„Bomboclat“ ist ein derber Fluch aus dem jamaikanischen Patois. Er drückt Wut, Schock, Frust oder Ekel aus und wirkt ungefähr so stark wie die schärfsten englischen Kraftausdrücke; gegen eine Person gerichtet ist er eine grobe Beleidigung.
Außerhalb Jamaikas ist das Wort vor allem als Meme bekannt: Seit September 2019 steht es auf Twitter, später auch auf TikTok, als einzelnes Wort unter absurden Bildern. Laut dem Linguistik-Blog Strong Language kannten viele, die das Meme teilten, die eigentliche Bedeutung nicht.
Was das Wort wörtlich bedeutet
Das Wort setzt sich aus zwei Teilen zusammen:
| Bestandteil | Bedeutung | Herkunft |
|---|---|---|
| bumbo / bombo | derbes Patois-Wort für Gesäß bzw. weiblichen Intimbereich | laut Dictionary.com vermutlich aus westafrikanischen Sprachen, etwa Fante bumbo |
| claat / clot | Tuch, Lappen | Patois-Form von englisch cloth |
Zusammen bezeichnet der Ausdruck ein Tuch für den Intimbereich: eine Menstruationsbinde oder Toilettenpapier. Merriam-Webster zufolge ist er seit den 1950er-Jahren belegt, Dictionary.com nennt 1956. Der in Jamaika geborene CBC-Moderator Dwight Drummond übersetzte ihn anlässlich des Falls Rob Ford (siehe Zeitleiste) als „Hinterntuch“ und nannte das „eine geschönte Art, es zu sagen“.
Die Schärfe des Wortes erklärt sich aus einem Tabu: Dictionary.com führt den Gebrauch als Beleidigung unter Rastafari auf alttestamentliche Vorstellungen zurück, nach denen Menstruation als unrein gilt. Nach demselben Muster sind verwandte Flüche gebaut, etwa bloodclaat und rassclaat. Letzteres enthält rass, die Patois-Form von englisch arse.
Schreibweisen und Aussprache
Weil Patois vor allem gesprochen wird, gibt es keine feste Schreibung: bomboclat, bomboclaat, bumbaclot, bumboclaat, bumbaclaat. Merriam-Webster gibt die Aussprache als „bom-bo-clat“ an, betont auf der ersten Silbe.
Grammatisch ist das Wort im Patois ein Allzweck-Fluch: Laut dem Linguistik-Blog Strong Language dient es als Substantiv, als Beiwort, als Verb oder als Ausruf. Im Deutschen wird es fast nur als Interjektion gebraucht, also als alleinstehender Ausruf.
Zeitleiste: von Jamaika ins Netz
| Zeit | Station |
|---|---|
| 1956 | Erster Beleg (Dictionary.com) |
| Mitte der 1970er | Jamaikaner in New York nutzen den Ausdruck im Sinne von „Bullshit“ |
| Juni 1981 | Peter Tosh veröffentlicht das Album Wanted Dread & Alive mit dem Song „Oh Bumbo Klaat“, der das Wort bekannter macht |
| 2014 | Ein Video zeigt Torontos Bürgermeister Rob Ford, wie er in einem Schnellrestaurant auf Patois flucht; kanadische Medien erklären das Wort |
| 3. September 2019 | Der Twitter-Nutzer @rudebwoy_lamz postet Bilder aus der Zeichentrickserie CatDog mit dem einzelnen Wort als Bildunterschrift; binnen zwei Monaten über 13.000 Likes (Know Your Meme) |
| Herbst 2019 | Das Wort wird zum Caption-Meme, vergleichbar mit einer „Beschrifte das“-Vorlage |
| danach | Laut Merriam-Webster fließt es in den „Brainrot“-Wortschatz der Generation Alpha ein |
Merriam-Webster, Dictionary.com, Know Your Meme und Strong Language datieren den Durchbruch als Meme übereinstimmend auf den Herbst 2019.
Wie das Wort heute verwendet wird
| Beispiel | Bedeutung | Ton |
|---|---|---|
| Ein Wort unter einem absurden Katzenfoto | „Was ist das denn?!“ | Meme, verwundert |
| Ausruf nach einem verlorenen Fußballspiel im Chat | „Verdammt!“ | frustriert, derb |
| Reaktion auf einen unerwarteten Plot-Twist | Schock, Fassungslosigkeit | übertrieben, humorvoll |
| Gegen eine Person gerichtet | Beleidigung | aggressiv, verletzend |
Merriam-Webster hält fest, dass das Wort im Netz auch für „seltsam“ oder sogar „großartig, attraktiv“ stehen kann. Auch beim Chat-Kürzel „fml“ steckt ein Kraftausdruck hinter einer harmlos wirkenden Form.
Warum die Meme-Nutzung kritisiert wird
Schon 2019 widersprachen jamaikanische Nutzer dem Trend: Das Wort sei ein Fluch, mit dem man Schock, Wut, Aufregung oder Verwirrung ausdrücke, und keine Aufforderung, ein Bild zu beschriften (Know Your Meme). Dwight Drummond berichtete, ältere Jamaikaner wie seine Mutter empfänden den Ausdruck als anstößig; jüngere und Menschen, die Patois zur Unterhaltung nachahmen, gingen lockerer damit um. Merriam-Webster warnt, der Gebrauch ohne Bewusstsein für die Herkunft könne als kulturell unsensibel oder vereinnahmend gelten.
Hinweis für Eltern und Lehrkräfte
Wer das Wort nur als Meme kennt, weiß oft nicht, was es heißt. Es hilft, die wörtliche Bedeutung ruhig zu erklären, statt das Wort nur zu verbieten. In Schule, Ausbildung und Beruf ist das Wort unangemessen. Wird es gezielt gegen eine Person eingesetzt, kann es wie jedes grobe Schimpfwort den Tatbestand der Beleidigung nach § 185 StGB erfüllen; entscheidend ist der Einzelfall. Ein weiteres Schimpfwort, das aus einer anderen Sprache in die deutsche Jugendsprache gelangt ist, erklärt der Beitrag zu „Kahba“. Harmlose Jugendwörter gibt es genug, etwa „sus“ für Verdächtiges oder „cringe“ für Peinliches.
FAQ
Ist „bomboclat“ ein Schimpfwort?
Ja. In Jamaika gilt es als einer der stärksten Flüche. Die Meme-Nutzung ändert nichts an der wörtlichen Bedeutung.
Was heißt das Wort wörtlich?
Sinngemäß „Tuch für den Intimbereich“, also Menstruationsbinde oder Toilettenpapier.
Seit wann ist es ein Meme?
Seit September 2019. Auslöser war ein Twitter-Post mit Bildern aus der Serie CatDog und dem Wort als einziger Bildunterschrift.
Ist das Wort rassistisch?
Nein, es ist ein jamaikanischer Fluch. Kritik gibt es aber, wenn Außenstehende es als exotischen Gag nutzen, ohne seine Bedeutung für Jamaikaner zu kennen.
Kurz gesagt
„Bomboclat“ heißt wörtlich etwa „Tuch für den Intimbereich“ und gilt in Jamaika als einer der schärfsten Flüche. Als Meme verbreitete es sich ab September 2019 über Twitter, oft ohne dass die Nutzer die Bedeutung kannten. Wer es gegen andere richtet, beleidigt sie.



