Was bedeutet FLINTA?

FLINTA ist ein Akronym aus dem deutschsprachigen Raum, das für Frauen, Lesben, intersexuelle, nicht-binäre, trans und agender Personen steht. Der Asterisk repräsentiert alle nicht-binären Geschlechtsidentitäten. Der Begriff hat sich als wichtiges politisches Instrument etabliert, um Menschen sichtbar zu machen, die aufgrund ihrer Geschlechtsidentität patriarchal diskriminiert werden.

Was genau bedeutet FLINTA?

Der Begriff setzt sich aus mehreren Geschlechtsidentitäten zusammen. Jeder Buchstabe steht für eine bestimmte Gruppe von Menschen:

  • F – Frauen (alle Menschen, die sich als Frauen identifizieren, auch cis Frauen)
  • L – Lesben (weiblich gelesene Menschen mit homosexueller Orientierung)
  • I – Intergeschlechtliche Menschen (Menschen mit biologisch weiblichen und männlichen Geschlechtsmerkmalen)
  • N – Nicht-binäre Menschen (Menschen, die sich weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zuordnen)
  • T – Trans Menschen (Menschen, deren Geschlechtsidentität nicht mit dem bei Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt)
  • A – Agender Menschen (Menschen, die sich keinem Geschlecht zugehörig fühlen)

Gelegentlich ist die Kombination auch mit einem Genderstern ausgestattet: FLINTA*. Der Stern macht deutlich, dass weitere Geschlechtsidentitäten mitgemeint sind, die nicht explizit genannt werden.

Woher kommt der Begriff eigentlich?

Die Geschichte von FLINTA reicht weit zurück. Bestrebungen, feministische Bewegungen inklusiver zu machen gibt es bereits seit über vierzig Jahren. Frühere feministischen Bewegung machten vor allem die Situation von cis Frauen sichtbar und kämpften für mehr Gleichberechtigung spezifisch für diese Frauen. Durch die erhöhte Sichtbarkeit der Lesbenbewegung und das Aufkommen queerfeministischer Diskurse in den 1980er Jahren wurde jedoch deutlich, dass der Begriff „Frau“ nicht alle Menschen umfasst, die durch das Patriarchat unterdrückt werden, und nicht allen Marginalisierungserfahrungen gerecht werden kann.

Anfang der 1970er Jahre entstanden in Westdeutschland und West-Berlin die ersten sogenannten Frauenräume. Diese Räume wurden geschaffen, damit Frauen sich außerhalb patriarchalischer Strukturen treffen konnten. Aus diesen Frauenräumen gingen viele Projekte hervor, darunter Lesbengruppen, Frauencafés und 1976 die erste Frauenhaus in West-Berlin.

Die Entwicklung ging dann schrittweise weiter. Durch diesen Wandel des Geschlechterverständnisses wurden auch gesellschaftliche Bewegungen inklusiver, und inter, trans, nicht-binäre und agender Personen wurden in feministischen Kämpfen sichtbarer. Begriffe wie Frauen und FrauenLesben wurden um Geschlechtsidentitäten ergänzt und Kürzel wie FLIT, FLTI oder FLTI setzten sich durch. Um das Jahr 2017 herum entstand schließlich die Abkürzungen FLINT und FLINTA, welche mittlerweile am gebräuchlichsten sind.

Warum ist das L für Lesben dabei?

Eine oft gestellte Frage ist, warum Lesben als sexuelle Orientierung extra genannt werden. Das hat historische Gründe. Lesben, die die Lesbenbewegung der 1970er und 1980er Jahre und deren Kampf um Sichtbarkeit lesbischer Frauen mitgemacht haben, sehen im Wort lesbisch jedoch ihre geschlechtliche Identität. Sie möchten auf das L in FLINTA nicht verzichten.

In den frühen feministischen Bewegungen und späteren radikalfeministischen Ansätzen wurden vor allem endo-cis Frauen in den Fokus genommen, also Frauen, denen bei Geburt das normative Geschlecht Frau zugewiesen worden ist und die sich als solche auch identifizieren. Immer wieder mussten Lesben und trans Personen in dieser Bewegung um Sichtbarkeit kämpfen, die in der cis-heteronormativ dominierten zweiten Frauenbewegung oft Ausschluss erfahren mussten.

Was sind FLINTA-Räume und warum gibt es sie?

Immer häufiger liest man bei Veranstaltungsbeschreibungen „FLINTA Only“, cis Männer sind also nicht erwünscht. Diese Räume sollen den betreffenden Personen die Möglichkeit geben, über ihre Marginalisierungserfahrungen zu sprechen, sich miteinander zu solidarisieren und keine Angst vor Diskriminierung durch cis Männer haben zu müssen. Sie sind Schutzraum und Ort des Empowerments in einem.

Diese Räume gibt es mittlerweile in vielen deutschen Städten:

Berlin – Die Stadt der FLINTA-Veranstaltungen

Berlin hat eine besonders lebendige FLINTA-Szene entwickelt. Girls Town hat es sich zur Aufgabe gemacht auf ihren Partys einen Safer Space für FLINTA zu schaffen und wir lieben es! Solltet ihr also Bock auf eine wilde Nacht ohne ekliges plumpes Angegrabe haben, dann schaut unbedingt mal auf ihrer Website vorbei.

Direkt am Kotti befindet sich die beliebte Bar Möbel Olfe. In der Queerszene ist sie legendär und glänzt nicht nur durch den Charme eines alten Möbelhauses, sondern auch durch polnisches Bier und wechselnde Themenabende. Auch wenn der wöchentliche FLINTA Tuesday schon eine Weile kein Geheimtipp mehr ist, macht es jede Woche aufs neue Spaß hier ein Feierabendbierchen zu genießen.

Versteckt in einem Hinterhof in Kreuzberg liegt der Boulderklub, der zu den zentralsten Kletterspots in Berlin gehört. Solltet ihr noch nicht so erfahren sein, könnt ihr eure Skills mit Kursen auch aufs nächste Level bringen. Es gibt sogar spezielle FLINTA-Kurse und -Abende, damit sich alle wohl und sicher fühlen.

Workshops und Bildungsangebote

Trotz eines vielfältigen Kulturprogramms und engagierter Akteurinnen sind FLINTA auf Bühnen und in technischen Berufen der Veranstaltungsbranche weiterhin deutlich unterrepräsentiert. Um dem aktiv entgegenzuwirken, starten wir ab Mai 2025 gemeinsam mit dem Schlachthof das FLINTA Music Lab – eine Workshopreihe für alle FLINTA, die sich ganz allgemein für Musik, Technik und alles hinter, vor und auf der Bühne interessieren.

Die verschiedenen Perspektiven und Diskussionen

Der Begriff FLINTA ist nicht ohne Kontroversen. Es gibt verschiedene Kritikpunkte, die immer wieder diskutiert werden.

Das Problem mit der praktischen Umsetzung

Oft sagen oder schreiben Menschen aber „FLINTA“ und meinen damit „irgendwie weiblich“, „Leute, die ich für Frauen halte“ oder „Menschen, die von den meisten anderen für Frauen gehalten werden“. Manchmal meinen sie auch „Menschen mit Vulva“, „Leute mit Brüsten“ oder „Personen, die menstruieren“. Wir sehen, die Geschichte des Begriffs sitzt tief. Das zeigt sich auch regelmäßig in Veranstaltungseinladungen, die sich an „FLINTA“ richten, gleichzeitig aber Männer – oder auch „nur“ cis Männer – explizit ausschließen.

Es ist gewaltvoll, Menschen die Zugehörigkeit zur Gruppe abzusprechen. Und es ist problematisch, eine so unterschiedliche Gruppe von Menschen unter einen Begriff zu fassen und zu erwarten, dass alle die gleichen Erfahrungen gemacht haben.

Die Kritik von verschiedenen Seiten

Häufig argumentieren cis Männer, die FLINTA-Räume ablehnen, dass diese Räume gegen das Prinzip der Gleichberechtigung verstoßen und Männer diskriminieren würden. Aber auch Angehörige verschiedener Feminismusströmungen, beispielsweise des cis Feminismus oder des trans exkludierenden Feminismus, sogenannte Terfs, stören sich an diesen Räumen. Gerade trans Personen und männliche gelesene inter, nicht-binäre und agender Personen können deswegen manchmal schwer abschätzen, ob sie bei „FLINTA Only“-Räumen willkommen sind oder im vermeintlichen Schutzraum mit Ablehnung rechnen müssen.

Eine Kritik besteht darin, dass die geschlechtliche Identität einer Person oft nicht von außen sichtbar ist und sich beispielsweise trans, intergeschlechtliche oder nicht-binäre Menschen outen müssen, wenn sie in FLINTA-Räumen Zutritt haben möchten.

FLINTA und sexuelle Orientierung – wo liegt der Unterschied?

Ein wichtiger Punkt zum Verständnis: FLINTA ist ein Begriff, der sich auf geschlechtliche Identität und nicht auf sexuelle Orientierung bezieht. Insgesamt geht es bei dem Begriff FLINTA nicht um sexuelle Orientierung, sondern um das Sichtbarmachen von Geschlechtsidentitäten.

Das bedeutet: FLINTA ist nicht dasselbe wie LGBTQIA+. Während LGBTQIA+ auch verschiedene sexuelle Orientierungen einschließt, konzentriert sich FLINTA auf Geschlechtsidentitäten und die gemeinsame Erfahrung von Diskriminierung im patriarchalen System.

Was macht FLINTA-Personen gemeinsam betroffen?

Die vielfältigen Identitäten, die unter dem Akronym FLINTA zusammengefasst werden, sind durch ihre Benachteiligung und strukturelle Diskriminierung im patriarchalischen System vereint. FLINTA sind jedoch keine homogene Gruppe, sondern unterschiedliche Identitäten, die unterschiedliche Lebensrealitäten haben und von unterschiedlichen Formen der Diskriminierung betroffen sind.

Die verschiedenen Gruppen erleben unterschiedliche Formen der Diskriminierung:

  • Während cis-Frauen beispielsweise durch Frauenfeindlichkeit diskriminiert werden, sind Transfrauen zusätzlich von Transphobie oder Transmisogynie betroffen.
  • Trans-, nicht-binäre und agender Menschen sind ebenfalls cis-sexistischer Diskriminierung ausgesetzt.
  • Lesben hingegen sind von Heterosexismus und Homophobie betroffen.

Aktuelle Entwicklungen und neue Räume

Die FLINTA-Bewegung wächst weiter. Um INTA-Personen vor der Diskriminierung durch cis Frauen zu schützen, werden seit neuestem auch spezifische Räume und Veranstaltungen nur für diese Gruppen angeboten.

Konkrete Beispiele aus der Praxis

In Bremen gab es 2020/2021 eine besetzte Immobilie, die als FLINTA-Raum genutzt werden sollte. Die „rosarote Zora“, eine anarchistische Flinta-Gruppe, hatte die Immobilie am 9. Oktober 2020 in Beschlag genommen – eine Soli-Aktion nach der Räumung des besetzten Hauses Liebigstraße 34 in Berlin. Nachdem Bremermann eine Räumungsklage zurückzieht, bildet sich ein weniger radikales Kollektiv, das, vermittelt über die Bausenatorin, mit dem Eigentümer über Möglichkeiten einer Zwischennutzung zum Aufbau eines Flinta-Raums verhandelt.

Die Bedeutung von Sprache und Solidarität

FLINTA ist ein Versuch sprachlicher Solidarität und zeigt, dass Sprache sich stetig verändern und damit auch immer ein Instrument politischer Kämpfe sein kann.

So hat sich über die Jahre ein Begriff im feministischen Sprachgebrauch entwickelt, der eine Bandbreite an geschlechtlichen Identitäten abdeckt. Sie alle haben eine zentrale Gemeinsamkeit: die Diskriminierung durch das Patriarchat. Der Begriff FLINTA schafft es so, ganz unterschiedliche Perspektiven zu vereinen. Diese sind so vielfältig, dass es unmöglich ist, sie unter dem cisgeschlechtlich und binär gedachten Begriff „Frau“ zu summieren.

Was bedeutet das für die feministische Bewegung?

Der Begriff FLINTA zeigt, wie sich feministische Kämpfe weiterentwickelt haben. FLINTA ist also ein sprachliches Abbild der Weiterentwicklung (queer-)feministischer Kämpfe – und vielleicht auch nicht der letzte Begriff, der unser feministisches Sprechen prägen wird.

Räume für FLINTA sollen Schutzräume für alle bieten, die patriarchal diskriminiert werden. Wichtig ist darin vor allem die Solidarisierung mit den jeweils anderen Perspektiven und das Bewusstsein, dass man den feministischen Kampf nur gemeinsam führen kann.

Die Diskussion um FLINTA zeigt auch, dass Inklusion ein fortlaufender Prozess ist. Es ist nicht ausreichend durchdacht, Menschengruppen nur als Buchstaben in ein Akronym aufzunehmen und es dann „nach Bauchgefühl“ zu verwenden. Frauen durch FLINTA zu ersetzen bringt nichts, wenn nicht auch die politische Analyse dahinter weiterentwickelt wird.

Praktische Tipps für den Umgang mit dem Begriff

Wenn du FLINTA-Räume organisieren oder besuchen willst, sind ein paar Dinge wichtig:

  1. Selbstbestimmung respektieren: Da nach dem äußeren Erscheinungsbild häufig nicht zu erkennen ist, wer sich wie definiert, kommt es auf Selbsteinschätzung oder Eigenwahrnehmung an.
  2. Klar kommunizieren: Bei der Organisation einer Veranstaltung und der Planung der Einladungspolitik kann es daher hilfreich sein, sich einige Fragen zu stellen: Welche Art von Veranstaltung plane ich, welche Inhalte werden behandelt? Wer ist die Zielgruppe meiner Veranstaltung, für wen sind die Inhalte relevant? Wie kann ich die Veranstaltung so gestalten, dass möglichst viele Perspektiven und Erfahrungen einbezogen werden und ein diskriminierungssensibler Raum für FLINTA geschaffen wird?
  3. Diskriminierungsfreiheit aktiv gestalten: Allerdings sind FLINTA-Räume nicht automatisch frei von Diskriminierung wie Heteronormativität, Homophobie, Transfeindlichkeit, Sexismus oder sogar Rassismus, Antisemitismus und Feindseligkeit gegenüber Menschen mit Behinderung.

Quellen:

Hier findest du weitere Informationen zum Thema FLINTA aus deutschen Quellen:

  1. Tagesspiegel Queer-Lexikon: Was bedeutet FLINTA?
  2. Friedrich-Ebert-Stiftung Gender Glossar
  3. Queer Lexikon: FLINTA
  4. Missy Magazine: Was heißt denn FLINTA?
  5. Büro für Gender und Diversity FAU