Unregelmäßige Verben sind ein wichtiger Bestandteil der deutschen Grammatik. Sie ändern ihren Stammvokal in verschiedenen Zeitformen und müssen auswendig gelernt werden. Bei der Bildung des Präteritums und des Partizip 2 eines unregelmäßigen Verbs ändert sich der Vokal im Verbstamm. Es gibt nur ca. 200 unregelmäßige Verben im Deutschen, aber viele davon gehören zum Grundwortschatz und werden täglich benutzt. Diese Verben werden auch starke Verben genannt, weil sie ihre Form „stark“ verändern.
Was macht Verben eigentlich unregelmäßig?
Die unregelmäßigen Verben, auch „starke Verben“ genannt, stellen zahlenmäßig nur eine kleine Gruppe dar. Von den etwa 200 starken Verben gehören aber viele zum Grundwortschatz. Im Gegensatz zu regelmäßigen Verben, die immer nach dem gleichen Muster funktionieren, ändern unregelmäßige Verben ihren Vokal im Wortstamm.
Wenn du zum Beispiel das Verb „essen“ anschaust:
- Präsens: ich esse, du isst, er isst
- Präteritum: ich aß
- Perfekt: ich habe gegessen
Der Vokal „e“ wird zu „i“ in der 2. und 3. Person Singular im Präsens. Im Präteritum wird er zu „a“ und im Partizip bleibt er wieder „e“. Oft ändert sich der Stammvokal auch im Präsens – jedoch nur in der 2. und 3. Person Singular.
Die wichtigsten Gruppen von Vokalwechseln
Vokalwechsel e → i
Diese Gruppe ist sehr häufig. Verben wie nehmen, helfen, sprechen und treffen gehören dazu.
- ich nehme → du nimmst → er nimmt
- ich helfe → du hilfst → er hilft
Vokalwechsel e → ie
Hier verlängert sich der Vokal. Das passiert bei Verben wie lesen, sehen und geschehen.
- ich lese → du liest → er liest
- ich sehe → du siehst → er sieht
Vokalwechsel a → ä
Verben wie fahren, schlagen, tragen und waschen zeigen diesen Wechsel.
- ich fahre → du fährst → er fährt
- ich schlage → du schlägst → er schlägt
Wie lernst du unregelmäßige Verben am besten?
Sortiere nach Mustern
Statt 200 Verben wild durcheinander zu lernen, gruppiere sie nach ihren Vokalmustern. Du musst die starken Verben und ihre Formen einfach lernen. Die gute Nachricht ist: Es gibt weniger als 200 starke Verben und du wirst nicht alle brauchen.
Nutze alle drei Zeitformen gleichzeitig
Lerne immer die drei wichtigsten Formen zusammen:
- Infinitiv (Grundform)
- Präteritum (Vergangenheit)
- Partizip II (für das Perfekt)
Beispiel: singen – sang – gesungen
Arbeite mit Beispielsätzen
Ein Verb allein ist langweilig. Sätze helfen dir, die Bedeutung zu verstehen und die Form zu merken:
- Gestern sang sie ein schönes Lied.
- Hast du schon mal im Chor gesungen?
Die häufigsten unregelmäßigen Verben für A1-Niveau
Im Sprachniveau Deutsch A1 solltet ihr das Präsens und das Perfekt der folgenden Verben können: anfangen, ankommen, anrufen, aufstehen, beginnen, bekommen, bleiben, bringen, denken, dürfen, essen, fahren, fangen, fernsehen, finden, fliegen, geben, gehen, haben, heißen, helfen, kennen, kommen, können, lesen, mögen, müssen, nehmen, rufen, schlafen, schreiben, schwimmen, sehen, sein, singen, sollen, sprechen, stehen, treffen, trinken, tun, verstehen, wehtun, wissen, wollen
Diese Verben brauchst du wirklich jeden Tag. Fang mit diesen an:
sein (ich bin, du bist, er ist)
haben (ich habe, du hast, er hat)
werden (ich werde, du wirst, er wird)
können (ich kann, du kannst, er kann)
müssen (ich muss, du musst, er muss)
Online-Übungen: Praktisch und sofort verfügbar
Übt die Konjugation der starken und unregelmäßigen Verben für das Sprachniveau Deutsch A1 mit vier Online-Übungen zur Konjugation A1. Hier könnt ihr vier Übungen zur Konjugation der starken und unregelmäßigen Verben (Präsens, Perfekt, Präteritum) machen. Neben der Konjugation lernt ihr in diesen Übungen auch die Bedeutung der Verben.
Lückentexte sind super für den Anfang
Du siehst einen Satz und musst das richtige Verb einsetzen. Lest den Satz und überlegt, welches Verb fehlt. Klickt auf die Information (Sprechblase), um das Verb zu sehen. Schreibt das konjugierte Verb bzw. das Partizip II in die Lücke.
Beispiel:
- Gestern _ ich ein spannendes Buch. (lesen)
- Antwort: Gestern las ich ein spannendes Buch.
Tabellen zum Ausfüllen
Nimm ein Verb und fülle alle Formen aus:
| Person | Präsens | Präteritum | Perfekt |
|---|---|---|---|
| ich | gehe | ging | bin gegangen |
| du | gehst | gingst | bist gegangen |
| er/sie/es | geht | ging | ist gegangen |
Arbeitsblätter für verschiedene Niveaus
Deutsche DAF Arbeitsblätter · Grammatikthemen · Unregelmäßige Verben findest du online zum kostenlosen Download. Die Übungen sind für Selbstlerner konzipiert, dürfen aber ebenso im Unterricht unter Hinweis auf den Urheber eingesetzt werden. Alle Arbeitsblätter werden im PDF-Format zum kostenlosen Downloaden angeboten.
Arbeitsblätter sind besonders gut, wenn du:
- Ohne Internet lernen willst
- Gerne mit Stift und Papier arbeitest
- Die Übungen mehrmals machen möchtest
- In einer Gruppe lernst
Zeitformen kombiniert üben
Präsens üben
Beginne mit der Gegenwart. Im Präsens verändern sich jeweils nur die 2. und 3. Person Singular. Der Plural wird wie die regelmäßigen Verben konjugiert.
Übung: Setze die richtige Form ein:
- Peter _ (fahren) jeden Tag mit dem Bus.
- Die Kinder _ (schlafen) schon.
Präteritum und Perfekt zusammen
Das Präteritum ist ein Tempus der Vergangenheit. Damit berichtet man über Ereignisse, Zustände oder Situationen von früher. Das Perfekt wird mit „haben“ oder „sein“ und einem anderen Verb gebildet.
Tipp: Lerne beide Formen parallel:
- Präteritum: Ich ging nach Hause.
- Perfekt: Ich bin nach Hause gegangen.
Tricks für schwierige Verben
Verben mit „sein“ im Perfekt
Verben werden im Perfekt mit der Personalform des Hilfsverbs „sein“ gebildet, wenn sie eine Bewegung mit Ortsveränderung oder einen Zustandswechsel ausdrücken!
Bewegung: gehen, fahren, fliegen, schwimmen
Zustandswechsel: werden, sterben, einschlafen, aufwachen
Gemischte Verben
Es gibt auch Verben, die ein bisschen von beiden sind. Sie ändern den Vokal UND bekommen regelmäßige Endungen:
- denken → dachte → gedacht
- bringen → brachte → gebracht
- kennen → kannte → gekannt
Spiele und kreative Methoden
Verbenkarten
Schreibe jedes Verb auf eine Karte:
- Vorderseite: Infinitiv
- Rückseite: alle Formen
Mische die Karten und teste dich selbst. Oder spiele mit einem Partner: Einer sagt den Infinitiv, der andere muss alle Formen nennen.
Geschichten erfinden
Nimm fünf unregelmäßige Verben und schreibe eine kurze Geschichte im Präteritum. Das macht mehr Spaß als einzelne Sätze und du merkst dir die Formen besser.
Beispiel mit gehen, sehen, finden, nehmen, geben:
„Gestern ging ich in den Park. Dort sah ich einen Hund. Er fand einen Ball. Ich nahm den Ball und gab ihn seinem Besitzer.“
Memory mit Verben
Erstelle Kartenpaare:
- Eine Karte: Infinitiv
- Andere Karte: Präteritum oder Partizip
Lege alle Karten verdeckt hin und finde die Paare.
Typische Fehler vermeiden
Verwechslung von ähnlichen Verben
liegen (lag, gelegen) = horizontal sein
legen (legte, gelegt) = etwas horizontal platzieren
sitzen (saß, gesessen) = auf einem Stuhl sein
setzen (setzte, gesetzt) = sich oder etwas platzieren
Falsche Hilfsverben im Perfekt
Nicht alle Verben mit Bewegung brauchen „sein“:
- Ich habe getanzt. (Bewegung am Ort)
- Ich bin getanzt. ❌
Aber:
- Ich bin zur Party gegangen. ✓
Fortgeschrittene Übungen für B1 und B2
Hier macht ihr vier Übungen zur Konjugation der starken und unregelmäßigen Verben (Präsens, Perfekt, Präteritum und Passiv). Neben der Konjugation lernt ihr in diesen Übungen auch die Bedeutung der Verben. Denn bei jedem Satz müsst ihr zuerst überlegen, welches Verb fehlt.
Für höhere Niveaus kommen neue Verben dazu:
- enthalten (enthält, enthielt, enthalten)
- entsprechen (entspricht, entsprach, entsprochen)
- übertreffen (übertrifft, übertraf, übertroffen)
Diese Verben sind oft mit Präfixen (Vorsilben) gebildet. Das Grundverb kennst du schon, aber die Bedeutung ändert sich.
Apps und digitale Helfer
Interaktive Übungen
Verben im Präsens – gemischte Übungen (Interaktive Übungen) findest du auf verschiedenen Lernplattformen. Der Vorteil: Du bekommst sofort Feedback.
Vorteile von Online-Übungen:
- Sofortige Korrektur: Du siehst direkt, was richtig oder falsch ist
- Wiederholbar: Mache die Übung so oft du willst
- Verschiedene Schwierigkeitsgrade: Von A1 bis C2
- Abwechslungsreich: Verschiedene Übungstypen halten dich bei Laune
Der Weg zum Erfolg
Tägliche Routine
Nimm dir jeden Tag 10 Minuten Zeit:
- Montag: 5 neue Verben lernen
- Dienstag: Die 5 Verben vom Montag wiederholen
- Mittwoch: Sätze mit den Verben bilden
- Donnerstag: Online-Übungen machen
- Freitag: Alle Verben der Woche testen
Lerngruppen bilden
Suche dir Leute, die auch Deutsch lernen. Gemeinsam macht es mehr Spaß und ihr könnt euch gegenseitig helfen und testen.
Führe ein Verb-Tagebuch
Schreibe jeden Tag drei Sätze mit unregelmäßigen Verben auf. Nach einem Monat hast du 90 Beispielsätze!
Hilfreiche Links zum Weiterlernen
Hier sind fünf deutsche Webseiten, die dir beim Lernen helfen:
- Deutsch-mit-Anna: Starke Verben erklärt
- Deutschlernerblog: Übungen A1
- Mein-Deutschbuch: Grammatikübungen
- Übungskönig: Verben für DaF/DaZ
- ZUM Deutsch Lernen: Interaktive Übungen
Fazit
Unregelmäßige Verben sind wie ein Puzzle. Am Anfang sehen alle Teile kompliziert aus. Aber wenn du sie nach Mustern sortierst und regelmäßig übst, fügt sich alles zusammen. Denk dran: Selbst Deutsche mussten diese Verben irgendwann lernen. Du schaffst das auch!
Das Wichtigste ist: Bleib dran. Jeden Tag ein bisschen ist besser als einmal pro Woche drei Stunden. Nutze verschiedene Methoden – Arbeitsblätter, Online-Übungen, Apps, Spiele. So wird es nie langweilig.
Und vergiss nicht: Fehler sind normal und helfen dir beim Lernen. Jeder Fehler zeigt dir, was du noch üben musst. Also trau dich, die Verben zu benutzen, auch wenn du noch nicht ganz sicher bist. Mit der Zeit werden die unregelmäßigen Verben zu deinen Freunden – versprochen!






