter den Grenzmuseen an der innerdeutschen Grenze.
Stasi-Unterlagen-Archiv und Akteneinsicht
Die Akten des MfS verwaltete bis 2021 der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen. Seit dem 17. Juni 2021 ist das Stasi-Unterlagen-Archiv Teil des Bundesarchivs. Die rund 110 Kilometer Unterlagen sind dabei an ihren bisherigen Standorten in Berlin und den ostdeutschen Ländern verblieben.
- Wer darf Einsicht nehmen? Jeder Mensch, über den in den Akten Informationen gespeichert sein könnten. Nahe Angehörige vermisster oder verstorbener Personen können ebenfalls Anträge stellen.
- Wie wird beantragt? Online mit einem Personalausweis mit aktivierter Online-Ausweisfunktion oder schriftlich mit Formular und amtlicher Identitätsbestätigung, etwa durch das Bürgeramt.
- Kosten: Die Akteneinsicht ist für Betroffene kostenfrei; für Kopien kann eine geringe Gebühr anfallen.
- Wartezeit: Nach Angaben des Bundesarchivs (Stand 2026) kann die Bearbeitung bis zu anderthalb Jahre dauern; wegen Bauarbeiten sind Verzögerungen bis Ende 2028 möglich.
Das Bundesarchiv bietet zudem regelmäßig Informationsveranstaltungen zur Frage „Wie kann ich meine Stasi-Akte einsehen?“ sowie öffentliche Archivführungen in Berlin und in seinen Außenstellen an.
Tipps für Schulklassen und Gruppen
Fast alle genannten Gedenkstätten haben pädagogische Angebote. Gruppen sollten sich grundsätzlich frühzeitig anmelden.
- Hohenschönhausen: Projekttage, Workshops, Seminare und Zeitzeugengespräche sowie Fortbildungen für Lehrkräfte.
- Bautzen: ein Projekttag „Stasi-Gefängnis“ für die Klassen 10 bis 12, in dem Kleingruppen mit Originaldokumenten und Häftlingsberichten arbeiten (rund 3,5 Stunden).
- Magdeburg-Moritzplatz: Führungen, Projekttage in der Regel ab Klasse 9 und Gespräche mit Zeitzeugen, oft ehemaligen Häftlingen; Führungen sollten einige Werktage, Projekttage mindestens zwei Wochen im Voraus gebucht werden.
- Potsdam-Lindenstraße: Führungen, Zeitzeugengespräche, Workshops und Projekttage, auf Anfrage auch in Leichter Sprache.
- Rostock: Projektarbeit für Schülerinnen und Schüler sowie Bildungsangebote für angemeldete Gruppen an Werktagen.
Eine gute Vorbereitung im Unterricht – etwa zu Aufbau und Aufgaben des MfS – erleichtert das Verständnis vor Ort. Zeitzeugengespräche hängen von der Verfügbarkeit der Beteiligten ab; erkundigen Sie sich daher bei der Buchung, ob ein Gespräch möglich ist.
Quellen und weiterführende Informationen
Recherchiert und geschrieben von der brald-Redaktion, zuletzt aktualisiert am 23. Oktober 2026. Wie wir arbeiten, steht in unseren Redaktionsleitlinien. Fehler gefunden? Schreiben Sie uns – wir korrigieren transparent.


