Kommasetzung: Übungen und Regeln

Die Kommasetzung ist ein wichtiger Teil der deutschen Rechtschreibung. Das Komma dient im Deutschen dazu, einen Satz zu unterteilen. So kann man ihn leichter lesen. Viele Menschen finden die deutschen Kommaregeln schwierig. Aber mit etwas Übung und den richtigen Regeln wird es einfacher. In diesem Artikel zeigen wir die wichtigsten Kommaregeln und geben praktische Übungen dazu.

Warum Kommas so wichtig sind und was sie bewirken

Die grammatikalischen Regeln führen allerdings regelmäßig – wenn auch nicht zwingend – dazu, dass man ein Komma dort setzt, wo man in der gesprochenen Sprache eine Sprechpause einlegt, da der Sprechrhythmus oft der grammatikalischen Struktur eines Satzes folgt. Ein kleines Komma kann den kompletten Sinn eines Satzes ändern. Das bekannteste Beispiel: „Wir essen jetzt, Opa“ oder „Wir essen jetzt Opa“. Der erste Satz ist eine Einladung an den Großvater. Der zweite Satz… nun ja, das wäre etwas ganz anderes.

Richtig gesetzte Kommata erleichtern das Lesen. Falsch gesetzte oder fehlende Kommata können den Lesefluss erschweren (mögliche Folge: Holzwegeffekt) oder die Bedeutung eines Satzes verfälschen (mögliche Folge: Ambiguität). Deshalb ist es wichtig, die Regeln gut zu kennen.

Das Komma ist ein Gliederungszeichen. Es wird im Deutschen in erster Linie nach grammatischen Gesichtspunkten gesetzt. Die Kommaregeln wurden durch die Rechtschreibreform vereinfacht, aber manche Stellen bleiben knifflig.

Die wichtigsten Kommaregeln für Aufzählungen

Die einfachste Regel betrifft Aufzählungen. Die Wörter oder Wortgruppen einer Aufzählung trennt man durch Kommas voneinander. Das gilt für Substantive, Adjektive, Verben und ganze Wortgruppen.

Beispiele:

  • Ich kaufe Äpfel, Birnen, Bananen.
  • Herr Meyer arbeitet preiswert, schnell, zuverlässig.
  • Sie liest, schreibt, rechnet den ganzen Tag.

Wichtig: Dabei musst du beachten, dass vor den Konjunktionen und, oder, sowie kein Komma gesetzt wird. … Setze nie ein Komma vor und, oder & sowie! Also: „Ich kaufe Äpfel, Birnen und Bananen“ – ohne Komma vor „und“.

Gleichwertige und nicht gleichwertige Adjektive

Bei mehreren Adjektiven vor einem Nomen musst du aufpassen. Bei einer Aufzählung wird immer dann ein Komma gesetzt, wenn die einzelnen Teile gleichwertig sind. In diesem Fall könntest Du die Kommata durch „und“ ersetzen. Sind sie nicht gleichwertig, muss kein Komma gesetzt werden.

Gleichwertig: Die alte, kaputte Maschine (= Die alte und kaputte Maschine)
Nicht gleichwertig: Die neue deutsche Rechtschreibung (hier kein Komma)

Komma zwischen Haupt- und Nebensätzen – die Grundregel

Ein Komma wird immer zwischen Haupt- und Nebensatz gesetzt. Das ist eine der wichtigsten Regeln überhaupt. Viele vergessen dieses Komma, besonders bei kurzen Sätzen.

Beispiele:

  • Saskia geht ins Schwimmbad, obwohl sie müde ist. An der Straße steht ein Haus, das groß ist.
  • Ich glaube, dass es morgen regnet.
  • Er kam, als die Sonne unterging.

Wie erkenne ich einen Nebensatz?

Ein Nebensatz hat folgende Merkmale:

  • Er wird oft durch Konjunktionen eingeleitet (dass, weil, wenn, obwohl, als…)
  • Das konjugierte Verb steht am Ende
  • Er kann nicht alleine stehen

Nebensätze werden durch Kommata abgetrennt. Zu den Nebensätzen gehören die mittels einer Konjunktion bzw. hier speziell: Subjunktion verbundenen Sätze und die Relativsätze. … „Das Auto, das ich letzte Woche kaufte, ist schon kaputt.“ Der Satzteil das ich letzte Woche kaufte ist ein eingeschobener Relativsatz, der durch Kommata begrenzt wird.

Wann steht ein Komma bei Infinitivgruppen?

Die Kommasetzung bei Infinitivgruppen (mit „zu“) bereitet vielen Probleme. Der wahrscheinlich häufigste Kommafehler betrifft das Komma vor Infinitivgruppen, auch bekannt als „erweiterter Infinitiv mit zu“. Betroffen sind also Wortgruppen, in der ein Infinitiv mit zu verbunden wird, zum Beispiel zu lachen, zu gehen, zu helfen. Der Grund dafür, dass hier besonders viele Kommafehler passieren, ist, dass man manchmal ein Komma setzen muss, manchmal keins setzen darf und manchmal die Wahl hat.

Komma muss stehen bei:

  1. Einleitung mit um, ohne, statt, anstatt, außer, als
  • Sie schloss die Tür, damit der Wind nicht in das Haus weht.
  • Er ging, ohne sich zu verabschieden.
  • Sie kam, um zu helfen.
  1. Abhängigkeit von einem Nomen
  • Der Versuch, es zu schaffen, gelang.
  • Die Idee, früher zu kommen, war gut.
  1. Hinweiswort im Hauptsatz (es, das, daran, dabei…)
  • Ich freue mich darauf, dich zu sehen.
  • Er wagte es, den Deckel abzuschrauben. Die Umstände erlaubten es mir, sofort abzureisen.

Komma kann stehen bei:

Einfache Infinitivgruppen ohne die oben genannten Bedingungen:

  • Er versucht(,) zu schlafen.
  • Sie beginnt(,) zu singen.

Das Komma vor „und“ – wann ja, wann nein?

Oft kommt ein Fehler in der Kommasetzung bei dem Wort „und“ vor. Vor diesem Wort musst du manchmal ein Komma und manchmal kein Komma setzen.

Kein Komma bei:

  • Aufzählungen: Ich kaufe Brot und Milch.
  • Verbundenen Hauptsätzen (kann gesetzt werden): Er liest(,) und sie schreibt.

Komma muss stehen bei:

  • Wenn nach einem Einschub das Wort „und“ folgt, musst du nach den Regeln der Kommasetzung vor dem „und“ ein Komma setzen. Einschübe musst du stets in Kommas einschließen. … Timo, mein Mitschüler, und ich sind sehr fleißig.
  • Nach eingeschobenen Nebensätzen: Er kam, weil er Zeit hatte, und blieb lange.

Kommasetzung bei „als“ und „wie“

Ein weiterer üblicher Fehler in der Kommasetzung entsteht vor den Wörtern „als“ und „wie“. Denn vor diesen Wörtern muss nicht immer ein Komma stehen.

Kein Komma bei Vergleichen:

  • Jan springt höher als Lisa. Sophie kocht so gut wie Svenja.
  • Er ist größer als ich.

Komma bei Nebensätzen:

  • Sabine kann besser kochen, als ich dachte. Saskia weiß nicht, wie das Gerät funktioniert.
  • Der Hund bellt lauter, als ich dachte. Der Hund bellt genau so laut, wie ich befürchtete.

Typische Fehlerquellen bei der Kommasetzung

1. Das vergessene Komma bei Einschüben

Die Verwendung des sogenannten paarigen Kommas ist hier nämlich Pflicht! Einschübe und Appositionen müssen immer mit zwei Kommas eingeschlossen werden.

Falsch: Peter, mein bester Freund kommt heute.
Richtig: Peter, mein bester Freund, kommt heute.

2. Das falsche Komma nach adverbialen Bestimmungen

Hinter einer adverbialen Bestimmung, selbst wenn diese wie im obigen Beispiel recht lang ist, darfst du kein Komma setzen.

Falsch: Nach einem langen Tag voller Arbeit, ging er nach Hause.
Richtig: Nach einem langen Tag voller Arbeit ging er nach Hause.

3. Das Komma bei der Anrede

Anreden werden jedoch durch ein Komma abgetrennt:

Richtig: Hallo, Frau Schmidt.
Richtig: Guten Tag, Herr Meyer.

4. Kein Komma vor „usw.“ und „etc.“

Oft werden Aufzählungen mit usw. oder etc. beendet und fälschlicherweise wird ein Komma davor gesetzt: Äpfel, Birnen, Clementinen, usw. Vor dem Bindewort (Konjunktion) und steht aber im Deutschen bei Aufzählungen kein Komma. Das gilt natürlich genauso für usw. (= und so weiter) oder das lateinische etc. (= et cetera) mit gleicher Bedeutung.

Praktische Übungen zur Kommasetzung

Übung 1: Setze die Kommas richtig

  1. Peter Maria und Klaus gehen schwimmen.
  2. Ich glaube dass es heute regnet.
  3. Er kam sah und siegte.
  4. Sie versucht pünktlich zu kommen.
  5. Das Haus das dort steht ist sehr alt.
  6. Wir essen Oma!
  7. Er arbeitet schnell gründlich und zuverlässig.
  8. Ein Finalsatz ist ein Zweck- oder Absichtssatz. Er gibt nähere Auskunft über Zweck oder Absicht einer Handlung im Hauptsatz. Der Finalsatz wird mit den Konjunktionen damit, auf, dass und auf dass eingeleitet.

Übung 2: Richtig oder falsch?

Entscheide, ob die Kommasetzung richtig ist:

  1. Nach dem Essen, gehen wir spazieren. (Falsch – kein Komma nach adverbialer Bestimmung)
  2. Er ist größer, als ich dachte. (Richtig – Nebensatz)
  3. Sie kaufte Äpfel, Birnen, und Bananen. (Falsch – kein Komma vor „und“)
  4. Hallo Herr Schmidt. (Falsch – Komma nach „Hallo“ fehlt)
  5. Er versucht, zu schlafen. (Kann richtig sein – Komma optional)

Übung 3: Komma zwischen Haupt- und Nebensätzen

Füge die fehlenden Kommas ein:

  1. Wenn du kommst bringe bitte Brot mit.
  2. Ich weiß nicht ob er heute Zeit hat.
  3. Das Buch das ich lese ist spannend.
  4. Er ging nach Hause weil er müde war.
  5. Als die Sonne schien gingen wir wandern.

Die neue Rechtschreibung und ihre Änderungen

Mit der Rechtschreibreform von 1996 wurden die Kommaregeln grundlegend verändert und vereinfacht. Diese Vereinfachungen gingen allerdings oftmals zu Lasten der Lesbarkeit, so dass die Regeln 2006 noch einmal überarbeitet wurden.

Die Kommaregeln der deutschen Sprache sind im amtlichen Regelwerk Deutsche Rechtschreibung. Regeln und Wörterverzeichnis in den Paragraphen 70 bis 73 festgelegt. Sie wurden zuletzt 2023 nach öffentlicher Anhörung zur Aktualisierung am 15. Dezember beschlossen und gelten nach ihrer Veröffentlichung seit dem 1. Juli 2024 verbindlich für Deutschlands Schulen und Verwaltung, wie der Rat für deutsche Rechtschreibung zwei Tage später der Presse mitteilte.

Tipps für fehlerfreie Kommasetzung im Alltag

Der Verb-Trick

Ein guter Trick: Zähle die konjugierten Verben in deinem Satz. Mein Tipp: Auf konjugierte Verben achten! Wenn der Satz mehr als eins enthält, muss ein Komma gesetzt werden (oder eine Konjunktion wie und eingefügt werden). Gibt es mehr als ein konjugiertes Verb und keine verbindende Konjunktion? Dann brauchst du wahrscheinlich ein Komma.

Die Und-Probe

Du kannst die Gleichwertigkeit ganz einfach prüfen, indem du ein „und“ zwischen die Wörter setzt. Wenn der Satz dann noch Sinn ergibt, sind die Satzteile gleichwertig. Diese Probe hilft bei Aufzählungen.

Laut vorlesen

Lies deinen Text laut vor. Wo machst du natürliche Pausen? Oft (aber nicht immer!) gehört dort ein Komma hin. Aber Vorsicht: Nicht jede Sprechpause bedeutet automatisch ein Komma!

Online-Übungen und Arbeitsblätter zum Ausdrucken

Wer noch mehr üben möchte, findet im Internet viele Möglichkeiten:

Wann die Kommasetzung optional ist

Es gibt Situationen, in denen du selbst entscheiden kannst, ob du ein Komma setzt:

Bei einfachen Infinitivgruppen

  • Er hofft(,) zu gewinnen.
  • Sie versucht(,) pünktlich zu sein.

Bei gleichrangigen Hauptsätzen mit „und“

  • Nimm das Geld[,] oder lass es bleiben. Anna liest die Zeitung[,] und Otto löst ein Kreuzworträtsel.

Bei bestimmten Partizipgruppen

  • Lachend(,) kam er herein.
  • Von der Sonne geblendet(,) schloss er die Augen.

Die größten Irrtümer bei der Kommasetzung

Irrtum 1: „Vor ‚und‘ kommt nie ein Komma“

Das stimmt nicht immer! Bei Einschüben und nach Nebensätzen kann sehr wohl ein Komma vor „und“ stehen.

Irrtum 2: „Bei kurzen Sätzen braucht man kein Komma“

Auch kurze Nebensätze werden durch Komma abgetrennt: „Ich hoffe, es klappt.“

Irrtum 3: „Nach der Anrede kommt ein Doppelpunkt“

In Deutschland kommt nach der Anrede in Briefen ein Komma, kein Doppelpunkt:
Richtig: „Sehr geehrte Frau Müller,“
Falsch: „Sehr geehrte Frau Müller:“

So übst du die Kommasetzung effektiv

  1. Täglich üben: Nimm dir jeden Tag einen kurzen Text vor und setze die Kommas.
  2. Regeln wiederholen: Lerne nicht alle Regeln auf einmal. Konzentriere dich jede Woche auf eine andere Regel.
  3. Texte korrigieren: Such dir Texte ohne Kommas und füge sie ein. Vergleiche dann mit der Lösung.
  4. Eigene Texte schreiben: Schreibe selbst kurze Texte und achte bewusst auf die Kommasetzung.
  5. Fehler analysieren: Wenn du einen Fehler machst, schau genau, warum. Welche Regel hast du vergessen?

Die Kommasetzung in der digitalen Kommunikation

In E-Mails, WhatsApp und anderen digitalen Medien wird oft auf Kommas verzichtet. Das ist im privaten Bereich okay, aber bei offiziellen Texten solltest du die Regeln beachten. Das Beherrschen der deutschen Kommaregeln ist jedoch nicht nur deshalb besonders wichtig. Fehlerfreies, richtiges Schreiben inklusive guter Zeichensetzung sorgt auch bei Bewerbungen, Geschäftsbriefen oder anderem alltäglichen Schriftverkehr für einen guten (ersten) Eindruck.

Zusammenfassung der wichtigsten Regeln

Die Kommasetzung mag kompliziert erscheinen, aber mit diesen Grundregeln kommst du schon weit:

  1. Aufzählungen: Komma zwischen gleichwertigen Teilen (außer vor und/oder/sowie)
  2. Haupt- und Nebensatz: Immer Komma dazwischen
  3. Infinitivgruppen: Komma bei um/ohne/statt zu und bei Hinweiswörtern
  4. Einschübe: Immer mit zwei Kommas einschließen
  5. Anreden: Komma nach der Anrede
  6. Als/wie: Komma nur bei vollständigen Nebensätzen

Die Kommasetzung im Deutschen ist nicht so schwierig, wie viele denken. Eigentlich muss man sich nur ein paar einfache Kommaregeln merken. Mit regelmäßiger Übung und dem Wissen um die häufigsten Fehlerquellen wirst du sicherer. Denk daran: Jedes richtig gesetzte Komma macht deinen Text klarer und verständlicher. Und manchmal rettet es sogar Opas Leben!