Verwendung von Dativ und Akkusativ: Übungen und Beispiele

Der Dativ und der Akkusativ sind zwei der vier Fälle im Deutschen. Neben dem Nominativ und dem Genitiv spielen sie eine zentrale Rolle beim Sprechen und Schreiben. Wer Deutsch lernt, muss verstehen, wann welcher Fall verwendet wird. Das Verb im Satz definiert das Objekt (Genitiv, Dativ oder Akkusativ). Die richtige Verwendung von Dativ und Akkusativ kann am Anfang schwierig erscheinen. Mit den richtigen Regeln und viel Übung wird es aber einfacher.

Was macht den Dativ und Akkusativ so besonders?

Der Dativ ist der dritte Fall der deutschen Sprache. Die Dativ-Frage ist „wem?“ und zeigt, dass Dativ meistens für eine Person steht. Er zeigt oft, wer etwas bekommt oder für wen etwas passiert. Bezieht sich ein Verb auf eine Person oder eine Sache, die indirekt von einer Handlung betroffen ist, dann verlangt dieses Verb den Dativ. Häufig handelt es sich hier um Verben, die eine Situation beschreiben, in der eine Person oder eine Sache einem anderen zugutekommt oder mit diesem in Verbindung steht. Kurz gesagt: Verben, die im Dativ stehen, haben eine indirekte Beziehung zu der betroffenen Person / Sache.

Der Akkusativ ist der vierte Fall. 90% aller deutschen Verben brauchen ein Objekt im Akkusativ! Er zeigt das direkte Objekt einer Handlung. Akkusativ-Verben betreffen das direkte Objekt einer Handlung. Sie beziehen sich auf Tätigkeiten, die direkt auf jemanden oder etwas gerichtet sind. Die Frage nach dem Akkusativ lautet „wen oder was?“.

Ein wichtiger Punkt: Vor allem bei Schülern, die Deutsch als Fremdsprache lernen, wird oft der Begriff direktes Objekt für den Akkusativ und indirektes Objekt für den Dativ verwendet. Ein direktes Objekt wird für eine Handlung benutzt oder bekommt die Handlung. Bei dem Satz „Ich schenke meiner Mutter ein Buch“ ist Buch das direkte Objekt und steht demnach im Akkusativ. Das indirekte Objekt empfängt die Handlung des Akkusativs. In dem eben genannten Beispiel ist „meiner Mutter“ das indirekte Objekt.

Die goldenen Regeln für Dativ und Akkusativ

Verben mit Dativ

Bestimmte Verben verlangen immer den Dativ. Es gibt aber eine kleine Anzahl von Verben, die den Dativ verlange. In diesem Fall steht das direkte Objekt im Dativ, womit sich obige Regel nicht mehr anwenden lässt. Zu diesen Verben sind unter anderem gehören, zuhören oder helfen. Bei dem Satz „Ich helfe meiner Freundin“ steht das Objekt in Dativ und ist trotzdem das direkte Objekt.

Wichtige Dativ-Verben sind:

  • helfen (jemandem helfen)
  • danken (jemandem danken)
  • gefallen (jemandem gefallen)
  • gehören (jemandem gehören)
  • antworten (jemandem antworten)
  • zuhören (jemandem zuhören)
  • gratulieren (jemandem gratulieren)
  • vertrauen (jemandem vertrauen)
  • folgen (jemandem folgen)
  • glauben (jemandem glauben)

Beispiele:

  • Ich helfe meinem Bruder bei den Hausaufgaben.
  • Das Buch gefällt der Lehrerin.
  • Wir danken unseren Eltern für alles.
  • Der Hund gehört dem Nachbarn.

Verben mit Akkusativ

Die meisten deutschen Verben brauchen den Akkusativ. Die meisten Verben verlangen ein Akkusativobjekt. Normalerweise bestimmt das Verb den Fall des Objekts. Wie eben erläutert wurde, handelt es sich dabei in den meisten Fällen um den Akkusativ.

Häufige Akkusativ-Verben sind:

  • sehen (jemanden/etwas sehen)
  • haben (etwas haben)
  • kaufen (etwas kaufen)
  • lesen (etwas lesen)
  • schreiben (etwas schreiben)
  • essen (etwas essen)
  • trinken (etwas trinken)
  • finden (etwas finden)
  • suchen (etwas suchen)
  • besuchen (jemanden besuchen)

Beispiele:

  • Ich sehe den Film.
  • Sie kauft einen neuen Computer.
  • Wir lesen das Buch.
  • Er besucht seine Großmutter.

Verben mit Dativ und Akkusativ

Manche Verben können beide Fälle gleichzeitig verwenden. Verben, die sowohl Dativ als auch Akkusativ verwenden, verbinden eine Handlung mit einem direkten Objekt (Akkusativ) und einem indirekten Empfänger (Dativ). Das sind Verben wie geben, schenken, zeigen, bringen, schicken oder erklären.

Beispiele:

  • Ich gebe dem Kind (Dativ) einen Ball (Akkusativ).
  • Sie schenkt ihrer Mutter (Dativ) eine Tasche (Akkusativ).
  • Der Lehrer erklärt den Schülern (Dativ) die Aufgabe (Akkusativ).

Präpositionen bestimmen den Fall

Präpositionen mit festem Dativ

Ein Dativobjekt steht immer nach diesen Präpositionen ab, aus, außer, bei, dank, entgegen, entsprechend, gegenüber, gemäß, mit, nach, samt, seit, von, zu, zufolge.

Beispiele:

  • Ich fahre mit dem Bus.
  • Er kommt aus der Schule.
  • Wir treffen uns bei der Haltestelle.
  • Sie wohnt seit einem Jahr hier.

Ein praktischer Merksatz: „Benutze nach, mit, seit, von, aus zu und bei zusammen mit Fall Nummer drei“.

Präpositionen mit festem Akkusativ

Nach den Präpositionen bis, durch, entlang, für, gegen, ohne, um, wider steht immer ein Akkusativobjekt.

Beispiele:

  • Wir gehen durch den Park.
  • Ich kaufe ein Geschenk für meine Schwester.
  • Er fährt ohne seinen Freund.
  • Sie läuft um das Haus.

Die trickreichen Wechselpräpositionen

Die Wechselpräpositionen sind besonders knifflig. Sie können mit Dativ oder Akkusativ stehen. Diese sind an, hinter, auf, neben, über, in, unter, zwischen und vor.

Die Wo-Wohin-Regel

Wenn sich die Frage nach dem Fall mit „wo“ verbinden lässt, dann steht das Objekt im Dativ. Beispiel: „Ich stehe hinter dem Haus“. Anders sieht es mit einer Frage nach dem „wohin“ aus. Hier steht das Objekt im Akkusativ: „Ich gehe hinter das Haus“.

Dativ bei Position (Wo?):

  • Das Buch liegt auf dem Tisch.
  • Der Hund sitzt unter dem Baum.
  • Die Lampe hängt über dem Sofa.
  • Wir sind in der Schule.

Akkusativ bei Bewegung (Wohin?):

  • Ich lege das Buch auf den Tisch.
  • Der Hund läuft unter den Baum.
  • Wir hängen die Lampe über das Sofa.
  • Wir gehen in die Schule.

Verben zeigen den Unterschied

Typische Verben, die im Satz mit der Wechselpräposition und dem Dativ vorkommen, sind: sein, stehen, liegen, sich befinden, bleiben oder sitzen.

Typische Verben, die dann im Satz mit der Wechselpräposition und dem Akkusativ stehen, sind: laufen, gehen, legen, stellen oder sich setzen.

Beispielpaare:

  • stehen (Dativ) → stellen (Akkusativ)
  • liegen (Dativ) → legen (Akkusativ)
  • sitzen (Dativ) → setzen (Akkusativ)
  • hängen (Dativ) → hängen (Akkusativ)

Wortstellung bei Dativ und Akkusativ

Die Reihenfolge der Objekte im Satz folgt bestimmten Regeln.

Hauptregel bei zwei Nomen

In allen anderen Fällen nennt man in der Regel das Dativobjekt vor dem Akkusativobjekt: Gib mir das Buch. Ich kaufe meiner Mutter eine schöne Tasche.

Ausnahme bei Pronomen

Wenn die beiden Objekte Pronomen (ihr, sie, mir, dich usw.) sind, wird zuerst das Objekt im Akkusativ und dann das Dativobjekt verwendet: Gib sie mir.

Auch wenn nur das Akkusativobjekt ein Personalpronomen ist, wird das vor dem Dativobjekt gesetzt: Er gibt ihn seiner Freundin. Das ist auch der Fall, wenn wir ein Objekt im Akkusativ betonen möchten: Maria gibt ihre Ausarbeitungen dem Chef.

Zusammenfassung der Regeln:

  1. Normalerweise: Dativ vor Akkusativ
  2. Beide Pronomen: Akkusativ vor Dativ
  3. Nur Akkusativ als Pronomen: Akkusativ vor Dativ

Praktische Übungen zum Selbsttest

Übung 1: Verb bestimmt den Fall

Ergänzen Sie mit dem richtigen Artikel:

  1. Ich helfe _ Mann. (der Mann)
  2. Sie sieht _ Film. (der Film)
  3. Wir danken _ Lehrerin. (die Lehrerin)
  4. Er kauft _ Auto. (das Auto)
  5. Das gehört _ Kind. (das Kind)

Lösungen: dem, den, der, das, dem

Übung 2: Präpositionen

Wählen Sie den richtigen Fall:

  1. Er fährt mit _ Fahrrad. (das Fahrrad)
  2. Sie geht durch _ Garten. (der Garten)
  3. Wir wohnen seit _ Jahr hier. (ein Jahr)
  4. Ich kaufe das für _ Freund. (mein Freund)
  5. Das Bild hängt an _ Wand. (die Wand)

Lösungen: dem, den, einem, meinen, der

Übung 3: Wechselpräpositionen

Dativ oder Akkusativ?

  1. Die Katze springt auf _ Tisch. (der Tisch)
  2. Die Katze sitzt auf _ Tisch. (der Tisch)
  3. Ich stelle die Vase in _ Schrank. (der Schrank)
  4. Die Vase steht in _ Schrank. (der Schrank)
  5. Wir gehen hinter _ Haus. (das Haus)
  6. Wir sind hinter _ Haus. (das Haus)

Lösungen: den, dem, den, dem, das, dem

Übung 4: Dativ und Akkusativ zusammen

Setzen Sie die richtigen Formen ein:

  1. Ich gebe _ Bruder _ Buch. (mein Bruder, das Buch)
  2. Sie schenkt _ Mutter _ Blumen. (ihre Mutter, die Blumen)
  3. Er zeigt _ Gästen _ Weg. (die Gäste, der Weg)
  4. Wir bringen _ Kindern _ Geschenke. (die Kinder, die Geschenke)

Lösungen: meinem, das / ihrer, die / den, den / den, die

Besondere Zeitangaben mit Akkusativ

In bestimmten Zeitangaben wird der Akkusativ verwendet, um eine zeitliche Dauer oder einen Zeitpunkt anzugeben. Ich habe den ganzen Tag gearbeitet.

Weitere Beispiele:

  • Ich arbeite den ganzen Tag.
  • Wir bleiben einen Monat in Berlin.
  • Sie wartet eine Stunde.
  • Er schläft die ganze Nacht.

Tipps für schnelles Lernen

Merkhilfe für Fragewörter

Der Dativ wird immer dann verwendet, wenn eine Person oder Sache indirekt von einer Handlung betroffen ist. Hier fragst Du nach „wem?“. Der Akkusativ wird verwendet, wenn Personen oder Sachen direkt betroffen sind. Die Fragewörter für den Akkusativ sind „wen oder was?“.

Der Trick mit dem Verb

Der Trick ist: immer das Verb anzuschauen und immer nachfragen (wem?)! Schauen Sie zuerst das Verb an. Es bestimmt meist den Fall. Lernen Sie die wichtigsten Verben mit ihrem Fall auswendig.

Wörterbuch nutzen

Ob ein Verb den Dativ braucht, kannst du im Wörterbuch nachschauen. Da steht dann meistens sowas wie „jemandem helfen“ oder „jmd. danken“. Das Wörterbuch zeigt oft, welchen Fall ein Verb braucht. Steht dort „jemandem“ (Dativ) oder „jemanden“ (Akkusativ)?

Häufige Fehler vermeiden

Verwechslung bei Wechselpräpositionen

Der größte Fehler passiert bei den Wechselpräpositionen. Merken Sie sich: Bei Positionen („Wo?“) verwendest Du den Dativ, bei Bewegungen („Wohin?“) den Akkusativ.

Falsch: Ich bin in die Küche. (Wo bin ich?)
Richtig: Ich bin in der Küche.

Falsch: Ich gehe in der Küche. (Wohin gehe ich?)
Richtig: Ich gehe in die Küche.

Reihenfolge der Objekte

Viele machen Fehler bei der Wortstellung. Die Grundregel ist einfach: Im Allgemeinen steht der Dativ vor dem Akkusativ.. Aber Pronomen ändern diese Regel.

Falsch: Gib mir es!
Richtig: Gib es mir!

Präpositionen mit festem Fall

Lernen Sie die Präpositionen mit ihrem festen Fall auswendig. Es gibt Präpositionen, die den Akkusativ fordern, andere fordern den Dativ. Mischen Sie diese nie.

Übungen für Fortgeschrittene

Komplexe Sätze

Bilden Sie Sätze mit beiden Objekten:

  1. Der Verkäufer / zeigen / die Kundin / das neue Produkt
  2. Die Großmutter / erzählen / die Enkelkinder / eine Geschichte
  3. Der Chef / erklären / der neue Mitarbeiter / die Aufgaben
  4. Die Freundin / schenken / der Freund / eine Überraschung

Textübung

Ergänzen Sie die Lücken mit dem richtigen Fall:

„Maria geht in _ (der) Supermarkt. Sie kauft für (ihre) Familie ein. Im Geschäft trifft sie (eine) alte Freundin. Sie erzählt (die) Freundin von (ihr) neuen Job. Nach (der) Einkauf geht sie mit (die) schweren Taschen nach Hause. Zu Hause legt sie alles auf (der) Tisch. Dann kocht sie für __ (die) Kinder das Abendessen.“

Zusammenfassung der wichtigsten Punkte

Der Dativ zeigt das indirekte Objekt. Er antwortet auf „wem?“. Der Akkusativ zeigt das direkte Objekt. Er antwortet auf „wen?“ oder „was?“. Das Verb bestimmt meist den Fall. Manche Verben brauchen nur Dativ, die meisten nur Akkusativ, einige beide.

Präpositionen haben oft einen festen Fall. Bei Wechselpräpositionen entscheidet die Bedeutung: Position (wo?) = Dativ, Bewegung (wohin?) = Akkusativ.

Die Wortstellung folgt klaren Regeln. Normal ist Dativ vor Akkusativ. Bei Pronomen kommt Akkusativ vor Dativ.

Mit regelmäßiger Übung werden Dativ und Akkusativ zur Routine. Nutzen Sie die Übungen oben. Lesen Sie deutsche Texte aufmerksam. Achten Sie auf die Fälle. Sprechen Sie viel Deutsch. Fehler sind normal und helfen beim Lernen.


Hilfreiche deutsche Quellen zum Weiterlernen:

  1. Mentorium – Der Unterschied zwischen Dativ & Akkusativ
  2. DeutschAkademie – Kostenloser Online Deutschkurs
  3. Dein Sprachcoach – Dativ oder Akkusativ verwenden
  4. Easy Deutsch – Übungen zu den Wechselpräpositionen
  5. Studyflix – Dativ oder Akkusativ Video