Die Innsbrucker Beiträge zur Sprach- und Kulturwissenschaft gehören zu den bedeutendsten akademischen Publikationsreihen im deutschsprachigen Raum. Sie wurden 1970 von Wolfgang Meid begründet und haben sich seitdem als wichtige Plattform für wissenschaftliche Forschung etabliert. Die Schriftenreihen sind eng mit der Universität Innsbruck verbunden und spiegeln die lange Tradition der Sprachwissenschaft an dieser Institution wider.
Die zwei Säulen wissenschaftlicher Publikation
Innsbrucker Beiträge zur Sprachwissenschaft (IBS)
Die Innsbrucker Beiträge zur Sprachwissenschaft wurden 1970 von Wolfgang Meid begründet und werden seitdem von ihm herausgegeben. Die Reihe besteht aus einer Hauptreihe und einer Unterreihe „Vorträge und Kleinere Schriften“ (bis Heft 21 „Vorträge“), die jetzt jedoch nicht mehr weitergeführt wird.
Der thematische Schwerpunkt liegt klar definiert: Die IBS publizieren vornehmlich Arbeiten zur Indogermanistik, zur historisch-vergleichenden Sprachwissenschaft und zur Philologie indogermanischer Sprachen. Mit über 160 Bänden in der Hauptreihe hat sich die IBS als unverzichtbare Quelle für Forscher in diesen Bereichen etabliert.
Innsbrucker Beiträge zur Kulturwissenschaft (IBK)
Die IBK haben eine noch längere Geschichte. Die Innsbrucker Beiträge zur Kulturwissenschaft wurden 1953 von Johann Knobloch begründet, später viele Jahre von Hermann Ölberg und nach dessen Emeritierung 1987 bis heute von Wolfgang Meid herausgegeben. Diese Reihe umfasst thematisch alle Bereiche der Geisteswissenschaften.
Als Unterreihe sind die Slavica Aenipontana, herausgegeben von Andrea Zink und Ingeborg Ohnheiser (letzte Publikation 2015; seither weitergeführt vom Universitätsverlag iup) angeschlossen.
Wolfgang Meid: Motor der wissenschaftlichen Publikation
Wolfgang Meid prägt beide Schriftenreihen seit Jahrzehnten. Ab 1965 hatte Wolfgang Meid die ordentliche Professur für Sprachwissenschaft inne. Wolfgang Meid gilt als einer der international führenden Indogermanisten und Keltologen und gründete renommierte wissenschaftliche Reihen, die zum internationalen Ansehen des Instituts für Sprachwissenschaft entscheidend beigetragen haben.
Seine Arbeit wurde international anerkannt: 2004 wurde ihm der „Doctor of Celtic studies honoris causa“ (D. Litt. Celt. h. c.) der National University of Ireland verliehen. Wolfgang Meid ist Herausgeber zweier international renommierter Schriftreihen: der „Innsbrucker Beiträge zur Sprachwissenschaft“ (IBS) sowie der „Innsbrucker Beiträge zur Kulturwissenschaft“ (IBK), die beide jeweils mehr als 100 publizierte Bände umfassen.
Das Spektrum der veröffentlichten Werke
Aktuelle Publikationen der IBS
Die IBS zeigt eine beeindruckende thematische Breite innerhalb der indogermanischen Sprachwissenschaft. Einige der neueren Bände verdeutlichen dies:
- Band 162 (2019): Bernhard Löschhorn untersuchte „Probleme des Altattischen. Untersuchungen zur altattischen Schriftgeschichte, zur Laut- und Formenlehre unter besonderer Berücksichtigung der poetischen ā“
- Band 160 (2018): Alain Blanc behandelte „Les adjectifs sigmatiques du grec ancien. Un cas de métamorphisme dérivationnel“
- Band 154 (2016): „Miscellanea Indogermanica. Festschrift für José Luis García Ramón zum 65. Geburtstag“, herausgegeben von Hajnal, Kölligan und Zipser
Die Neue Folge der IBK
Die IBK setzt seit 2010 ihre Tradition in einer Neuen Folge fort. Wolfgang Meids eigene Arbeiten zu altirischen Sagen dominieren die jüngsten Bände:
- Band 23 (2021): „Der Sturm auf Da Dergas Herberge. Togail Bruidne Da Derga. Altirische Sage in gekürzter Bearbeitung, mit Einleitung, altirisch restituiertem Text, Übersetzung, Kommentar und Glossar herausgegeben von Wolfgang Meid“
- Band 19 (2019): „Die Geschichte vom Schwein des Mac Dathó. Scéla Mucce Maic Dathó. Eine altirische Sage. Restaurierter Text in zwei Versionen, mit Einleitung, Übersetzung, Kommentar und Glossar herausgegeben von Wolfgang Meid“
- Band 17 (2018): „Latin Curse Tablets of the Roman Empire“ von Daniela Urbanová
Die historische Dimension: Johann Knobloch und die dunkle Vergangenheit
Die Geschichte der IBK ist nicht ohne Schattenseiten. Johann Knobloch hatte im Frühjahr 1943 zehn Tage im burgenländischen „Zigeuner-Anhalte- und Zwangsarbeitslager“ Lackenbach zu Studienzwecken verbracht, „einen Überblick über die Zigeunerdialekte Burgenlands“ zu geben. Diese sprachwissenschaftlichen Forschungen waren im Auftrag der SS-Forschungsinstitution „Ahnenerbe“ durchgeführt worden.
Inwieweit Johann Knobloch von dem Hintergrund des Forschungsauftrages und von den konzentrationsähnlichen Zuständen im Lager Lackenbach informiert war, ist nicht bekannt. In einem Interview im Jahre 1990 mit der Literaturwissenschaftlerin Beate Eder stritt er ab, etwas davon gewusst zu haben.
Trotz dieser belasteten Vergangenheit setzte Knobloch seine akademische Karriere fort. Johann Knobloch wurde 1957 Nachfolger Ammans und war ein vorzüglicher Kenner der kaukasischen Sprachen und der Sprachen der Roma.
Das Institut für Sprachwissenschaft als Heimat der Reihen
Das Institut für Sprachwissenschaft der Universität Innsbruck bildet das institutionelle Rückgrat beider Publikationsreihen. Die Redaktion der beiden Reihen befindet sich am Institut für Sprachwissenschaft der Universität Innsbruck.
Die Geschichte des Instituts reicht weit zurück. Friedrich Stolz übernahm im Jahr 1887 nach dem Tod von Bernhard Jülg dessen Lehrstuhl und brachte eine bemerkenswerte Veränderung mit sich: Der Lehrstuhl wurde in Vergleichende Sprachwissenschaft umbenannt. Dies markierte eine wichtige Verschiebung in der akademischen Landschaft, da die Sprachwissenschaft nunmehr unabhängig von der Klassischen Philologie existierte.
Weitere bedeutende Persönlichkeiten prägten das Institut:
- Alois Walde trat 1912 die Fußstapfen von Friedrich Stolz. Seine Amtszeit erstreckte sich bis 1922, als er einem Ruf nach Königsberg folgte. Walde, dessen „Lateinisches etymologisches Wörterbuch“ und vor allem sein „Vergleichendes Wörterbuch der indogermanischen Sprachen“ (mit J. Pokorny) zu den Standardwerken der Indogermanistik zählen
- 1928 wurde Hermann Ammann aus Freiburg nach Innsbruck berufen. Mit seiner Berufung wurde durch das Seminar für Vergleichende Sprachwissenschaft auch die institutionelle Selbstständigkeit des Faches begründet
Internationale Bedeutung und wissenschaftlicher Einfluss
Im Laufe der Jahre hat das IBS zahlreiche einflussreiche Arbeiten veröffentlicht, die einen wichtigen Beitrag zur Sprachwissenschaft geleistet haben. Dazu gehören bahnbrechende Forschungen zu indogermanischen Sprachen, Fortschritte in der phonetischen Analyse sowie Studien zu Spracherwerb und Sprachentwicklung.
Die internationale Anerkennung zeigt sich auch darin, dass IBS und IBK sich einen festen Platz in der akademischen Welt erarbeitet haben und regelmäßig in wissenschaftlichen Arbeiten und Konferenzen zitiert werden. Ihre Beiträge werden von Fachkollegen hoch geschätzt und haben zur Weiterentwicklung der jeweiligen Forschungsgebiete beigetragen.
Bedeutung für Lehre und Forschung
Die Publikationen der IBS und der IBK sind auch eine wertvolle Ressource für die sprach- und kulturwissenschaftliche Lehre und Ausbildung. Sie werden häufig in akademischen Kursen verwendet und bieten den Studierenden Zugang zu den neuesten Forschungsergebnissen und theoretischen Entwicklungen.
Das Institut selbst hat sich modern aufgestellt. Das Institut gliederte sich fortan in drei Abteilungen: Indogermanistik, Allgemeine Sprachwissenschaft und Angewandte Sprachwissenschaft. Diese Struktur spiegelt sich auch in den Publikationen wider.
Aktuelle Entwicklungen und Perspektiven
Die Reihen befinden sich in einer Phase des Übergangs. Die Innsbrucker Beiträge zur Sprachwissenschaft wurden 1970 von Wolfgang Meid begründet und werden seitdem von ihm herausgegeben, zuletzt in Zusammenarbeit mit Ivo Hajnal, welcher in Zukunft als Herausgeber fungieren wird.
Heute leitet Univ. Prof. Mag. Dr. Ivo Hajnal das Institut für Sprachwissenschaft. Unter seiner Führung setzt das Institut seine Tradition fort und entwickelt gleichzeitig neue Schwerpunkte.
Die Onomastik als neuer Schwerpunkt
Ein interessanter neuerer Forschungsschwerpunkt hat sich etabliert: Peter Anreiter, der am Institut den heutigen Schwerpunkt Namenforschung begründet hat, mit einer Arbeit über „Das Nachleben keltischer Appellativa in den romanischen Sprachen“. Seit 2006 ist Peter Anreiter außerdem Leiter der Tiroler Nomenklaturkommission und gibt verschiedene Reihen heraus, wie z.B. die Innsbrucker Beiträge zur Onomastik und die Studia Interdisziplinaria Ænipontana.
Kritische Reflexion und wissenschaftlicher Diskurs
Wie bei vielen akademischen Publikationen gibt es auch hier kritische Stimmen, die bestimmte methodische Ansätze oder theoretische Positionen in den Publikationen in Frage stellen. Solche Diskussionen sind jedoch Teil des normalen wissenschaftlichen Diskurses und tragen zur Weiterentwicklung der Forschung bei.
Die Bedeutung für die Kulturwissenschaft
Die Innsbrucker Beiträge zur Kulturwissenschaft wurden gegründet, um eine akademische Plattform für kulturwissenschaftliche Forschung zu bieten. Diese Reihe hat wesentlich dazu beigetragen, interdisziplinäre Forschung zu fördern und ein tieferes Verständnis kultureller Phänomene zu vermitteln.
Die thematische Vielfalt der IBK zeigt sich in den unterschiedlichsten Publikationen – von altirischen Sagen über lateinische Fluchtafeln bis hin zu modernen sprachwissenschaftlichen Analysen. Diese Breite macht die Reihe zu einem unverzichtbaren Forum für geisteswissenschaftliche Forschung.
Fazit: Ein wissenschaftliches Erbe von Weltrang
Die Innsbrucker Beiträge zur Sprach- und Kulturwissenschaft haben sich über mehr als ein halbes Jahrhundert als zentrale Publikationsorgane der deutschsprachigen Geisteswissenschaften etabliert. Mit ihrer langen Tradition, ihrer thematischen Breite und ihrer internationalen Ausstrahlung bleiben sie ein unverzichtbares Element der akademischen Landschaft.
Trotz der dunklen Kapitel in ihrer Geschichte – besonders die Verstrickungen Johann Knoblochs während der NS-Zeit – haben die Reihen ihren Weg gefunden und sich als Plattform für exzellente Forschung etabliert. Unter der langjährigen Leitung von Wolfgang Meid und nun mit dem Übergang zu einer neuen Generation von Herausgebern stehen die Innsbrucker Beiträge vor neuen Aufgaben, aber mit einer soliden Grundlage für die Zukunft.
Die über 160 Bände der IBS und die zahlreichen Publikationen der IBK bilden zusammen einen wissenschaftlichen Schatz, der Forschern weltweit zur Verfügung steht. Sie dokumentieren nicht nur die Entwicklung der Sprachwissenschaft und Kulturwissenschaft über Jahrzehnte, sondern setzen auch Maßstäbe für zukünftige Publikationen in diesen Bereichen.
Quellen:






