Prinz Andreas von Griechenland und Dänemark (griechisch: Ανδρέας; 2. Februar 1882 – 3. Dezember 1944) war ein Mitglied der griechischen Königsfamilie und eine bedeutende Persönlichkeit in der turbulenten Geschichte Griechenlands im frühen 20. Jahrhundert. Als siebtes Kind und vierter Sohn von König Georg I. und Königin Olga von Griechenland gehörte er sowohl dem griechischen als auch dem dänischen Königshaus an. Er war ein Enkel von König Christian IX. von Dänemark und der Vater von Prinz Philip, Herzog von Edinburgh, wodurch er eine wichtige Verbindung zwischen den europäischen Königshäusern darstellte. Sein Leben war geprägt von militärischer Laufbahn, politischen Turbulenzen, zweimaligem Exil und persönlichen Tragödien, die das Schicksal der griechischen Monarchie im 20. Jahrhundert widerspiegelten.
Frühe Jahre und königliche Abstammung
Andreas wurde am 2. Februar 1882 im Tatoi-Palast nördlich von Athen geboren, als Mitglied des Hauses Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg. Er war sowohl Prinz von Griechenland als auch von Dänemark, da sein Vater ein jüngerer Sohn von Christian IX. von Dänemark war. Diese doppelte königliche Abstammung positionierte ihn in der Thronfolge sowohl für den griechischen als auch, wenn auch entfernter, für den dänischen Thron.
Die Erziehung des jungen Prinzen war umfassend und mehrsprachig. Zusätzlich zu seiner Muttersprache Griechisch lernte Andreas Dänisch, Deutsch, Französisch, Englisch und Russisch. Bemerkenswert war seine patriotische Haltung schon in jungen Jahren: In Gesprächen mit seinen Eltern weigerte er sich, etwas anderes als Griechisch zu sprechen. Diese tiefe Verbundenheit mit seiner griechischen Identität sollte sein ganzes Leben prägen.
Er besuchte die Kadettenschule und das Stabskollegium in Athen und erhielt zusätzlichen Privatunterricht in militärischen Fächern von Panagiotis Danglis, der ihn als „schnell und intelligent“ beschrieb. Während seiner Ausbildung freundete er sich mit seinem Mitstudenten Theodore Pangalos an, dem späteren griechischen Diktator.
Militärische Laufbahn und die Balkankriege
Trotz seiner Kurzsichtigkeit trat Andreas im Mai 1901 als Kavallerieoffizier in die Armee ein. Seine militärische Karriere war nicht nur zeremonieller Natur, wie es bei vielen königlichen Familienmitgliedern üblich war. Seine Kommandopositionen waren substanzielle Ernennungen und nicht nur Ehrenämter, und er sah Dienst in den Balkankriegen.
Die Balkankriege stellten einen entscheidenden Moment in Andreas‘ militärischer Laufbahn dar. Die Balkankriege, die im frühen 20. Jahrhundert ausbrachen, sahen Prinz Andreas von Griechenland und Dänemark im aktiven Dienst wiedereingestellt. Diese Konflikte, die die Balkanliga gegen das Osmanische Reich stellten, waren entscheidende Momente in der europäischen Geschichte. Prinz Andreas von Griechenland und Dänemark diente mit Auszeichnung und erreichte den Rang eines Oberstleutnants.
Im Jahr 1914 hielt Andreas (wie viele europäische Prinzen) ehrenamtliche Militärposten sowohl im deutschen als auch im russischen Reich sowie preußische, russische, dänische und italienische Ritterschaften. Diese internationalen Verbindungen sollten sich während des Ersten Weltkriegs als problematisch erweisen.
Heirat und Familiengründung
Im Jahr 1902 traf Andreas Prinzessin Alice von Battenberg während seines Aufenthalts in London anlässlich der Krönung von Eduard VII., der sein Onkel durch Heirat und ihr Großonkel war. Prinzessin Alice war eine Tochter von Prinz Louis von Battenberg und Prinzessin Victoria von Hessen und bei Rhein, der Nichte von König Eduard.
Sie verliebten sich, und im folgenden Jahr, am 6. Oktober 1903, heiratete Andreas Alice in einer standesamtlichen Trauung in Darmstadt. Am folgenden Tag wurden zwei religiöse Trauungen durchgeführt: eine lutherische in der evangelischen Schlosskirche und eine weitere griechisch-orthodoxe in der russischen Kapelle auf der Mathildenhöhe.
Prinz und Prinzessin Andreas hatten fünf Kinder, die alle später selbst Kinder hatten:
- Prinzessin Margarita (1905–1981)
- Prinzessin Theodora (1906–1969)
- Prinzessin Cecilie (1911–1937)
- Prinzessin Sophie (1914–2001)
- Prinz Philip (geboren 1921)
Die Familie lebte zunächst in relativer Harmonie in Griechenland, wo Andreas seine militärische Laufbahn fortsetzte und Alice sich in der Wohltätigkeitsarbeit engagierte.
Erstes Exil und der Erste Weltkrieg
Das politische Klima in Griechenland wurde zunehmend instabil. Im Jahr 1913 wurde sein Vater ermordet und Andreas‘ älterer Bruder Konstantin wurde König. Während des Krieges erbte er nach der Ermordung seines Vaters eine Villa auf der Insel Korfu, Mon Repos, sowie eine Rente von 4.000 Pfund.
Sein Bruder, König Konstantin, der der Schwager des Kaisers war, verfolgte eine Neutralitätspolitik, aber die demokratisch gewählte Regierung von Venizelos unterstützte die Alliierten. Bis Juni 1917 war die Neutralitätspolitik des Königs so unhaltbar geworden, dass er abdankte und die griechische Königsfamilie ins Exil gezwungen wurde.
Während des Ersten Weltkriegs besuchte Andreas weiterhin Großbritannien, trotz verschleierter Anschuldigungen im britischen Unterhaus, er sei ein deutscher Agent. In den nächsten Jahren lebte der Großteil der griechischen Königsfamilie in der Schweiz.
Der Griechisch-Türkische Krieg und die Katastrophe von 1922
Nach einer kurzen Rückkehr nach Griechenland sah Andreas als Generalmajor Dienst im Griechisch-Türkischen Krieg (1919–1922). Dieser Konflikt sollte sich als verhängnisvoll für ihn und seine Familie erweisen. Die griechische Niederlage in Kleinasien im August 1922 führte zur Revolution vom 11. September 1922, während der Andreas verhaftet, vor ein Kriegsgericht gestellt und für schuldig befunden wurde, „einen Befehl missachtet“ und „auf eigene Initiative gehandelt“ zu haben während der Schlacht des Vorjahres.
Viele Angeklagte in den Hochverratsprozessen, die auf den Putsch folgten, wurden erschossen, einschließlich Hatzianestis und fünf hochrangiger Politiker. Britische Diplomaten nahmen an, dass Andreas ebenfalls in tödlicher Gefahr war. Die Situation war kritisch, und die internationale Gemeinschaft, insbesondere Großbritannien, intervenierte zu seinen Gunsten.
Zweites Exil und Leben in Frankreich
Andreas wurde zwar verschont, aber auf Lebenszeit verbannt, und seine Familie floh an Bord eines britischen Kreuzers, der HMS Calypso, ins Exil. Dies markierte den Beginn einer langen Periode der Verbannung, die den Rest seines Lebens prägen sollte.
Die Familie ließ sich in Saint-Cloud am Stadtrand von Paris nieder, in einem kleinen Haus, das ihnen von Andreas‘ wohlhabender Schwägerin, Prinzessin Georg von Griechenland, geliehen wurde. Er und seine Familie wurden ihrer griechischen Nationalität beraubt und reisten unter dänischen Pässen.
Im Jahr 1930 veröffentlichte Andreas ein Buch mit dem Titel „Towards Disaster: The Greek Army in Asia Minor in 1921“, in dem er seine Handlungen während der Schlacht von Sakarya verteidigte. Dieses Werk stellte seinen Versuch dar, seine militärische Ehre wiederherzustellen und seine Sicht der Ereignisse darzulegen, die zu Griechenlands katastrophaler Niederlage geführt hatten.
Familiäre Zerstreuung und persönliche Tragödien
Die Jahre des Exils waren für die Familie Andreas außerordentlich schwierig. Während ihrer Zeit im Exil wurde die Familie immer mehr zerstreut. Alice erlitt einen Nervenzusammenbruch und wurde in der Schweiz in eine Anstalt eingewiesen. Ihre Töchter heirateten und ließen sich in Deutschland nieder, getrennt von Andreas, und Philip wurde zur Schule nach Großbritannien geschickt, wo er von den britischen Verwandten seiner Mutter aufgezogen wurde.
Im Jahr 1930 wurde Prinzessin Andreas mit Schizophrenie diagnostiziert und in ein Sanatorium in der Schweiz eingewiesen; danach lebte sie getrennt von ihrem Ehemann. Die Behandlung seiner Frau war besonders kontrovers. Sowohl er [Binswanger] als auch Simmel suchten Rat bei Sigmund Freud, der zu dem Schluss kam, dass die Wahnvorstellungen von sexueller Frustration herrührten und vorschlug, „ihre Eierstöcke zu röntgen, um ihre Libido abzutöten“.
Bis 1930 war Andreas von seiner Frau, Prinzessin Alice von Battenberg, entfremdet. An der Französischen Riviera lebte Andreas in einer kleinen Wohnung oder in Hotelzimmern oder an Bord einer Yacht mit Gräfin Andrée de La Bigne. Seine Ehe mit Alice war praktisch vorbei, und nach ihrer Genesung und Entlassung kehrte sie nach Griechenland zurück.
Die letzten Jahre und familiäre Tragödien
Im Jahr 1936 wurde sein Exilurteil durch Notstandsgesetze aufgehoben, die auch Land und Renten an den König zurückgaben. Andreas kehrte im Mai für einen kurzen Besuch nach Griechenland zurück.
Das Jahr 1937 brachte eine weitere verheerende Tragödie. Im folgenden Jahr wurden seine schwangere Tochter Cecilie, sein Schwiegersohn und zwei seiner Enkelkinder bei einem Flugzeugunglück in Ostende getötet; er reiste nach London, um sich mit seinem sechzehnjährigen Sohn Prinz Philip zu treffen, und sie gingen zusammen nach Darmstadt, wo er Alice zum ersten Mal seit sechs Jahren bei der Beerdigung traf.
Der Zweite Weltkrieg und die endgültige Trennung
Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs verschärfte die familiäre Isolation noch weiter. Während des Zweiten Weltkriegs fand er sich im Wesentlichen in Vichy-Frankreich gefangen, während sein Sohn, Prinz Philip, auf der Seite der Briten kämpfte. Sie konnten sich weder sehen noch miteinander korrespondieren.
Sein einziger Sohn, Philip, diente während des Zweiten Weltkriegs in der britischen Marine, während alle vier seiner Töchter mit Deutschen verheiratet waren, von denen drei Nazi-Verbindungen hatten. Diese komplizierte Situation spiegelte die zerrissene Natur vieler europäischer Adelsfamilien während des Krieges wider.
Tod und Vermächtnis
Getrennt von seiner Frau und seinem Sohn durch die Auswirkungen des Krieges, starb Andreas 1944 in Monte Carlo. Er hatte keinen von beiden seit 1939 gesehen. Am 3. Dezember 1944 hauchte Prinz Andreas von Griechenland und Dänemark im Alter von 62 Jahren in Monte Carlo seinen letzten Atemzug aus.
Andreas wurde zunächst in der russisch-orthodoxen Kirche in Nizza beigesetzt, aber 1946 wurden seine sterblichen Überreste vom griechischen Kreuzer Averof zum königlichen Friedhof im Tatoi-Palast nahe Athen überführt.
Prinz Philip und der damalige Privatsekretär Mike Parker reisten nach Monte Carlo, um Gegenstände seines Vaters von Andrée de La Bigne abzuholen; darunter befanden sich: ein Siegelring, den der Prinz von da an trug, ein elfenbeinerner Rasierpinsel, den er zu benutzen begann, und einige Kleidungsstücke, die er umändern ließ, um sie ihm anzupassen. Andreas hinterließ seinem einzigen Sohn sieben Zehntel seines Nachlasses, aber er hinterließ auch eine Schuld von 17.500 Pfund, was Philips Großmutter mütterlicherseits, Victoria Mountbatten, Marchioness of Milford Haven, dazu veranlasste, sich bitter über die Verschwendung zu beklagen, zu der der griechische Prinz von seiner französischen Geliebten verleitet worden war.
Historische Bedeutung
Prinz Andreas‘ Leben spiegelte die turbulente Geschichte Griechenlands und Europas in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wider. Als professioneller Soldat erlebte er die Balkankriege, den Ersten Weltkrieg und den katastrophalen Griechisch-Türkischen Krieg. Seine zweimalige Verbannung aus Griechenland verdeutlichte die politische Instabilität des Landes und die prekäre Position der Monarchie.
Seine größte historische Bedeutung liegt jedoch in seiner Rolle als Vater von Prinz Philip, Herzog von Edinburgh. Im Jahr 1947 heiratete Andreas‘ Sohn Philip Prinzessin Elizabeth von Großbritannien, die heutige Königin Elizabeth II. Diese Verbindung schuf eine direkte Linie zwischen den griechischen und dänischen Königshäusern und der britischen Monarchie.
Dies macht Prinz Andreas zum Großvater väterlicherseits von König Charles III. des Vereinigten Königreichs. Seine vier Töchter heirateten in deutsche Adelsfamilien, wobei drei ihrer Ehemänner während des Zweiten Weltkriegs Verbindungen zum Nazi-Regime hatten – eine tragische Ironie angesichts der Tatsache, dass seine Frau Alice später für die Rettung jüdischer Flüchtlinge während des Holocaust als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt wurde.
Prinz Andreas‘ Leben war geprägt von Pflichterfüllung, Exil und persönlicher Tragödie. Seine militärische Karriere, obwohl mit Hingabe verfolgt, endete in Ungnade und Verbannung. Seine Familie wurde durch politische Umwälzungen, Krieg und die psychische Erkrankung seiner Frau zerrissen. Trotz seiner königlichen Geburt und frühen Privilegien verbrachte er seine letzten Jahre in relativer Armut und Isolation, getrennt von seiner Familie und seinem Heimatland.
Sein Buch „Towards Disaster“ bleibt ein wichtiges historisches Dokument, das Einblick in die griechische Militärgeschichte und die Ereignisse bietet, die zur Kleinasiatischen Katastrophe führten. Seine Erfahrungen verdeutlichen die Herausforderungen, denen sich europäische Monarchien im 20. Jahrhundert gegenübersahen, als Nationalismus, Krieg und politische Revolutionen die alte Ordnung erschütterten.
Quellen:
European Royal History – Prince Andrew of Greece and Denmark






