Joachim Kroll: Der Ruhrkannibale – Ein Blick in das düstere Leben eines Serienmörders

Joachim Georg Kroll (17. April 1933 – 1. Juli 1991) war ein deutscher Serienmörder, Kinderschänder, Nekrophiler und Kannibale, der mindestens acht Frauen und junge Mädchen in der Ruhrregion zwischen 1955 und seiner Verhaftung am 3. Juli 1976 ermordete. Als „Ruhrkannibale“ oder „Ruhrmörder“ schockierte er die Öffentlichkeit durch die Grausamkeit seiner Verbrechen, zu denen auch Nekrophilie und Kannibalismus gehörten.

Die frühen Jahre – Armut und Isolation prägen einen Täter

Kroll wurde am 17. April 1933 als sechstes von neun Kindern eines Bergmanns in Hindenburg (heute Zabrze), Oberschlesien geboren. Seine Kindheit war von den Wirren des Zweiten Weltkriegs geprägt. Als Kind wuchs er in ärmlichen Verhältnissen auf, was zu den schwierigen familiären Umständen beitrug. Seine Kindheit war geprägt von Armut, sozialer Isolation und den Entbehrungen des Zweiten Weltkriegs.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, während dessen sein Vater Kriegsgefangener war, zog Krolls Familie nach Nordrhein-Westfalen. Als der Vater nicht mehr aus der russischen Kriegsgefangenschaft zurückkam, zog die Mutter mit den Kindern 1947 ins Ruhrgebiet, wo sie Anfang 1955 starb. Der Tod der Mutter war ein einschneidendes Ereignis. Er begann 1955 zu morden, nachdem seine Mutter gestorben war.

Der unauffällige Mann mit dem niedrigen IQ

Der stets als Schwächling geltende Kroll, der bei einem Test nach seiner Festnahme einen Intelligenzquotienten von 76 aufwies, begann früh, sich an geschlachteten Tieren zu vergehen. Diese frühen Anzeichen von gestörtem Verhalten blieben lange unbeachtet. Er erhielt nur eine fünfjährige, lückenhafte Schulausbildung.

Um 1960 ging Kroll nach Duisburg und fand Arbeit als Toilettenreiniger bei Mannesmann. Später arbeitete er für Thyssen Industries und zog in die Friesenstraße 24, Laar, einen Stadtteil von Duisburg. Bei seinen Kollegen und Nachbarn galt er als unauffälliger Sonderling. Mitte der Siebziger Jahre galt Kroll bei den Kindern in der Friesenstraße im Duisburger Stadtteil Laar als der „liebe Onkel Achim“. Ein kleiner, dünner Mann mit Halbglatze und Segelohren, der viel hinterm Haus stand und an seinem Mofa herumschraubt. Er war Waschkauenwärter auf der Hamborner August-Thyssen-Hütte, lebte allein in seiner Dachgeschosswohnung, grüßt höflich im Flur, wenn er Nachbarn begegnet.

Die grausame Mordserie – Zwei Jahrzehnte des Schreckens

Joachim Kroll begann seine Mordserie 1955 mit dem Tod einer jungen Frau. In den folgenden zwei Jahrzehnten ermordete er mindestens 14 Menschen, darunter viele Kinder. Die tatsächliche Zahl seiner Opfer bleibt unklar. Kroll tötete nach eigenen Angaben bis zu 30 Menschen.

Die Methode des Täters

Kroll würde seine Opfer überraschen und sie schnell erwürgen. Danach entkleidete er die Leiche und hatte Geschlechtsverkehr mit ihr, oft masturbierte er erneut darüber. Er verstümmelte sie dann und schnitt Stücke ab, um sie später zu essen. Nach seiner Rückkehr nach Hause hatte er wieder Geschlechtsverkehr mit einer Gummipuppe, die er zu diesem Zweck besaß.

Kroll war sehr wählerisch bei seinen Tatorten und tötete nur selten am selben Ort, mit Jahren Abstand. Dies und die Tatsache, dass zur gleichen Zeit mehrere andere Mörder in der Gegend aktiv waren, halfen ihm, der Festnahme zu entgehen.

Die nachgewiesenen Mordopfer

Die Polizei konnte Kroll folgende Morde nachweisen:

    1. September 1966 – Ursula Rohling, 20, erwürgt im Foersterbusch Park bei Marl.
    1. Dezember 1966 – Ilona Harke, 5 Jahre alt, vergewaltigt und in einem Graben in Wuppertal ertränkt.
    1. Juli 1969 – Maria Hettgen, 61, vergewaltigt und erwürgt in Hückeswagen.
  • 8. Mai 1976 – Karin Toepfer, 10, vergewaltigt und erwürgt in Voerde.
  • 3. Juli 1976 – Marion Ketter, 4. Teile ihres Körpers wurden gerade gekocht, als Kroll festgenommen wurde.

Besonders tragisch: Bei der Ermordung von Ursula Rohling beging ihr Freund Adolf Schickel Selbstmord, nachdem er fälschlicherweise des Verbrechens beschuldigt wurde. Infolge eines Justizirrtums war für eine von Krolls Taten ein Unschuldiger drei Jahre lang in Haft.

Die spektakuläre Festnahme – Ein verstopftes Rohr führt zum Monster

Am 3. Juli 1976 endete Krolls Mordserie auf dramatische Weise. Kroll wurde wegen der Entführung und Ermordung der vierjährigen Marion Ketter festgenommen. Die Umstände seiner Festnahme waren außergewöhnlich:

Als die Polizei von Haus zu Haus ging, sprach ein Nachbar einen Polizisten an und erzählte ihm, dass das Abflussrohr in seinem Wohnhaus verstopft war. Als er seinen Nachbarn Kroll gefragt hatte, ob er wisse, was das Rohr verstopfe, hatte Kroll einfach „Gedärme“ geantwortet.

Nach diesem Bericht gingen die Polizisten zu Krolls Wohnung und fanden die Leiche von Marion Ketter zerstückelt: Einige Teile waren im Kühlschrank, eine kleine Hand kochte in einem Topf mit kochendem Wasser und die Eingeweide steckten im Abflussrohr fest. Die Polizisten fanden in seiner Dachgeschosswohnung eine Gefriertruhe mit in Plastiktüten abgepackten menschlichen Überresten. In einem Kochtopf, der noch auf dem Herd stand, schwammen zwei Hände, zwei Füße, ein Unterarm und ein Oberarm des Mädchens in Salzwasser.

Die schockierende Vernehmung und Geständnisse

Kroll wurde sofort festgenommen. Er gestand die Ermordung von Marion Ketter und gab Details von 13 weiteren Morden und einem versuchten Mord über die vorangegangenen zwei Jahrzehnte preis.

Die Verhöre verliefen zunächst schwierig. Kroll machte dicht. Doch allmählich gelang es den Ermittlern, das Vertrauen des kontaktscheuen Serienmörders zu gewinnen. Sie sprachen mit ihm über seine Hobbys, seine Probleme, sein Leben. Kroll taute auf. Schließlich erzählte er von immer mehr Taten.

Kurzerhand nahmen ihn die Ermittler mit an die Orte, wo die Leichen gefunden wurden. Dort sollte Kroll mit einem Polizisten nachstellen, wie er seine Opfer überwältigt und ermordet hatte. Der Plan ging auf. Im Rollenspiel kehrten die Erinnerungen zurück. Immer mehr Details kamen zum Vorschein.

Die verstörenden Motive

Kroll sagte, dass er oft Fleischstücke von seinen Opfern abschnitt, um sie zu kochen und zu essen, und behauptete, dies getan zu haben, um bei seinen Lebensmittelrechnungen zu sparen. Diese Erklärung wirkt besonders bizarr und zeigt seine gestörte Wahrnehmung der Realität.

In Haft glaubte er, dass er eine einfache Operation bekommen würde, um ihn von seinen mörderischen Trieben zu heilen, und dann aus dem Gefängnis entlassen werden würde. Dies zeigt deutlich seinen niedrigen Intelligenzquotienten und sein fehlendes Verständnis für die Schwere seiner Taten.

Scham- oder Schuldgefühle zeigte er den Ermittlern zufolge nicht – er wollte nur das „Kribbeln“ wegbekommen.

Der Prozess – Ein Medienereignis erschüttert Deutschland

Am 5. Oktober 1979 begann der Prozess, am 8. April 1982 wurde der sogenannte Menschenfresser von Duisburg oder Ruhrkannibale, dem acht vollendete und ein versuchter Mord nachgewiesen werden konnten, zu neun Mal lebenslanger Haft verurteilt. Nach einem 151-tägigen Prozess wurde er in allen Anklagepunkten für schuldig befunden.

Von einem „Jahrhundertprozess“ war die Rede, als am 4. Oktober 1979 der Serienmörder Joachim Kroll erstmals auf der Anklagebank im Saal 201 des Duisburger Landgerichts Platz nahm. Ihm wurden acht Morde und ein Mordversuch vorgeworfen.

Während des Prozesses zeigte er wenig Reue und erklärte, er halte seine Taten nicht für moralisch verwerflich. Der Prozess war ein Medienereignis von enormem Ausmaß. Der Prozess gegen Joachim Kroll war ein riesiges Medienereignis. Journalisten aus dem ganzen Land berichteten über den Serienmörder, der den Beinamen „Menschenfresser von Duisburg“ erhielt. Der Druck auf das Gericht war enorm.

Das Ende – Tod in der Haftanstalt

Er starb am 1. Juli 1991 im Gefängnis Rheinbach an einem Herzinfarkt. Joachim Kroll starb 1991 nach 15 Jahren Haft ohne jemals Besuch erhalten zu haben. Sein Tod beendete eines der dunkelsten Kapitel der deutschen Kriminalgeschichte.

Die gesellschaftlichen Auswirkungen und offene Fragen

Die Verbrechen von Joachim Kroll lösten in der deutschen Gesellschaft Entsetzen aus und führten zu einer breiten Diskussion über Kriminalität, soziale Ausgrenzung und die Rolle der Polizei bei der Aufklärung solcher Fälle. Einige Kritiker warfen den Behörden vor, nicht effektiv genug gehandelt zu haben, um Krolls Verbrechen zu stoppen. Andere betonten die Bedeutung von Bildung und sozialer Unterstützung, um potenzielle Täter frühzeitig zu erkennen.

Seine Taten blieben lange unentdeckt, da Kroll vorsichtig vorging und die Polizei die einzelnen Morde nicht miteinander in Verbindung bringen konnte. Dies führte zu einer breiten Diskussion über die Effizienz der damaligen Polizeiarbeit in Deutschland.

Ungelöste Rätsel und psychologische Analyse

Trotz umfangreicher Recherchen sind viele Aspekte des Lebens und der Taten von Joachim Kroll nach wie vor ungeklärt. Forscher untersuchen weiterhin die Rolle von Kindheitstraumata, sozialer Isolation und psychischen Störungen bei der Entstehung von Gewalt.

Die psychologische Analyse von Joachim Kroll ergab ein komplexes Bild eines Täters, der von primitiven Trieben und einer tiefen sozialen Entfremdung geprägt war. Seine niedrige Intelligenz, kombiniert mit sexuellen Störungen und sozialer Isolation, schuf einen Menschen, der zu unvorstellbaren Grausamkeiten fähig war.

Fazit – Ein Mahnmal für die Abgründe menschlicher Natur

Joachim Kroll bleibt eine der verstörendsten Figuren der deutschen Kriminalgeschichte. Sein Fall zeigt auf erschreckende Weise, wie ein Mensch über zwei Jahrzehnte hinweg unentdeckt morden konnte. Die Tatsache, dass er als harmloser „Onkel Achim“ bei Nachbarskindern bekannt war, während er gleichzeitig bestialische Verbrechen beging, macht seinen Fall besonders erschütternd.

Seine Geschichte mahnt uns, wachsam zu bleiben und die Zeichen von Gewalt und Missbrauch ernst zu nehmen. Sie zeigt auch die Wichtigkeit effektiver Polizeiarbeit und die Notwendigkeit, Menschen mit psychischen Problemen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Der Fall Kroll bleibt ein düsteres Kapitel der deutschen Geschichte – eine Erinnerung daran, wozu Menschen fähig sind, wenn sie von ihren dunkelsten Trieben beherrscht werden.


Quellen:

True Crime Junkie: Joachim Kroll – Der Menschenfresser von Duisburg

Dieter Wunderlich: Joachim Kroll Biografie

Ruhrbarone: Der Menschenfresser von Duisburg

National Geographic: Deutsche Serienmörder – Joachim Kroll

MS Aktuell: Der Kannibale von Duisburg