Traktorenmuseum Kempen
Das Traktorenmuseum Kempen ist ein technisches Spezialmuseum in Horn-Bad Meinberg im Ortsteil Kempen, das sich der Bewahrung und Präsentation historischer Landmaschinen und der Entwicklung der Landwirtschaftstechnik widmet. Die private Sammlung von Landmaschinen und Traktoren befindet sich auf dem Campingplatz EGGEWALD und gibt einen Überblick über die technische Entwicklung in der Landwirtschaft von 1180 bis 1957. Das Museum ist ein bedeutendes Zeugnis der Mechanisierungsgeschichte der Landwirtschaft in Deutschland und darüber hinaus.
Geschichte und Gründung
Der Begründer Johannes Glitz
Das Traktoren-Museum Kempen wurde begründet von Johannes Glitz, der dieses besondere Schmuckstück in Lippe liebevoll aufgebaut hat. Johannes Glitz hatte bereits 1972 ein Gespür für den Trend der Zeit und wandelte nach und nach immer mehr Flächen auf dem eigenen Hof in einen Camping-Platz um und gründete mitten im Naturpark Eggegebirge und südlicher Teutoburger Wald den Campingplatz „Eggewald“ im kleinen Ort Kempen.
Die Anfänge der Sammlung
Alles begann 1985 mit einem Hanomag R40 Unikat aus dem Jahre 1949. Ein Freund von Johannes Glitz hatte den historischen Traktor in Paderborn auf einem Schrottplatz entdeckt. „Wir haben den Traktor restauriert und nichts geändert“, erinnert sich der 75-Jährige. Der Vorbesitzer hatte einen Vierzylinder-Dieselmotor eingebaut, die Kotflügel stammen vom Lanz-Bulldog und die Stoßstangen vom VW Käfer. Dieser Traktor wurden dann jahrelang im Betrieb in Kempen zum Silowalzen eingesetzt.
„Dieser Hanomag hat mich mit dem Sammelvirus infiziert“, sagt Glitz. Das Museum gibt seit 1993 in sieben Ausstellungshallen einen Überblick über die technische Entwicklung in der Landwirtschaft vom Mittelalter bis in die 60er Jahre. Das Museum gibt es in Kempen seit 30 Jahren.
Die Sammlung und ihre Besonderheiten
Umfang der Ausstellung
Inzwischen finden sich in der privaten Sammlung im weitläufig eingerichteten Museum neben dem Campingplatz ca. 80 Traktoren aus aller Welt und weit über 1000 alte landwirtschaftliche Geräte und Gebrauchsgegenstände. Die Sammlung spannt einen weiten Bogen von historischen Handgeräten bis zu modernen Maschinen der 1960er Jahre.
Herausragende Exponate
Die Sammlung umfasst eine beeindruckende Vielfalt an Exponaten:
- Eine 2-Mann-Motorsäge von 1936, den klassischen Lanz-Bulldog, eine Hanomag-Raupe von 1957 oder auch einen frühen IHC-Truck von 1908
- Ein Highlight der Ausstellung ist dieser rote IHC-Truck (von der amerikanischen International Harvester Company) von 1908 mit einem 2-Zylinder-Boxermotor und 20 PS
- Zwei Dienstfahrzeuge der Feuerwehr, ein Magirus-Tankfahrzeug und eine Magirus-Drehleiter aus den 1960er-Jahren
- Eine hölzerne Walzen-Dresche, die Johannes Glitz nach originalen Unterlagen nachgebaut hat, wie sie bereits bei den Ägyptern zum Dreschen des Getreides von Hand genutzt wurde
Alltagsgegenstände und regionale Geschichte
Vielfältige Alltagsgegenstände finden sich in den Räumen des Museums, wie etwa alte Schreibmaschinen aus den 60/70er-Jahren, historische Karten aus der Volksschule, Handspritzen aus der Vorkriegszeit oder auch eine voll funktionstüchtige Kugelwaschmaschine von 1936.
Das Museum widmet sich auch der regionalen Geschichte: Es gibt Kempener Ziegelsteine als Erinnerung an die Ziegelei vorort. Auch der Absturz einer Phantom-Jets am 27. Mai 1981 nahe Veldrom wird beleuchtet. Vor einigen Jahren fand Glitz beim Bau eines Staudamms zudem Eisenklumpen aus einem Rennofen in der Durbeke. Er fand heraus, dass dort vor ca. 1000 Jahren eine Eisenverhüttung stattfand.
Technische Innovation: Die Herford-Motoren
Nachhaltige Energieversorgung
Eine Besonderheit des Museums ist seine innovative Stromversorgung: Das Museum wird von einer Kraftwerksanlage mit historischen Motoren mit Strom versorgt. Diese „Herford“-Motoren können mit nachwachsenden Rohstoffen betrieben werden. Diese umweltfreundliche Lösung zeigt, wie historische Technik und moderne Nachhaltigkeitskonzepte miteinander verbunden werden können.
Pädagogische Programme und Bildungsauftrag
Wissensvermittlung für alle Altersgruppen
Das Traktorenmuseum bietet regelmäßig pädagogische Programme wie Workshops und Führungen für verschiedene Altersgruppen an. Diese Programme können dazu beitragen, technisches Wissen zu vermitteln und ein Bewusstsein für die historische Bedeutung der Mechanisierung in der Landwirtschaft zu schaffen. Einige Pädagogen sind der Ansicht, dass solche Formate entscheidend dazu beitragen können, das Interesse junger Menschen an Technik und Geschichte zu wecken.
Wissenschaftliche Kooperationen
Das Museum arbeitet eng mit Universitäten und Forschungseinrichtungen zusammen, um die Geschichte der Landtechnik weiter zu erforschen. Diese Kooperationen könnten dazu beitragen, neue Perspektiven auf die Bedeutung von Traktoren und landwirtschaftlichen Geräten zu eröffnen.
Die historische Bedeutung der Mechanisierung
Zeitlicher Rahmen der Entwicklung
Johannes Glitz gibt einen Überblick über die technische Entwicklung in der Landwirtschaft. Gezeigt werden Maschinen vom Mittelalter bis in die 1960er-Jahre. Sie sollen verdeutlichen, dass innerhalb dieser Epoche eine rasante Mechanisierung und Motorisierung im ländlichen Raum stattgefunden hat.
Gesellschaftliche Auswirkungen
Es wird gezeigt, dass innerhalb dieser Epoche eine rasante Mechanisierung und Motorisierung im ländlichen Raum stattfand. Die damit freiwerdenden Arbeitskräfte fanden in der aufblühenden Industrie Beschäftigung. Das Museum dokumentiert somit nicht nur technische Entwicklungen, sondern auch den tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel, der mit der Mechanisierung der Landwirtschaft einherging.
Veranstaltungen und Besucheraktivitäten
Das jährliche Traktorentreffen
Seit 1987 findet zudem jährlich am ersten Juni-Wochenende das Traktorentreffen in Kempen statt, das auf großes Besucherinteresse stößt. Zu einer kleinen Tradition hat sich das Traktorentreffen in Kempen seit 1987 entwickelt. Liebhaber von Motoren und Maschinen sowie Schaulustige machten sich auch am Wochenende auf, um die Ausstellungsstücke zu bestaunen.
Bei diesen Veranstaltungen präsentiert sich die lebendige Oldtimer-Szene: Zum Traktorentreff kamen die verschiedensten Aussteller, mit jeweils speziellen Exponaten. Ein Neun-Zylinder-Flugzeugmotor etwa konnte auf dem Hof Glitz aus der Nähe bestaunt werden. Traktoren von Deutz, Lanz & Co. ließen Nostalgiker auf ihre Kosten kommen.
Praktische Besucherinformationen
Öffnungszeiten und Eintritt
Öffnungszeiten des Traktorenmuseums sind vom 1. April bis 31. Oktober jeweils von 14 bis 18 Uhr – außer montags. Das Museum ist in der Kempener Straße 33 in Kempen geöffnet, jeden Tag von 14 bis 18 Uhr (außer Montag).
Der Eintritt beträgt pro Person fünf Euro, Kinder bis 14 Jahren ein Euro, Führungen kosten 20 Euro.
Anmeldung für Gruppenführungen
Bei Gruppenführungen ist eine Anmeldung erwünscht – Tel. (05255) 236, Kempener Straße 33. Führungen gibt es für Kleingruppen mit genügend Abstand, bitte telefonische Anmeldung unter 05255/236 oder Fax.: 05255/1375, per Mail: j.glitz@traktoren-museum.de.
Die Lage und Einbettung in die Region
Horn-Bad Meinberg als historischer Standort
Horn ist eine der ältesten Städte des Lipperlandes und wird seit alters die Krone des Lipperlandes genannt. 1248 wird Horn erstmals als Stadt erwähnt. Sie ist eine Gründungsstadt der Edelherren zur Lippe. Die Stadt mit 16 Ortsteilen und zwei Kurorten bietet eine Freilichtbühne, eine Burg mit Burgmuseum, ein Traktorenmuseum und eine Vielfalt, die ihres gleichen sucht.
Integration in den Campingplatz Eggewald
Im Traktorenmuseum finden Sie eine private Sammlung von Landmaschinen und Traktoren. Auf dem Gelände des Campingplatzes Eggewald wird die technische Entwicklung der Landwirtschaft anschaulich thematisiert. Im Lauf der Zeit wurde der Anteil der Landwirtschaft geringer und der Campingplatz und das angeschlossene Traktorenmuseum nahmen mehr Platz ein.
Gastronomisches Angebot
Im anliegenden Museums-Café können Sie sich vor oder nach dem Besuch stärken. Dies rundet das Besuchererlebnis ab und bietet Gelegenheit zum Austausch unter Gleichgesinnten.
Bedeutung für die Technikgeschichte
Dokumentation des Wandels
Das Traktorenmuseum Kempen ist eine bedeutende Einrichtung zur Bewahrung und Vermittlung der Geschichte der landwirtschaftlichen Mechanisierung. Mit seiner umfangreichen Sammlung historischer Traktoren und landwirtschaftlicher Geräte bietet es einen wohl einzigartigen Einblick in die technologische und soziale Entwicklung der Landwirtschaft.
Mit der Zusammenstellung der ausgestellten Maschinen spannt Johannes Glitz einen Bogen von der Vergangenheit in die Zukunft der Landwirtschaft. Es wird gezeigt, dass innerhalb dieser Epoche eine rasante Mechanisierung und Motorisierung im ländlichen Raum stattfand.
Aktuelle Entwicklungen und Zukunftsperspektiven
Kontinuierliche Erweiterung
Ob es eine historische Mühle oder auch Gemeinschaftsräume sind. Glitz veränderte und ergänzte stets sein Angebot – zuletzt durch die Sanierung der Sanitäranlagen 2021/22 oder die Erweiterung des eigenen „Traktoren-Museums“. Dies zeigt, dass das Museum auch nach mehreren Jahrzehnten seines Bestehens dynamisch bleibt und sich weiterentwickelt.
Bewahrung technischen Kulturguts
Das Traktorenmuseum Kempen erfüllt eine wichtige kulturelle Aufgabe: Es bewahrt nicht nur technische Artefakte, sondern auch das Wissen um deren Funktion, Bedeutung und gesellschaftliche Auswirkungen. Die Sammlung von Johannes Glitz ist damit ein wichtiger Beitrag zur Technik- und Sozialgeschichte des ländlichen Raums in Deutschland.
Fazit
Das Traktorenmuseum Kempen ist weit mehr als eine Ansammlung alter Maschinen. Es ist ein lebendiges Zeugnis der Agrargeschichte, ein Ort der Begegnung für Technikbegeisterte und ein wichtiger Bildungsort für kommende Generationen. Mit seiner einzigartigen Kombination aus historischen Exponaten, regionaler Verwurzelung und zukunftsweisenden Konzepten wie der nachhaltigen Energieversorgung durch Herford-Motoren zeigt das Museum exemplarisch, wie Technikgeschichte lebendig und relevant vermittelt werden kann. Die Leidenschaft und das Engagement von Johannes Glitz haben über die Jahrzehnte eine Institution geschaffen, die weit über die Region hinaus Bedeutung erlangt hat und als Modell für ähnliche Einrichtungen dienen kann.
Quellen:






