„Habibi“ ist Arabisch und bedeutet wörtlich „mein Liebling“ oder „mein Lieber“. In der deutschen Jugendsprache ist es vor allem eine freundschaftliche Anrede – vergleichbar mit „Bruder“, „Kumpel“ oder „mein Lieber“.
Der Duden führt das Wort inzwischen als eigenes Stichwort: Substantiv, maskulin, Gebrauch „besonders Jugendsprache“, Bedeutung „Freund; Kumpel; geliebte Person“. Damit ist „Habibi“ im Standardwörterbuch angekommen – mit deutschem Artikel, Genitiv „des Habibi[s]“ und Plural „die Habibis“.
So ist das Wort gebaut
„Habibi“ setzt sich aus zwei Teilen zusammen: dem arabischen Substantiv ḥabīb („Geliebter, Lieber, Freund“) und der Endung -ī für „mein“.
| Form | Arabisch | Bedeutung | Verwendung |
|---|---|---|---|
| Habibi | حبيبي | mein Liebling (männlich) | Anrede an Männer, oft auch an Kinder beider Geschlechter |
| Habibti | حبيبتي | mein Liebling (weiblich) | Anrede an Frauen und Mädchen |
| Habib | حبيب | Liebling, Freund | ohne „mein“; auch als Vorname |
| Habibis | – | deutscher Plural laut Duden | „Yallah, Habibis!“ – „Los geht's, Leute!“ |
Im Arabischen ist die Grenze zwischen den Geschlechtern locker: Das Wiktionary verweist auf eine Studie zum Dialekt der Dörfer um Ramallah, nach der Eltern die männliche Form auch für Töchter verwenden, vor allem bei kleinen Kindern. Im Deutschen hat sich „Habibi“ als Standard eingebürgert; „Habibti“ nutzen vor allem Sprecherinnen und Sprecher mit Arabischkenntnissen.
Aussprache
Betont wird die mittlere Silbe: ha-BI-bi (Lautschrift nach Wiktionary: [haˈbiːbiː]). Im Arabischen ist das „H“ ein kräftiger, gehauchter Kehllaut, den deutsche Sprecher meist als normales „h“ aussprechen.
Seit wann sagt man in Deutschland „Habibi“?
Das Wort ist älter als der Jugendslang. Das Wiktionary belegt es bereits 1863 in der „Zeitschrift für Allgemeine Erdkunde“: Der Diplomat Georg Rosen gibt in einem Bericht über die Patriarchengruft in Hebron wieder, wie ihn ein Gesprächspartner mit „Habibi (Freund)“ anredet. Bis ins 20. Jahrhundert blieb es ein Exotismus in Reiseberichten.
Zum Alltagswort wurde es mit der Einwanderung aus arabischsprachigen Ländern und über die gemischte Jugendsprache in Großstädten. Die Forschung zu Kiezdeutsch – den Begriff griff die Linguistin Heike Wiese 2006 in einem Aufsatz auf, 2012 folgte ihr Buch „Kiezdeutsch. Ein neuer Dialekt entsteht“ – beschreibt, wie Wörter wie „wallah“ oder „lan“ aus dem Arabischen und Türkischen übernommen und nach deutschen Grammatikregeln verwendet werden. „Habibi“ folgt genau diesem Muster: deutscher Artikel, deutscher Plural, deutsche Satzstellung.
Habibi in Musik und Popkultur
Ein klassisches Beispiel aus der arabischen Musik ist Fairuz' Lied „Ana la Habibi“ („Ich gehöre meinem Liebsten“) von 1970. In Europa sorgte das Wort in den vergangenen Jahren mehrfach für Hits:
- Shaggy feat. Mohombi, Faydee & Costi – „Habibi (I Need Your Love)“ (2014): international in Clubs gespielt, in Österreich auf Platz 75 der Charts.
- Nura – „Habibi“ (Album, 2019): Das erste Soloalbum der deutschen Rapperin erschien am 29. März 2019. Darauf ist auch die Single „Chaya“ mit Trettmann.
- Ricky Rich, Dardan & Zuna – „Habibi“ (German Remix, 2021): Die deutsche Version des schwedischen Songs von Ricky Rich und ARAM Mafia erreichte im März 2021 Platz 29 der offiziellen deutschen Singlecharts.
Wie „Habibi“ heute benutzt wird
| Beispiel | Bedeutung | Wirkung |
|---|---|---|
| „Was geht, Habibi?“ | Begrüßung unter Freunden | herzlich, locker |
| „Habibi, gib mal das Ladekabel.“ | Anrede wie „Bruder“ oder „Alter“ | beiläufig, freundschaftlich |
| „Yallah, Habibis, wir sind spät dran!“ | Aufruf an eine Gruppe | vertraut, antreibend |
| „Das ist mein Habibi.“ | „Das ist mein bester Freund“ oder „mein Freund“ (Partner) | je nach Kontext freundschaftlich oder romantisch |
| „Ruhig, Habibi, ruhig.“ | Beschwichtigung im Streit | kann deeskalieren, aber auch herablassend klingen |
| „Habibti, du hast mir gefehlt.“ | Anrede an eine Freundin oder Partnerin | zärtlich |
Wie bei „mein Lieber“ im Deutschen entscheidet der Ton: Mit hochgezogener Augenbraue kann „Habibi“ auch spöttisch gemeint sein. Eine Beleidigung ist das Wort aber nie von sich aus.
Abgrenzung: Habibi, Bruder, Yalla
- „Bruder“/„Bro“/„Digga“ betonen Kumpelhaftigkeit. „Habibi“ ist wärmer und kann auch Liebe ausdrücken.
- „Yalla“ („Los!“) stammt ebenfalls aus dem Arabischen und kam bei der Wahl zum Jugendwort des Jahres 2012 auf Platz 3. „Habibi“ und „Yalla“ treten oft gemeinsam auf.
- „Inshallah“ gehört zur selben Gruppe arabischer Alltagswörter, hat aber eine religiöse Grundbedeutung („so Gott will“).
- „Kahba“ oder „Ayri“ sind ebenfalls arabisch, aber Beleidigungen. Wer „Habibi“ kennt, sollte nicht annehmen, dass alle arabischen Slangwörter harmlos sind – siehe „Kahba“.
Hinweise für Eltern und Lehrkräfte
„Habibi“ ist kein Warnsignal. Wenn Jugendliche sich so anreden, drückt das meist Nähe aus – unabhängig davon, ob sie Arabisch sprechen. Im Unterricht eignet sich das Wort gut, um über Lehnwörter zu sprechen: Seine Geschichte reicht vom Reisebericht des 19. Jahrhunderts über die Kiezsprache bis zum Duden-Eintrag.
FAQ
Was heißt „Habibi“ auf Deutsch?
Wörtlich „mein Liebling“ oder „mein Lieber“. Im deutschen Jugendslang meist „Kumpel“ oder „Freund“.
Was ist der Unterschied zwischen Habibi und Habibti?
„Habibi“ ist die männliche, „Habibti“ die weibliche Form. Im Deutschen wird „Habibi“ oft für alle verwendet.
Darf man „Habibi“ sagen, ohne Arabisch zu sprechen?
Ja. Der Duden führt das Wort als Teil des deutschen Wortschatzes. Freundlich gemeint, wird es in der Regel auch so verstanden.
Kann „Habibi“ romantisch gemeint sein?
Ja. Unter Paaren ist es ein Kosewort wie „Schatz“. Unter Freunden überwiegt die kumpelhafte Bedeutung.



