Quedlinburg

Quedlinburg ist eine Stadt im Landkreis Harz im Bundesland Sachsen-Anhalt in Deutschland. Die UNESCO-Weltkulturerbestadt liegt im nördlichen Harzvorland. Mit ihren rund 24.000 Einwohnern und 120,4 km² ist die Stadt eines der größten Flächendenkmäler Deutschlands. Die UNESCO erkannte am 17. Dezember 1994 mit der Aufnahme Quedlinburgs in die Liste des Weltkulturerbes sowohl den heute noch ablesbaren mittelalterlichen Stadtgrundriss mit dem vielfältigen Bestand an Fachwerkhäusern als auch die herausragende Bedeutung für die deutsche Geschichte an.

Die einstige Königspfalz und Mitglied der Hanse ist eine reizvolle, über 1000-jährige mittelalterliche Stadt. Am Nordrand des Harzes gelegen empfängt sie Besucher mit verwinkelten Gassen, uraltem Kopfsteinpflaster und weiträumigen Plätzen, die von Fachwerkhäusern umsäumt werden. Überragt wird das Ganze vom massigen Sandsteinfelsen mit den Stiftsgebäuden und der romanischen St. Servatius-Kirche.

Lage und Geografie

Quedlinburg liegt nur einen „Hexensprung“ vom Brocken entfernt auf der östlichen Seite des Harzes. Die Stadt liegt acht Kilometer vom nördlichen Rand des Harzes entfernt an der Bode.

Das nördliche Harzvorland hat den Charakter einer Tieflandbucht, die von mehreren Höhenzügen gegliedert wird. Dazu gehören auch der Hoppelberg und die Thekenberge, die in der Nähe von Quedlinburg liegen. Das Quedlinburger Schloss steht auf einem Kreidesandsteinfels, der die Südflanke des Sattels markiert.

Die knapp 24.000 Einwohner Quedlinburgs leben auf einer Fläche von gut 120 km². Durch die Eingemeindung von Gernrode und Bad Suderode reicht die Stadtgrenze bis weit in den Unterharz.

Die beeindruckende Sandsteinformation Teufelsmauer liegt knapp sieben Kilometer südwestlich von Quedlinburg. Sie gehört zu den interessanten Sehenswürdigkeiten in Quedlinburg und Umgebung. Rund um Quedlinburg gibt es zahlreiche Naturdenkmäler, aber die Teufelsmauer ist etwas Besonderes. Viele Sagen und Mythen ranken sich um die bizarren Felsen.

Historische Entwicklung

Von der Vorzeit bis zum Mittelalter

Die Geschichte Quedlinburgs im nördlichen Harzvorland umfasst mehr als 1000 Jahre seit Gründung der Stadt und lässt sich darüber hinaus bis zu den vorgeschichtlichen Siedlungsplätzen zurückverfolgen. Als Sitz der Äbtissin des Quedlinburger Damenstiftes und besonders als zu Ostern besuchte Königspfalz der weltlichen Herrscher, insbesondere der Ottonen, nahm Quedlinburg vom 10. bis zum 12. Jahrhundert einen besonderen Rang ein.

Die ersten Siedlungsspuren reichen bis in die Altsteinzeit zurück. Die Gegend war fast durchgehend besiedelt. Die ertragreichen Böden machten die Gegend für Siedler während des Neolithikums besonders interessant.

Die erste schriftliche Erwähnung Quedlinburgs erfolgte 922 in einer Urkunde König Heinrichs I. Das über tausendjährige Quedlinburg an der Straße der Romanik hat eine überaus reiche Geschichte. Hier wurde dem ersten deutschen König Heinrich I. die Königskrone angetragen, hier hatten die Ottonen ihre bevorzugte Königspfalz, von hier aus wurde im Mittelalter große Politik gemacht und hier wurde Heinrich I. begraben. Seine Frau Mathilde hat in den 32 Jahren, die sie ihn überlebte, ein weltliches Damenstift auf dem Burgberg eingerichtet.

Quedlinburg war ein ganz besonderer Ort für die Ottonen: Es war die Lieblingspfalz Heinrichs I. und beginnend mit der Herrschaftszeit Ottos I. bis zum 11. Jahrhundert die traditionelle Osterpfalz der Ottonen. Hier feierten die Herrscher das wichtigste kirchliche Fest und hielten glanzvolle Hoftage.

Während der Ottonenherrschaft wurden 69 königliche bzw. kaiserliche Aufenthalte in Quedlinburg dokumentiert. Nach Heinrichs I. Tod im Jahr 936 errichtete dessen Witwe Mathilde in Quedlinburg ein Damenstift, dessen Leitung sie bis 966 übernahm. In der Stiftskirche wurden der Leichnam Heinrichs und später auch ihr eigener bestattet.

Die Enkelin Heinrich I. wurde 966 erste Äbtissin. 994 erfolgte die Verleihung des Markt-, Münz- und Zollrechtes durch Kaiser Otto III., um 1000 entstand die Altstadt.

Vom Mittelalter zur Frühen Neuzeit

Quedlinburg war im Mittelalter eine der wichtigsten Königs- und Kaiserpfalzen und eine wohlhabende Handelsstadt. Altstadt und Neustadt verschmolzen 1330 zu einer Doppelgemeinde mit gemeinsamer Stadtmauer.

Die Stadt wurde 1426 Mitglied der Hanse. Das Quedlinburger Stift stritt häufig um die Unabhängigkeit der Stadt, die die Hilfe des Bistums Halberstadt suchte. 1477 brach Äbtissin Hedwig mit Hilfe ihrer Brüder Ernst und Albert den Widerstand der Stadt. Quedlinburg musste die Hanse verlassen und wurde anschließend vom Kurfürstentum Sachsen geschützt. Sowohl Stadt als auch Stift konvertierten 1539 während der protestantischen Reformation zum Luthertum.

Quedlinburg erlebte während und unmittelbar nach dem Dreißigjährigen Krieg einen wirtschaftlichen Aufschwung, im Zuge dessen zwischen 1620 und 1720 mehr Fachwerkhäuser als in jeder anderen vergleichbaren Stadt in der Region gebaut wurden.

1697 verkaufte Friedrich August I. von Polen-Sachsen seine Rechte an Quedlinburg für 240.000 Taler an Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg. Das Quedlinburger Stift bestritt jedoch im gesamten 18. Jahrhundert die Ansprüche Brandenburg-Preußens. Das Stift wurde 1802 während der deutschen Mediatisierung säkularisiert.

Industrialisierung und Neuzeit

Zur Zeit der Industrialisierung wuchs auch in Quedlinburg die wirtschaftliche Kraft. Es siedelten sich Unternehmen der Metallverarbeitung und Samenzucht an. Mit der Anbindung an das Eisenbahnnetz im 18./19. Jahrhundert wurde Quedlinburg von weltwirtschaftlicher Bedeutung im Saatzuchtbereich.

Im Laufe des 18. und besonders im 19. Jahrhundert entwickelte sich durch die Blumen- und Saatgutzucht ein beachtlicher Wohlstand, der städtebaulich in einer Reihe von Jugendstilvillen seinen Ausdruck fand. Durch den Niedergang des frühneuzeitlichen Bierbrauereiwesens standen große Lagerhallen für eine Umnutzung bereit.

Im Zweiten Weltkrieg befanden sich drei Außenstellen von Konzentrationslagern in der Stadt. Da die Amerikaner 1945 die Stadt widerstandslos einnahmen, kam es zu keiner Bombardierung und die Häuser der Stadt blieben unversehrt.

Quedlinburg wurde während der kommunistischen DDR von 1949 bis 1990 innerhalb des Bezirks Halle verwaltet. Mit der deutschen Wiedervereinigung 1990 wurde es Teil des Bundeslandes Sachsen-Anhalt.

Infolge der einseitigen Baupolitik in der ehemaligen DDR mit ihrer Orientierung auf industrielles Bauen wurde die Pflege der Fachwerkhäuser vernachlässigt. Durch den Widerstand der Bürger in der Zeit der politischen Wende im Herbst 1989 konnten großräumig geplante Abrisse im Nordteil der Altstadt verhindert werden. Nach dem Abbruchstopp erfolgten 1990 erste Sanierungsarbeiten. Seitdem werden zunehmend Fachwerkhäuser repariert und modernisiert.

Das UNESCO-Welterbe

Die Welterbestadt Quedlinburg ist ein Gesamtkunstwerk mittelalterlicher Stadtstruktur und außerdem ein bemerkenswertes Denkmal der Stadtbaugeschichte. Allein im Welterbegebiet prägen etwa 2.100 Fachwerkhäuser aus acht Jahrhunderten noch heute das Bild der Stadt.

Zum universellen Erbe der Menschheit gehören der Stiftsberg mit der Stiftskirche St. Servatii und Schloss, das Westendorf, die Altstadt und die Neustadt, der Münzenberg sowie St. Wiperti.

Seit 2015 trägt die Stadt den Titel „Welterbestadt„.

In einem enormen Kraftakt wurden von den Einwohnern der Welterbestadt Quedlinburg und der Stadtverwaltung bis heute zahlreiche Maßnahmen durchgeführt, sodass mittlerweile etwa 65 Prozent des Gebäudebestandes als saniert angesehen werden können. Gebäude und Freiflächen werden heute wieder zum Leben und Arbeiten genutzt.

Heute kann die Stadt stolz auf vorderste Plätze als „schönste Kleinstadt Deutschlands und Europas“ in den verschiedenen Rankings blicken. Die rund 24.000 Einwohner sind zu „24.000 Welterbeschützern“ geworden.

Die wichtigsten Bauwerke und Orte

Der Schlossberg

Der Stiftsberg überragt die Stadt und ist zugleich der Kern des UNESCO-Weltkulturerbes Quedlinburg. Mit seinem beeindruckenden Ensemble aus Schloss und Stiftskirche ist er einer der wichtigsten Orte deutscher und europäischer Geschichte. Heinrich baute Quedlinburg zu einem Zentrum frühottonischer Macht aus und wurde auf eigenen Wunsch in seiner Lieblingspfalz Quedlinburg bestattet.

Mit der Ernennung von Heinrich I. zum König im Jahr 919 ist die Existenz einer Burganlage auf dem Schlossberg verbrieft. Es war der Vorläufer des heutigen Schlosses. Im 16. und 17. Jahrhundert wurde die Anlage im Stil der Renaissance umgebaut. Heute befindet sich darin das Schlossmuseum.

Im ottonischen Kellergewölbe des Schlosses wird die umfangreiche Dauerausstellung „Auf den Spuren der Ottonen“ präsentiert.

Die Stiftskirche St. Servatii

Die Stiftskirche St. Servatius ist auch als Quedlinburger Dom bekannt und ein einzigartiges Zeugnis aus dem Mittelalter. Die Krypta und eine Kapelle sind über 1.000 Jahre alt. Die weithin sichtbare Kirche auf dem Schlossberg diente jahrhundertelang dem Quedlinburger Damenstift. Einige der Äbtissinnen waren Töchter oder Schwestern der ottonischen Kaiser und wurden ebenso in der Krypta bestattet wie König Heinrich I. und seine Gemahlin Mathilde.

Unbedingt sehenswert ist der Quedlinburger Domschatz mit dem Servatius-Reliquiar aus Elfenbein und Gold aus dem 9. Jahrhundert.

Der Domschatz wurde auf abenteuerliche Weise am Ende des Zweiten Weltkrieges gestohlen und auf ebenso spektakuläre Weise in den 90er Jahren in Texas aufgespürt und rückgeführt.

Die Altstadt

Die größte Sehenswürdigkeit ist die Stadt selbst. Auf einer Fläche von gut 80 Hektar können mehr als 2.000 malerische Fachwerkhäuser bewundert werden. Mit filigranen Schnitzereien verzierte Gebäude aus acht Jahrhunderten liefern Beispiele aller Stilrichtungen und erzählen Geschichten aus der Renaissance, dem Barock, dem Rokoko und dem Klassizismus.

Der Marktplatz bildet das eindeutige Zentrum Quedlinburgs. Für Leben sorgen die rundum platzierten Einkehrmöglichkeiten, Geschäfte und einige Marktstände. Das Quedlinburger Rathaus mit seiner weinumrankten Fassade und dem Renaissanceportal samt Stadtwappen ist der absolute Blickfang am Markt. Urkundlich wurde es zum ersten Mal 1310 erwähnt.

Der Münzenberg

Spuren der romanischen Klosterkirche St. Marien findet man auf dem Münzenberg. Im 16. Jahrhundert wurde dieses Kloster im Zuge der Reformation aufgehoben und verlassen. Einfache Leute siedelten sich auf dem Münzenberg und in den ehemaligen Klostergebäuden an. Bis heute prägen kleine Fachwerkhäuser dieses sehenswerte Viertel.

Die mittelalterliche Krypta ist erhalten und wurde in das Münzenberg-Museum integriert. Eine sagenhafte Aussicht auf Dom, Schloss und Altstadt hat man vom Münzenberg aus.

Die Kirche St. Wiperti

Die Kirche St. Wiperti mit der sehenswerten Krypta zählt zu den Top-Attraktionen in Quedlinburg. Sie befindet sich südwestlich des Burgberges und ist eng mit dem Herrscherhaus der Ottonen verknüpft.

Die romanische St. Wipertikirche, deren Grundriss im Wesentlichen auf die alte ottonische Kirche der Kaiserpfalz zurückgeht, ist als ein authentisches Zeugnis des Wirkens der ottonischen Könige und Kaiser erhalten geblieben.

Wirtschaft und Bedeutung heute

Saatzucht und Forschung

Jahrhundertelange Erfahrung in Saatzucht und Pflanzenforschung sowie privilegierte klimatische Bedingungen im Regenschatten des Harzes machen die Region zu einem herausragenden Standort für innovative Ansätze in Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie. Historisch gesehen ist die Welterbestadt Quedlinburg die „Wiege der deutschen Saatzucht„. Diese Bedeutung setzt sich bis heute fort. Mit dem Hauptsitz des Julius-Kühn-Instituts (Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen) und dem Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung befindet sich eine Ballung wissenschaftlicher Expertise in der Region.

Die fruchtbaren Lössschwarzerden und die besondere klimatische Lage begünstigten die Entwicklung der Stadt zu einem bedeutenden Standort der Saatzucht. Erhalten hat sich bis heute der Markenname „Quedlinburger Saatgut“.

Neben Gartenbaufirmen beliefern Unternehmen Fachfirmen auf der ganzen Welt. Die Traditionen der Quedlinburger Saatzucht werden mit den innovativen Methoden der Gegenwart fortgeführt.

Tourismus

Nach Zahl der Beschäftigten ist der Tourismus einer der wichtigsten Wirtschaftszweige. 473.145 Übernachtungen wurden vom Statistischen Landesamt Sachsen-Anhalt 2018 in Beherbergungsbetrieben gezählt.

Wirtschaftlich stark ist die Stadt vor allem in den Bereichen Tourismus, Kunststofftechnik, Gesundheitswirtschaft, Einkaufen und Tagen, Metallbearbeitung, Bauwirtschaft und Saatzucht.

Kulturelle Einrichtungen und Museen

Am Fuß des Schlossbergs befindet sich die Lyonel-Feininger-Galerie. Die Sammlung des Museums beherbergt den umfangreichsten Bestand von Grafiken des Künstlers Lyonel Feininger (1871-1956), einem der bedeutendsten Vertreter der „Klassischen Moderne“. Ergänzt wird die Sammlung durch Arbeiten anderer Künstler der Klassischen Moderne, darunter Lovis Corinth, Wassily Kandinsky, Paul Klee und Emil Nolde.

Das Fachwerkmuseum Ständerbau stellt eine der weniger bekannten Sehenswürdigkeiten dar. Es gibt Einblick über die Entwicklung des Fachwerkbaus vom Mittelalter bis in die heutige Zeit.

Zu den weiteren Museen gehört das Klopstockhaus. Der Quedlinburg Rundgang führt durch das UNESCO-Weltkulturerbe und verbindet die verschiedenen kulturellen Stätten der Stadt.

Verkehrsanbindung

Seit 2006 ist die Kernstadt angebunden an das Netz der Harzer Schmalspurbahnen. Die knapp 9 km lange Streckenverlängerung zum Bahnhof Gernrode entstand auf dem Bahndamm der 2004 stillgelegten Eisenbahnverbindung von Quedlinburg nach Frose. Von Gernrode aus hatte die Gernrode-Harzgeroder Eisenbahn-Gesellschaft 1887 begonnen, die Selketalbahn zu bauen.

Wer die Welterbestadt zum Ziel hat, nutzt die Bahnstrecke Magdeburg-Thale, vielfältige Busverbindungen oder den PKW. Mit Quedlinburg-Ost und Quedlinburg-Mitte verfügt die Stadt über zwei Anschlussstellen an die Bundesautobahn A 36 von Braunschweig nach Bernburg (Saale). Von der Anschlussstelle Quedlinburg-Mitte gelangt man im Verlauf der Bundesstraße B 79 nach Halberstadt.

Die Stadt ist aus allen Richtungen schnell erreichbar. Die Flughäfen Halle/Leipzig, Hannover und Berlin sind nur 100 bis 215 km entfernt.

Bekannte Persönlichkeiten

Quedlinburg ist der Geburts- oder Wirkungsort vieler bedeutender Persönlichkeiten:

  • Friedrich Gottlieb Klopstock (1724–1803), Dichter und Zeitgenosse von Johann Wolfgang von Goethe
  • Dorothea Erxleben (1715–1762), die erste weibliche promovierte Ärztin in Deutschland
  • Johann Christoph Friedrich GutsMuths (1759–1839), der „Großvater des Turnens“
  • Carl Ritter (1779–1859), Begründer der wissenschaftlichen Geografie

Quellen

  1. Offizielle Seite der Welterbestadt Quedlinburg
  2. Kultur Sachsen-Anhalt – UNESCO Weltkulturerbe Quedlinburg
  3. Sachsen-Anhalt Tourismus – Quedlinburg
  4. Harzverband e.V. – Quedlinburg