Migration und Integration in Deutschland: Geschichte, Gesetze und Zahlen

Von den „Gastarbeitern“ bis zur Einbürgerungsreform 2024: Geschichte der Migration in Deutschland, wichtige Gesetze und aktuelle Zahlen von Destatis.

Titelgrafik zum Thema Migration und Integration in Deutschland
Grafik: brald.com

Deutschland ist seit Jahrzehnten ein Einwanderungsland – auch wenn es sich lange nicht so verstanden hat. Von der Anwerbung sogenannter „Gastarbeiter“ in den 1950er-Jahren über die Vertragsarbeiter der DDR, die Zuwanderung von (Spät-)Aussiedlern und Geflüchteten bis zum heutigen Fachkräfteeinwanderungsgesetz hat Migration die Gesellschaft geprägt. Dieser Überblick fasst die wichtigsten Etappen, die rechtlichen Weichenstellungen und den aktuellen Stand nach amtlichen Zahlen zusammen.

Einwanderungsland in Zahlen: der Stand 2025

Nach den Erstergebnissen des Mikrozensus 2025 des Statistischen Bundesamts lebten 2025 rund 21,8 Millionen Menschen mit Einwanderungsgeschichte in Deutschland. Das entspricht 26,3 Prozent der Bevölkerung in Privathaushalten (2024: 25,8 Prozent). Als Menschen mit Einwanderungsgeschichte zählt Destatis Personen, die selbst seit 1950 eingewandert sind, sowie ihre Nachkommen, deren beide Elternteile eingewandert sind.

KennzahlWertStand
Bevölkerung mit Einwanderungsgeschichte21,8 Mio. (26,3 %)2025
davon selbst Eingewanderte16,4 Mio. (19,8 %)2025
davon Nachkommen von Eingewanderten5,4 Mio. (6,5 %)2025
Ausländische Bevölkerung (Ausländerstatistik)rund 14,07 Mio.31.12.2025
Schutzsuchenderund 3,2 Mio.31.12.2025
Einbürgerungen (vorläufig)332.5002025

Die häufigsten Geburtsländer der Eingewanderten sind Polen und die Türkei (je 1,5 Millionen), die Ukraine (1,3 Millionen) sowie Russland und Syrien (je 1,0 Millionen). Zusammen stehen diese fünf Staaten für 39 Prozent aller Eingewanderten. Weitere Kennzahlen zu Ausländern, Schutzsuchenden und Einbürgerungen bündelt Destatis auf der Themenseite Migration und Integration.

Arbeitsmigration in Ost und West

„Gastarbeiter“ in der Bundesrepublik

Am 20. Dezember 1955 unterzeichnete die Bundesrepublik in Rom das Anwerbeabkommen mit Italien. Es folgten Vereinbarungen mit Spanien und Griechenland (1960), der Türkei (1961), Marokko (1963), Portugal (1964), Tunesien (1965) und Jugoslawien (1968). Bis zum Anwerbestopp 1973 kamen nach Angaben der Bundeszentrale für politische Bildung rund 14 Millionen Menschen zum Arbeiten in die Bundesrepublik; gut elf Millionen kehrten wieder zurück. Viele andere blieben, holten ihre Familien nach und wurden dauerhaft Teil der Gesellschaft – ein Prozess, auf den die Politik lange kaum eingestellt war.

Vertragsarbeiter in der DDR

Auch die DDR setzte auf ausländische Arbeitskräfte, vor allem aus Vietnam, Mosambik, Kuba, Angola, China und Algerien. Kurz vor dem Ende der DDR arbeiteten dort über 90.000 Vertragsarbeiter, rund 60.000 von ihnen aus Vietnam. Nach 1990 wurden die Verträge aufgelöst, viele verließen das Land unter Druck. Etwa 21.000 Vietnamesinnen und Vietnamesen blieben zunächst mit befristeten Aufenthaltstiteln; den westdeutschen „Gastarbeitern“ rechtlich gleichgestellt wurden die ehemaligen Vertragsarbeiter erst 1997.

Aussiedler, Asyl und Flucht seit den 1990er-Jahren

Eine große Gruppe bilden die (Spät-)Aussiedler: Seit 1950 wurden mehr als 4,5 Millionen Menschen deutscher Herkunft aus Polen, Rumänien, der früheren Sowjetunion und anderen Staaten Ost- und Südosteuropas aufgenommen, rund drei Millionen davon seit 1987. Mit dem Kriegsfolgenbereinigungsgesetz von 1993 wurde der Begriff „Spätaussiedler“ eingeführt und die Aufnahme kontingentiert.

Parallel stieg die Asylzuwanderung: 1992 stellten 438.191 Menschen einen Asylantrag, vor allem vor dem Hintergrund der Kriege im früheren Jugoslawien. Der sogenannte Asylkompromiss von CDU/CSU, FDP und SPD schränkte das Grundrecht auf Asyl 1993 ein. Den bisherigen Höchststand erreichte die Fluchtzuwanderung 2015/16: 2015 wurden im Erfassungssystem EASY über eine Million Zugänge registriert, nach Bereinigung um Doppelzählungen schätzte das Bundesinnenministerium rund 890.000 Schutzsuchende. 2016 gingen beim BAMF 745.545 Asylanträge ein. Seitdem ist die Zahl deutlich gesunken – laut bpb-Zusammenstellung der BAMF-Daten auf 168.543 Anträge im Jahr 2025. Hinzu kamen ab 2022 Geflüchtete aus der Ukraine, die ohne Asylverfahren vorübergehenden Schutz erhalten.

Vom Zuwanderungsgesetz zum Fachkräfteeinwanderungsgesetz

Mit dem Zuwanderungsgesetz, das 2005 in Kraft trat, erhielt Deutschland erstmals einen umfassenden Rechtsrahmen für Zuwanderung und Integration. Kern der Integrationsförderung sind seither die Integrationskurse: ein Sprachkurs mit in der Regel 600 Unterrichtseinheiten bis zum Niveau B1 und ein Orientierungskurs mit 100 Einheiten zu Rechtsordnung, Geschichte und Kultur. Aktuell wird der Zugang enger gefasst: Laut einem im Bundestag zitierten BAMF-Schreiben werden im Haushaltsjahr 2026 bis auf Weiteres keine Zulassungen nach § 44 Abs. 4 Aufenthaltsgesetz erteilt – also für Menschen ohne gesetzlichen Anspruch, die bisher bei freien Plätzen teilnehmen konnten.

Für die Arbeitsmigration ist das Fachkräfteeinwanderungsgesetz maßgeblich. Die erste Fassung gilt seit dem 1. März 2020, eine umfassende Weiterentwicklung trat zwischen November 2023 und Juni 2024 in drei Stufen in Kraft. Sie senkte unter anderem die Gehaltsschwellen für die Blaue Karte EU, öffnete einen Weg für Berufserfahrene mit im Herkunftsland anerkanntem Abschluss und führte die Chancenkarte ein – ein Punktesystem für die Arbeitsplatzsuche. Wie Unternehmen Geflüchtete beschäftigen und ausbilden, beschreibt der Beitrag über das Netzwerk „Unternehmen integrieren Flüchtlinge“.

Am Arbeitsmarkt ist Einwanderung längst unverzichtbar: 2025 hatten laut Destatis 27 Prozent aller Beschäftigten eine Einwanderungsgeschichte, in Engpassberufen wie Köchin und Koch (56 Prozent) oder in der Lebensmittelherstellung (55 Prozent) sogar mehr als die Hälfte.

Reform des Staatsangehörigkeitsrechts 2024

Seit dem 27. Juni 2024 gilt ein modernisiertes Staatsangehörigkeitsrecht. Die Mindestaufenthaltsdauer für die Einbürgerung sank von acht auf fünf Jahre, Mehrstaatigkeit ist grundsätzlich erlaubt, und in Deutschland geborene Kinder ausländischer Eltern werden schon dann Deutsche, wenn ein Elternteil seit fünf Jahren rechtmäßig hier lebt und ein unbefristetes Aufenthaltsrecht hat. Ehemalige „Gastarbeiter“ müssen keinen Einbürgerungstest mehr ablegen. Die zusätzlich eingeführte Einbürgerung schon nach drei Jahren bei besonderen Integrationsleistungen wurde im Oktober 2025 wieder abgeschafft.

Die Zahl der Einbürgerungen stieg 2025 nach vorläufigen Angaben um 14 Prozent auf 332.500 – zum fünften Mal in Folge. Größte Gruppe waren Syrerinnen und Syrer (65.600), gefolgt von türkischen (34.100) und russischen Staatsangehörigen (19.700). Bei den beiden letztgenannten Gruppen sieht Destatis die erlaubte Mehrstaatigkeit als wahrscheinlichen Grund für den kräftigen Anstieg.

Frauen in der Migration

Migration ist keineswegs überwiegend männlich: Von den 21,2 Millionen Menschen mit Einwanderungsgeschichte im Jahr 2024 waren nach einer Auswertung der bpb auf Basis des Mikrozensus 49,5 Prozent Frauen. Deutliche Unterschiede zeigen sich jedoch bei der Erwerbsbeteiligung, vor allem in den ersten Jahren nach der Ankunft. Destatis-Zahlen für 2025 (25- bis 59-Jährige) belegen das:

  • Eingewanderte aus der EU, die weniger als fünf Jahre in Deutschland leben: 89 Prozent der Männer und 73 Prozent der Frauen erwerbstätig.
  • Eingewanderte aus dem Nahen und Mittleren Osten mit weniger als fünf Jahren Aufenthalt: 57 Prozent der Männer, aber nur 28 Prozent der Frauen.
  • Nach 20 bis 25 Jahren steigt die Quote der Frauen aus dieser Region auf 79 Prozent (Männer: 87 Prozent).
  • Zum Vergleich: In der Gesamtbevölkerung dieser Altersgruppe sind 88 Prozent der Männer und 81 Prozent der Frauen erwerbstätig.

Besonders groß ist die Lücke bei Geflüchteten. Laut einem Kurzbericht des IAB von 2025 waren von den 2015 eingereisten Geflüchteten im Jahr 2024 insgesamt 64 Prozent erwerbstätig – Männer zu 76 Prozent, Frauen nur zu 35 Prozent. Als Gründe nennt das Institut unter anderem Kinderbetreuung, niedrigere formale Qualifikationen, die Konzentration auf reglementierte Berufe und gesundheitliche Faktoren. Bei den Bildungsabschlüssen zeigt der Mikrozensus 2025 ein zweigeteiltes Bild: Unter den 25- bis 34-jährigen Eingewanderten haben 33 Prozent einen akademischen Abschluss (alle in dieser Altersgruppe: 34 Prozent), zugleich sind 36 Prozent ohne Berufsabschluss und nicht in Ausbildung (alle: 17 Prozent). Nach Geschlecht weist die Pressemitteilung diese Werte nicht aus.

Integration vor Ort und lange Asylverfahren

Ob Integration gelingt, entscheidet sich vor allem in den Kommunen – dort, wo Menschen wohnen, arbeiten, Kitas und Schulen besuchen. Die bpb beschreibt Integration als Gemeinschaftsaufgabe von Bund, Ländern, Kommunen und Zivilgesellschaft; viele Städte und Kreise haben eigene Integrationskonzepte entwickelt und nach 2015/16 um die Aufnahme Geflüchteter erweitert. Als Hindernis gelten über lange Zeit unklare und widersprüchliche Vorgaben von Bund und Ländern.

Eine Belastung für Betroffene und Kommunen sind lange Verfahren. Nach einer Antwort der Bundesregierung vom Februar 2026 dauerte ein Asylverfahren beim BAMF 2025 im Schnitt 12,2 Monate bis zur behördlichen Entscheidung, bei Erstanträgen 13,8 Monate. Bis zu einer unanfechtbaren Entscheidung – also einschließlich Gerichtsverfahren – vergingen im ersten Halbjahr 2025 durchschnittlich 18,4 Monate. In dieser Zeit bleibt die Bleibeperspektive offen, was Spracherwerb und Arbeitsaufnahme erschwert.

Mit solchen Fragen befasste sich auch der „Tutzinger Diskurs“ der Akademie für Politische Bildung Tutzing: Aus dem Projekt „Wege der Integration“ (2017/2018) ging der Sammelband „Integration. Teilhabe und Zusammenleben in der Migrationsgesellschaft“ hervor, herausgegeben von Michael Spieker und Christian Hofmann (Nomos, 2020).

Quellen und weiterführende Informationen

Über diesen Beitrag
Recherchiert und geschrieben von der brald-Redaktion, zuletzt aktualisiert am 23. Oktober 2026. Wie wir arbeiten, steht in unseren Redaktionsleitlinien. Fehler gefunden? Schreiben Sie uns – wir korrigieren transparent.

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