Das Kondom ist ein dünner Überzug aus Latex oder anderen Materialien, der vor dem Geschlechtsverkehr über den erigierten Penis gerollt wird. Moderne Kondome sind aus Naturkautschuklatex (Kautschuk) hergestellt, einem milchigen Saft aus der Rinde von Gummibäumen. Es gehört zu den ältesten und meistverwendeten Verhütungsmitteln der Welt und schützt als einziges sowohl vor ungewollten Schwangerschaften als auch vor sexuell übertragbaren Krankheiten wie HIV/AIDS, Syphilis oder Gonorrhö.
Wie alt ist die Idee vom geschützten Sex?
Die Geschichte des Kondoms reicht tausende Jahre zurück. Die Geschichte der Kondome lässt sich bis in die Antike zurückverfolgen, einige Statuen z.B. im alten Ägypten lassen schon eindeutig „bekleidete“ Penisse erkennen. Noch viel früher gibt es Aufzeichnungen aus Frankreich, hier entdeckte man auf Höhenmalereien in Les Combarelles eingehüllte Penisse. Die Malereien sind circa 14.000 Jahre alt.
Als erster richtiger Kondombenutzer wird oft König Minos von Kreta genannt. Der griechischen Sage zufolge schützte er seine Frau Pasiphae mit einer Art Kondom aus einer Ziegenblase, da sein zuerst vergossener Samen laut Überlieferung tödlich war. Aber diese frühen Schutzhüllen waren noch weit entfernt von dem, was wir heute kennen. Zum Einsatz kamen auch Leder oder Metall, Blätter und Stroh. Deren Wirksamkeit als Verhütungsmittel war jedoch begrenzt, und flächendeckende Verbreitung fanden sie sicherlich nicht.
Im 16. Jahrhundert bekam die Kondom-Idee neuen Schwung. Insbesondere die Syphilis war im 16. Jahrhundert eine schreckensbringende Seuche und brachte den italienischen Arzt Falloppio auf die Idee zum Schutz vor der Krankheit in Flüssigkeit getränkte Säckchen aus Leinen beim Geschlechtsverkehr über dem Penis zu verwenden.
Mitte des 17. Jahrhunderts empfahl ein englischer Hofarzt Kondome aus Hammeldärmen und wurde dafür zum Ritter geschlagen. Der berühmte Casanova nutzte im 18. Jahrhundert Kondome aus Tierdarm für seine Liebschaften. Giovanni Giacomo Casanova (1725-1798), der wohl berühmteste Schürzenjäger seiner Zeit, benutzte zum Schutz vor Syphilis Kondome aus Tierdarm. Überliefert ist, dass er sie vor ihrem Einsatz aufblies, um sich von ihrem einwandfreien Zustand zu überzeugen (und um die anwesenden Damen zu erheitern).
Der große Durchbruch mit Gummi
Die Revolution kam Mitte des 19. Jahrhunderts. Der absolute Durchbruch für das Kondom kam Mitte des 19. Jahrhunderts: Charles Goodyear entwickelte das Verfahren der Vulkanisation für den Pflanzensaft Kautschuk. Damit ließ sich Kautschuk-Latex (Gummi) als elastisches, wasserdichtes Material nutzen – nicht nur für den Autoreifen, sondern auch für das Kondom. 1855 führte Goodyear der Welt das erste Gummi-Kondom vor, 1870 wurde es vermarktet.
Diese ersten Gummikondome waren noch relativ dick – etwa 1 bis 2 Millimeter – und hatten eine Längsnaht. Aber sie waren ein gewaltiger Fortschritt. Sie waren wiederverwendbar und mussten nach Gebrauch gewaschen, getrocknet und gepflegt werden. Ein echtes Luxusgut also.
Julius Fromm gelang 1912 ein weitere bahnbrechende Erfindung: Für die Produktion der Kondome tauchte er einen Glaskolben in die Latexlösung. Das Ergebnis: Hauchdünne Kondome mit Reservoir und ohne Naht. Das war die Geburtsstunde des modernen Kondoms, wie wir es heute kennen.
In den 1920er Jahren kam dann der nächste technische Sprung. In den 1920ern kam ein verbessertes Produktionsverfahren auf, bei dem Gummi in Wasser suspendiert wurde. Die daraus entstehenden Latexkondome waren billiger und einfacher herzustellen und verdrängten in kurzer Zeit die traditionellen Kondome.
Kondome und die Weltkriege
Die beiden Weltkriege spielten eine wichtige Rolle bei der Verbreitung von Kondomen. In den beiden Weltkriegen statteten die meisten Kontrahenten ihre Soldaten mit Kondomen aus, um die Kampfkraft zu erhalten. Vor allem Syphilis und Gonorrhö verursachten viele Ausfälle. Millionen Soldaten bekamen Kondome – oft war das ihr erster Kontakt mit diesem Verhütungsmittel.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Kondome technisch weiter verbessert. In den 1950er Jahren erfuhren Kondome eine Veränderung, durch die sie enger, dünner und gleitfähiger wurden. Außerdem wurde eine Reservoirspitze eingeführt, die Sperma auffängt und so das Risiko von Auslaufen und einer ungewollten Schwangerschaft verringert. Die Wandstärke schrumpfte auf die heutigen 0,04 bis 0,08 Millimeter. Sie wurden feuchtigkeitsbeschichtet und damit angenehmer in der Anwendung.
AIDS macht das Kondom zur Lebensrettung
Die 1980er Jahre brachten die größte Wende in der Geschichte des Kondoms. Die geschätzte Zahl von HIV-Neuinfektionen in Deutschland stieg Anfang der 1980er Jahre massiv auf geschätzt über 5.000 Fälle pro Jahr an. Mit dem Auftreten von HIV/AIDS wurde das Kondom plötzlich nicht mehr nur ein Verhütungsmittel – es wurde zum Lebensretter.
In Deutschland spielte Rita Süssmuth als Gesundheitsministerin eine entscheidende Rolle. Bereits im November 1985 lässt Süssmuths Ministerium eine Broschüre über AIDS an alle Haushalte in Deutschland verteilen. Die Broschüre informiert über die Infektion und Ansteckungswege, darüber, wie man sich schützen kann – etwa durch Kondome – und was Infizierte beachten sollten. Aber es war ein harter Kampf: „Das Wort Kondom zu gebrauchen kam fast einem Rausschmiss aus dem Amt gleich.“
Ab 1985 kam das Kondom in den Fokus der Aidshilfen und Öffentlichkeit als wirksamer Schutz gegen eine HIV-Infektion. Die Aidshilfe verfolgte hier die Strategie, Leben durch Safer Sex zu retten. Die Kampagne „Gib AIDS keine Chance“ startete 1987 und wurde zur erfolgreichsten Gesundheitskampagne Deutschlands. „GIB AIDS KEINE CHANCE“ ist die größte und umfassendste Kampagne zur gesundheitlichen Aufklärung in Deutschland. Sie besteht seit 1987, ihr Logo ist heute mehr als 90 Prozent der Bevölkerung bekannt.
Ein legendärer TV-Spot von 1989 mit Hella von Sinnen und Ingolf Lück machte Geschichte: In Deutschland geht der Werbespot „Supermarkt“ mit Ingolf Lück und Hella von Sinnen „viral“. Im Rahmen der „Gib AIDS keine Chance“-Kampagne wird zur Primetime durch einen Supermarkt geschrien „Rita, was kosten die Kondome?“ um auf die Verwendung ebendieser zum Schutz vor AIDS hinzuweisen.
Die Wirkung war durchschlagend. Im Zeichen von Aids erhöhte sich der Kondomabsatz in Deutschland von 1986 auf 1987 um 59 Millionen auf insgesamt 155 Millionen Stück. Das Kondom wurde vom verschämten Geheimnis zum normalen Hygieneartikel. Seien Kondome in den 80er Jahren noch verschämt unter dem Ladentisch oder in Automaten auf öffentlichen Toiletten verkauft worden, so seien sie heute ein völlig akzeptierter Hygieneartikel.
Wie wird ein Kondom heute hergestellt?
Die moderne Kondomproduktion ist ein hochkomplexer Prozess. Kondome werden aus einem natürlichen, nachwachsenden Rohstoff hergestellt, der als eine Art „milchiger“ Saft aus der Rinde von Kautschukbäumen gewonnen wird, die in Plantagen in tropischen Gebieten angebaut werden. Um den Rohstoff zu gewinnen, werden Schnitte in die Rinde des Kautschukbaums gemacht und der Saft, der in Tropfen austritt, wird in Behältern aufgefangen, die direkt am Stamm angebracht sind. Nach dieser Ernte wird der flüssige Naturkautschuklatex in großen Tanks gesammelt, zentrifugiert und mit Ammoniak stabilisiert, um per Seetransport in alle Welt verschickt zu werden.
Der Produktionsprozess selbst ist faszinierend. Über den Tanks verlaufen endlose Ketten, an denen die Glas-Tauchformen befestigt sind. Diese Glasformen, die die Form des jeweiligen zu produzierenden Kondomtyps aufweisen, werden in die Mischung getaucht. Die Glasformen werden mehrfach in die Latexmischung getaucht, bis die richtige Wandstärke erreicht ist.
Dann kommt die Qualitätskontrolle. Im nächsten Arbeitsschritt werden alle Kondome einzeln auf elektrisch leitfähige Metallformen aufgespannt und einer vollautomatischen, elektronischen Einzelprüfung unterzogen. Auf diese Weise lassen sich kleinste Löcher und auch Stellen, an denen die Latexfolie des Kondoms zu dünn ist, erkennen. Nur die Kondome, die bei den an dieser Produktionsstation durchgeführten Prüfungen keine Mängel aufweisen, werden aufgerollt und stehen für die weitere Verarbeitung bereit. Jedes einzelne Kondom wird elektronisch getestet!
Was macht ein Kondom sicher?
In Deutschland und Europa gelten strenge Normen für Kondome. Jedes in Deutschland verkaufte Kondom wird elektronisch auf Fehler getestet. Die Prüfung erfolgt nach der strengen DIN EN ISO 4074 Norm. Zusätzlich wird jede Produktionscharge stichprobenartig kontrolliert.
Die Anforderungen sind beeindruckend. Laut der europäischen Norm EN 600 muss jedes einzelne Präservativ so stabil sein, dass 18 Liter Luft hineinpassen. Bei diesem Test dehnt sich ein 150 Millimeter langes Kondom auf über 550 Millimeter Länge!
Moderne Kondome sind hauchdünn – zwischen 0,04 und 0,1 Millimeter. Standarddicke eines Kondoms ist 0,06 mm. Inzwischen gibt es aber sogar Kondome von unter 0,04 mm Wandstärke – noch einen Hauch dünner und von manchen Paaren als besonders gefühlsecht geschätzt.
Wichtig für die Sicherheit ist auch das CE-Zeichen. Dann bekommt das Produkt als Qualitätssiegel das CE-Zeichen, ohne das Präservative seit 1998 gar nicht mehr in den Handel gebracht werden dürfen. Ohne dieses Zeichen dürfen Kondome in Europa nicht verkauft werden.
Verschiedene Kondome für verschiedene Bedürfnisse
Heute gibt es Kondome in allen möglichen Varianten:
- Verschiedene Größen: Von XS bis XXL – für jeden Penis die passende Größe
- Verschiedene Oberflächen: Genoppte oder gerippte Kondome sorgen für ein Extra an Stimulation. Manche Kondome haben auch abschnittsweise beides – Rillen und Noppen.
- Verschiedene Materialien: Latex, Polyurethan oder Polyisopren für Allergiker
- Verschiedene Beschichtungen: Mit oder ohne Gleitmittel, mit Aromastoffen oder spermiziden Substanzen
- Verschiedene Wandstärken: Von ultradünn bis extra stark
Die richtige Größe ist besonders wichtig. Ein zu kleines Kondom kann reißen, ein zu großes kann abrutschen. Beides gefährdet den Schutz.
Wie sicher sind Kondome wirklich?
Der Pearl-Index gibt an, wie sicher ein Verhütungsmittel ist. Der Pearl-Index von Kondomen liegt bei 2 bis 18, das bedeutet, dass von 100 Frauen, die ein Jahr lang mit Kondom verhüten, zwei bis achtzehn Frauen schwanger werden.
Warum diese große Spanne? Der Unterschied liegt in der Anwendung. Bei perfekter Anwendung liegt der Pearl-Index bei etwa 2 – das ist sehr sicher. Bei perfekter Anwendung liegt die Verhütungssicherheit bei 98%. Das bedeutet: Von 100 Frauen, die ein Jahr lang ausschließlich mit Kondom verhüten, werden zwei schwanger.
Die meisten Pannen passieren durch Anwendungsfehler:
- Falsches Überziehen
- Beschädigung beim Auspacken
- Verwendung mit ungeeigneten Gleitmitteln
- Falsche Lagerung
- Verwendung nach dem Haltbarkeitsdatum
Kondome in der heutigen Zeit
Seit den 2000er Jahren ist eine beunruhigende Entwicklung zu beobachten. Seit den Nullerjahren sind viele Geschlechtskrankheiten wieder auf dem Vormarsch: u.a. Genital-Herpes und HPV (humane Papillomviren), Chlamydien, Syphilis und Gonorrhoe. Weltweit stecken sich jeden Tag mehr als 1 Million Menschen zwischen 15 und 49 Jahren mit einer sexuell übertragbaren Erkrankung an.
Trotzdem sind Kondome in Deutschland beliebter denn je. Aktuelle Zahlen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zeigen: Das Kondom hat in Deutschland die „Pille“ als beliebtestes Verhütungsmittel abgelöst. Diese Entwicklung verdeutlicht den Wunsch vieler Menschen nach einer hormonfreien und gleichzeitig sicheren Verhütungsmethode.
Die Kosten sind überschaubar. Ein Kondom kostet im Durchschnitt zwischen 0,50 und 1 Euro. Im Vergleich dazu fallen für die Pille monatliche Kosten zwischen 5 und 22 Euro an.
Richtige Anwendung ist alles
Die korrekte Anwendung ist entscheidend für die Sicherheit. Hier die wichtigsten Punkte:
Vor dem Sex:
- Haltbarkeitsdatum prüfen
- Verpackung vorsichtig öffnen (nicht mit Zähnen oder scharfen Gegenständen)
- Richtige Seite erkennen (das Kondom muss sich abrollen lassen)
Beim Überziehen:
- Nur auf den erigierten Penis
- Vorhaut zurückziehen (bei unbeschnittenen Männern)
- Reservoir (Zipfel) zusammendrücken, um Luft zu entfernen
- Komplett abrollen bis zur Peniswurzel
Nach dem Sex:
- Penis noch im erigierten Zustand herausziehen
- Kondom dabei am Ring festhalten
- Im Restmüll entsorgen (nicht in der Toilette!)
Wichtige Tipps für die Sicherheit
Lagerung ist wichtig. Kondome mögen es kühl und trocken. Nicht in der Sonne, nicht in der Brieftasche (dort werden sie gequetscht), nicht im heißen Auto.
Gleitmittel müssen kondomverträglich sein. Mit Latexkondom auf öl- und fetthaltige Gleitmittel verzichten, da diese das Gummi schädigen können. Nur wasserbasierte oder silikonbasierte Gleitmittel verwenden.
Haltbarkeit beachten. Kondome sind bei richtiger Lagerung etwa 3-5 Jahre haltbar. Das Haltbarkeitsdatum ist auf jeder Verpackung aufgedruckt. Nach dem Öffnen der Großpackung bleiben die einzeln verpackten Kondome weiterhin bis zum aufgedruckten Datum haltbar.
Ein Kondom pro Akt. Niemals ein Kondom mehrfach verwenden oder zwei übereinander ziehen.
Wer kann Kondome kaufen?
Eine häufige Frage, besonders von Jugendlichen: Ab wann darf man Kondome kaufen? Für den Kauf von Kondomen gibt es keine Altersbeschränkung – weder per Gesetz noch in den Geschäftsbedingungen der großen Handelsketten. Das bedeutet, dass auch Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren Kondome im Laden oder Online kaufen dürfen.
Das ist wichtig und richtig. Jugendliche, die sexuell aktiv werden, sollen sich ohne Hürden schützen können.
Die gesellschaftliche Bedeutung heute
Kondome sind heute mehr als nur ein Verhütungsmittel. Sie sind ein Symbol für:
- Verantwortungsbewussten Umgang mit Sexualität
- Respekt vor sich selbst und dem Partner
- Gesundheitsbewusstsein
- Selbstbestimmung
Das Kondom hat einen langen Weg hinter sich – von der Ziegenblase über den Hammeldarm bis zum hochmodernen Latexprodukt. Es hat Weltkriege überstanden, die AIDS-Krise gemeistert und ist heute akzeptierter und wichtiger denn je.
Mit neuen Entwicklungen wie veganen Kondomen (ohne Casein aus Milch), Fair-Trade-Latex und immer dünneren, gefühlsechteren Materialien geht die Innovation weiter. Aber das Grundprinzip bleibt gleich: Ein dünner Schutz, der große Sicherheit bietet.
Das Kondom bleibt auch im 21. Jahrhundert unverzichtbar. Es ist das einzige Verhütungsmittel, das gleichzeitig vor Schwangerschaft und Krankheiten schützt. In einer Zeit, in der sexuell übertragbare Infektionen wieder zunehmen und viele Menschen hormonfrei verhüten wollen, ist das Kondom wichtiger denn je.
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