Willy Millowitsch – Wer war der deutsche Schauspieler?

Wilhelm Peter „Willy“ Millowitsch (*8. Januar 1909 in Köln; †20. September 1999 ebenda) war ein deutscher Schauspieler und Theaterdirektor des Volkstheaters Millowitsch in Köln. Als einer der bekanntesten deutschen Volksschauspieler prägte er über Jahrzehnte die deutsche Unterhaltungskultur und machte die kölsche Mundart bundesweit populär. Als waschechter kölscher Junge kam Willy Millowitsch 1909 zur Welt, im selben Jahr, als sein Großvater Wilhelm Josef Millowitsch verstarb.

Familiengeschichte und Theaterdynastie

Die Wurzeln der Familie Millowitsch

Die Geschichte der Familie Millowitsch und ihre Verbindung mit dem Theater reichte bis zum Ende des 18. Jahrhunderts zurück. Als erster Vertreter der bekannten Kölner Schauspieler- und Theaterdynastie Millowitsch gilt der im Jahr 1792 belegte Michael Millowitsch, der als Lohkuchenhändler arbeitete. Lohkuchen sind zur Feuerung genutzte Briketts aus gepresster Gerberlohe, also den Resten gegerbter Baumrinde. Neben seiner Tätigkeit als Händler trat Millowitsch aber auch regelmäßig öffentlich als Stockpuppenspieler auf und lehrte diese Kunst zumindest seinem Sohn Franz Andreas.

Der nächste Millowitsch – Josef Caspar (1830 – 1867) bezog schon ein festes Haus in Köln und ging darüber hinaus bereits mit seinem Vater im gesamten Rheinland auf Tournee. Ihr Hänneschenpuppentheater erfreute die Menschen auch außerhalb der Domstadt. Wilhelm Josef Millowitsch (1854-1909) ließ anstelle von Stockpuppen richtige Schauspieler agieren und erweiterte das Programm. Neben den bewährten Traditionsfiguren des Stockpuppentheaters wie „Hänneschen“ oder „Bestevater“ wurden zunehmend Stücke aufgeführt, die der Mode der Zeit entsprachen. Glänzend gebaute Schwänke, Adaptionen der Weltliteratur oder Parodien aktueller Schauspiel-Novitäten hielten Einzug in das Repertoire der Bühne.

Willys Eltern und frühe Kindheit

Seine Eltern waren der in Düsseldorf geborene Schauspieler Peter Wilhelm Millowitsch (1880–1945) und dessen Ehefrau, die Wienerin Käthe Plank (1881–1942). Neben Tante Cordy, die auf der Bühne und im Film auftritt, ist auch Vater Peter Wilhelm Schauspieler. Emmas Sohn Peter Wilhelm Millowitsch (1880-1945) wurde 1920 mit der Direktion des Unternehmens betraut. In den krisenhaften Zeiten der Depression und Inflation mußte er den mehrfachen Umzug des Theaters veranlassen. Die Millowitschs und ihre Schauspieler wechselten vom Kristallpalast in die Schildergasse und danach in die Ehrenstraße. Erst 1936 wurde mit dem Einzug in das Coloniahaus an der Aachener Straße der noch heute bestehende Spielort gefunden.

Der Weg zum Schauspieler

Jugend und Ausbildung

Schon als Kind hatte sich Willy mehr für das väterliche Theater interessiert als für die Schule. Willy Millowitsch stammte aus einer Schauspielerfamilie, besuchte jedoch nie eine Schauspielschule. In der Schule rasselte er durch, schaffte keinen Abschluss, wurde aber auf der Welt der Kölner Volksbühne groß – und wuchs darauf wie selbstverständlich zum Star heran. Bereits 1922 wechselte er ohne Schulabschluss in den Schauspielerberuf.

Die Zeit des Zweiten Weltkriegs

Von der NS-Organisation „Kraft durch Freude“ gezwungen, mußte sich das Ensemble mitsamt seinem Direktor im Zweiten Weltkrieg als „Fronttheater“ verdingen und zur Truppenunterhaltung herhalten. Erst im zweiten Weltkrieg ergab sich unerwartet die Gelegenheit für Willy Millowitsch, sich unabhängig von seinem Vater einen Namen zu machen. Die Organisation „Kraft durch Freude“ schickte ihn mit einer kleinen Schauspielertruppe auf Tournee, um die Truppen an der Front zu unterhalten und so ihre Kampfmoral aufrecht zu erhalten. So wurde Willy als erstes Mitglied seiner Familie auch außerhalb von Köln bekannt und legte den Grundstein für seinen deutschlandweiten Ruhm.

1940 verstarb sein Vater und Willy und seine Schwester Lucy mussten die Leitung des Theaters Millowitsch übernehmen, das seit 1936 einen festen Standort in der Aacher Straße 5 hatte.

Nachkriegszeit und Wiederaufbau

Die Wiedereröffnung des Theaters

Im Krieg glücklicherweise weitgehend unbeschädigt geblieben, konnte das Theater, Dank der schnellen Hilfe des damaligen Oberbürgermeisters von Köln: Konrad Adenauer, bereits am 16. September 1945 wiedereröffnet werden. So wurde der Spielbetrieb auf Wunsch des Kölner Oberbürgermeisters, Konrad Adenauer, bereits im Oktober 1945 wiederaufgenommen, und bis ins Jahr 1949 fanden täglich Vorstellungen statt.

Familie und Privatleben

Am 28. September 1946 heiratete Millowitsch Gerda Feldhoff. Sie bekamen vier Kinder: Katarina, Peter, Susanne und Mariele. Zusammen haben sie vier Kinder: Katarina (12.8.1947), Peter (1.2.1949), Susanne (16.5.1953) und Mariele (23.11.1955). Bis auf Susanne haben die Kinder das Interesse an der Schauspielerei geerbt. Peter Millowitsch übernahm 1998 die Leitung des Theaters und führte es bis zur Schließung am 25. März 2018. Seine Schwester Mariele ist aus zahlreichen Fernsehrollen bekannt.

Die Fernsehkarriere und nationale Bekanntheit

Der Durchbruch im Fernsehen

Am 27. Oktober 1953 wurde das kölsche Mundarttheaterstück Der Etappenhase im Westdeutschen Rundfunk (WDR) ausgestrahlt, die erste Live-Übertragung einer Theateraufführung mit echtem Publikum in der deutschen Fernsehgeschichte. Trotz heftiger Kritik am Einzug der „niedrigen Volkskultur“ ins Fernsehen durch den Direktor des Nordwestdeutschen Rundfunks, Adolf Grimme, war es ein sofortiger Erfolg. Dies bleibt eines von Millowitschs populärsten Stücken und wurde mehr als 1.000 Mal aufgeführt.

Willy Millowitsch verdankt seinen ersten Fernsehauftritt der KPdSU. Diese sagte im Oktober 1953 nach dem Volksaufstand in der DDR vom 17. Juni 1953 sehr kurzfristig die Teilnahme der sowjetischen Mannschaft an einem Länderspiel gegen Deutschland in West-Berlin ab. Als Ersatzprogramm für die geplante Sport-Live-Übertragung wurde aus dem Theater in Köln live das Theaterstück „Der Etappenhase“ gesendet. Der Start von Willy Millowitschs Fernsehkarriere.

Die Verbreitung der kölschen Kultur

Es ist zu großen Teilen Millowitschs Verdienst, Kölsch in ganz Deutschland popularisiert zu haben. Die Menschen assoziierten nun den Rheinländer mit einem entspannten Lebensstil und genialem Humor. Theater aus anderen Mundartregionen bemühten sich, mit ihm mitzuhalten, und bald wurde das Mundarttheater zu einem wichtigen Teil der deutschen Fernsehlandschaft.

Mit dem Erfolg dieser Stücke im Fernsehen stieg das Interesse am Theater allmählich wieder an, und in den 1960er Jahren strömten die Menschen wieder scharenweise ins Theater, um Millowitschs beliebte Stücke aus erster Hand zu erleben. Bis zum Beginn der 1960er Jahre musste Millowitsch sein Theater immer wieder vermieten, aber mit dem Zustrom der neuen Menschenmassen konnte sich Millowitsch es leisten, sich von da an auf seine Theaterkarriere zu konzentrieren.

Filmkarriere und weitere künstlerische Aktivitäten

Erfolge im Film

1949, als die Nachkriegstheater-Euphorie nachließ, konzentrierte sich Millowitsch auf seine Film- und Fernsehkarriere und 1949 wurde sein erster Film (Suche nach Majora, Regie: Hermann Pfeiffer) veröffentlicht. Neben seiner Bühnentätigkeit wirkte Willy Millowitsch in zahlreichen Kinofilmen mit. In über 125 Filmen brachte er das Publikum zum Lachen.

Ob in „Drei Mann auf einem Pferd“ (mit Theo Lingen), Scampolo (mit Romy Schneider) oder der Krimi-Komödie „Willy, der Privatdetektiv“ – immer macht der Kölner eine gute Figur. Er spielte eine kleine Rolle in der Hollywood-Komödie National Lampoon’s European Vacation mit Chevy Chase (1985).

Die Rolle als Kommissar Klefisch

In den 1970er Jahren hielt sich Millowitsch an das Volkstheater, und erst Ende der 1980er Jahre wandte er sich auch wieder dem Fernsehen zu und übernahm die Titelrolle in einer Krimiserie als Kommissar Klefisch, den er bis 1996 spielte. Als Kommissar Klefisch im gleichnamigen Fernsehfilmen (ab 1989) überzeugt Millowitsch als echter Charakterschauspieler.

Musikalisches Wirken

Neben seinen theatralischen Verdiensten schrieb er auch klassische Volkslieder, wie Schnaps, das war sein letztes Wort und Wir sind alle kleine Sünderlein. Der Urkölner beweist auch als Sänger sein Talent. Mit Ich bin ene kölsche Jung setzt er seiner Heimatstadt ein Denkmal. Außerdem interpretiert er zahlreiche Karnevals-Ohrwürmer, wie: Wir sind alle kleine Sünderlein. Schnaps, das war sein letztes Wort, dann trugen ihn die Englein fort erreicht 1960 sogar Platz 5 der deutschen Hitparade und verkauft sich insgesamt 900000 Mal.

Gesellschaftliches Engagement

Er engagierte sich auch für politische Anliegen und 1992 nahm er an der wichtigen Anti-Nazi-Kampagne, Arsch huh, Zäng ussenander (Kölsch, bedeutet: Bewegt eure Hintern und sprecht euch aus!), teil, die in einem großen Konzert lokaler Acts gipfelte, an dem 100.000 Menschen auf dem Kölner Chlodwigplatz teilnahmen.

Ehrungen und Auszeichnungen

Die wichtigsten Ehrungen

1989 verlieh die Stadt Köln Millowitsch die Ehrenbürgerschaft, was eine sehr exklusive Ehre in Deutschland ist. Willy Millowitsch erhält zahlreiche Auszeichnungen, darunter zweimal den Bambi (1990 und 1992), die Willi-Ostermann-Medaille in Gold (1994) und im selben Jahr den Bayerischen Fernsehpreis. Zudem ist er seit 1989 Ehrenbürger der Stadt Köln.

So ist Millowitsch nicht nur seit 1989 Ehrenbürger von Köln, sondern erhielt 1994 auch das Große Bundesverdienstkreuz. 1982 wurde eine Edelrose ihm zu Ehren „WiMi“ benannt. Er selbst taufte die Rose mit den Worten: „Bisher konntet ihr mich sehen und hören, jetzt könnt ihr mich sogar riechen“.

Posthume Würdigungen

So hat das Festkomitee Kölner Karneval 2003 die Willy-Millowitsch-Medaille geschaffen. Sie ehrt für Verdienste um die kölsche Sproch. Schon zum zweiten Mal ist außerdem ein Platz in Köln nach dem Volksschauspieler benannt. Als der ursprüngliche Platz an der Händelstraße zur Hundekotstätte verkam, zog der Willy-Millowitsch-Platz 2013 kurzerhand an die Kreuzung Ehren-/Apostelnstraße um. Und der Bronze-Willy vom Eisenmarkt vor dem Hänneschen-Theaters folgte 2014.

Das Millowitsch-Theater und sein Ende

Die Übernahme durch Peter Millowitsch

Seit 1996 ist Willys Sohn Peter Millowitsch für die Geschicke des Millowitsch-Theaters verantwortlich. Er ist der Direktor des Volkstheaters Millowitsch, das er 1999 nach dem Tod seines Vaters Willy Millowitsch übernahm. Zwei seiner vier Kinder, Peter Millowitsch, der jetzt Direktor des Volkstheaters ist, und Mariele Millowitsch haben die Familientradition fortgesetzt und sind beide erfolgreiche Schauspieler geworden.

Das Ende einer Ära

Am 25. März 2018 löste Millowitsch sein Ensemble nach sieben Generationen aus wirtschaftlichen und Altersgründen auf, seitdem wird das Programm der Volksbühne am Rudolfplatz ganzjährig von der neuen Geschäftsleitung gestaltet. Nach sieben Generationen endete die Tradition des Hauses als Sitz des Familien-Theaters im März 2018. Die Ära der Theater-Dynastie Millowitsch wurde am 25. März 2018 – mit den letzten beiden Vorstellungen des Stückes „Wer weiß wofür et jot es“ beendet.

Tod und Vermächtnis

Willy Millowitsch starb am 20. September 1999 mit 90 Jahren. September an Herzversagen und wurde fünf Tage später im Familiengrab auf dem Melaten-Friedhof in Köln beigesetzt. Als letzte besondere Ehrung des großen Künstlers hielt der Weihbischof Friedhelm Hofmann seine Totenmesse im Kölner Dom.

Die Kölner Band „Höhner“ widmete ihm 1989 ein Geburtstagslied mit dem Titel „Willy, wat wär Kölle ohne dich“. Seit 2003 wird jedes Jahr auch die Willy-Millowitsch-Medaille verliehen, an Persönlichkeiten, die sich um die „Kölsche Rede“ besonders verdient gemacht haben.

Willy Millowitsch bleibt als „wandelndes Wahrzeichen Kölns“ und einer der bedeutendsten deutschen Volksschauspieler des 20. Jahrhunderts in Erinnerung. Sein Verdienst, die kölsche Kultur und Sprache über die Grenzen des Rheinlands hinaus bekannt gemacht zu haben, prägt bis heute das Bild Kölns in Deutschland. Mit seinem unverwechselbaren Humor, seiner Bühnenpräsenz und seiner Fähigkeit, Menschen zum Lachen zu bringen, schuf er ein kulturelles Erbe, das weit über sein Theater hinausreicht.


Quellen:

  1. Millowitsch Theater – Familienhistorie
  2. Köln Reporter – Portrait Willy Millowitsch